04.09.2017

Fotobuch

Nachdem ich im Februar 2016 alles über Joeps Woche und seine Beerdigung aufgeschrieben hatte fing ich sofort an ein Fotobuch zu entwerfen. Ich wusste genau wie es werden sollte. Es sollte seine Geschichte in Kurzform erzählen. Bei jedem Foto sollte dabei stehen was wir an dem Tag gemacht haben und was passiert ist. Es sollte eine Art Bilderbuch mit viel Text werden. Es sollte mit Ultraschallfotos anfangen, es sollten Fotos von meinem dicken Bauch rein, die Geburt, die Woche mit Joep und Enden sollte es mit der Beerdigung.

Der Anfang gelang mir gut, die ersten Stunden mit Joep waren so perfekt. Aber dann starb er nach nur 2 Stunden fast und stürzte unser Glück wie ein Kartenhaus zusammen. Es tat mir zu weh das Fotobuch weiter zu machen. Monate lang schaffte ich es nicht mehr mich damit zu beschäftigen. Ich fiel in ein tiefes Loch und so gerne wie ich mir seine Fotos und Videos auf dem Handy ansah, so schrecklich erschien es mir sie in ein Fotobuch zu stecken. Nach Monaten versuchte ich es noch einmal. Die Idee war die selbe aber wieder kam ich nicht viel weiter als das Erste mal. Ich bearbeitete alle Fotos in Photoshop um das Beste aus ihnen zu holen. Ich gestaltete die ersten Seiten und kam bis zum Tag an dem wir erfuhren das Joep sterben würde. Wieder brach ich es ab, ich hatte noch Zeit. Zu seinem Geburtstag sollte das Fotobuch eigentlich fertig werden also versuchte ich es Anfang des Jahres noch einmal. Ich schaute mir meinen letzten Entwurf an und war einfach nur unzufrieden. Ich hatte viel zu wenig Fotos gewählt. Manche Tage hatten nur eine oder zwei Seiten im Album, incl Text und das obwohl jeden Tag so viele Fotos gemacht wurden, obwohl ich doch so viel zu schreiben hatte. Jetzt gefielen mir auch meine Texte nicht mehr. Ich war unsicher, mein Deutsch ist nicht mehr gut, das Buch sollte perfekt werden. Was wenn ich auf einmal NL-Deutsch schreibe und ich mich dann für immer ärger? Ich überlegte meine Familie zu fragen ob sie mir mit den Texten helfen können aber das war mir zu aufwendig. Also wollte ich das Buch doch auf niederländisch machen. Warum auch nicht, mein niederländisch ist genauso gut wie mein Deutsch aber hier habe ich immerhin genug Holländer in meiner Umgebung die mir helfen können und es kontrollieren können. Und den Kritischsten habe ich sogar hier zuhause. Ich wollte die Texte also zusammen mit Rene verfassen aber jetzt fehlte mir die Energie doch wieder. Ich war wieder schwanger und ständig müde. Auf Joeps Geburtstag gab es kein Fotobuch, dafür hängen seine Fotos aber hier überall und was nicht geht geht nun mal nicht.

Vor zwei Wochen hatte ich dann Besuch von Eltern die auch ihren Sohn verloren haben und seine Mama hatte ein kleines Fotobuch bei sich das ich mir am Strand angeguckt habe. Es war ganz anders als das was ich eigentlich wollte aber es war wirklich schön. Es war quadratisch, klein und ohne Texte. Und plötzlich wusste ich dass das die Antwort auf mein Fotobuchproblem war. Ich bin zu perfektionistisch und ich schaffe es einfach nicht ein perfektes Buch mit Text zu machen, noch nicht. Ein quadratisches Buch, mit jeweils einem Foto pro Seite, das ist einfach zu machen und es wirkt wirklich super! Außerdem habe ich die Möglichkeit dann zu jeder Seite etwas zu erzählen, vielleicht fragen mich die Leute ja sogar etwas zu den Fotos und ich kann dadurch von Joep erzählen. Ich entschied mich dazu keine Fotos von der Geburt ins Fotobuch zu machen, denn wenn Besuch kommt ist das vielleicht nicht was sie wirklich sehen sollten? Ich versuchte so wenig wie möglich Nippel in meinem Buch zu verarbeiten aber so ganz ohne ging es nicht weil ich Joep auf den Fotos auf denen wir zusammen sind meistens aus der Brust liegen habe. Aber mich stört es nicht und den Besuch hoffentlich auch nicht. Ach ja, das ist dann nicht mein Problem.

Das Buch gestaltete sich innerhalb weniger Stunden quasi von selbst. Ich hatte keine Probleme mehr, ich musste nicht mehr puzzeln welche Fotos in welchem Format von welchem Tag auf welcher Seite stehen sollten. Die Position der Fotos machte nichts mehr aus, auf jeder Seite steht genau ein Foto.

Heute habe ich Joeps Fotobuch bei der Post abgeholt und was soll ich sagen. Ich bin stolz darauf! Es ist ein tolles Buch. Es ist einfacher als ich es ursprünglich wollte aber dafür ist es in seiner Art perfekt. Zu Boefs Geburt haben wir ein Fotobuch von seinem Bruder. Ich wollte so gerne ein Fotobuch haben wenn nachher all der Besuch kommt. Ich wollte so gerne dass jeder selbst sehen kann ob sie sich ähnlich sehen.


3. Trimester

Und auf einmal befinden wir uns mitten im 3. Trimester. WOW. Die Zeit die ich letztes Jahr so verflucht habe ging auf einmal so schnell dass ich gar keine Zeit hatte sie zu verfluchen! Ich bin jetzt in der 37. SSW, das Ende dieser Schwangerschaft kommt wirklich in Sicht. Ende diesen Monats oder Anfang des Nächsten haben wir wieder ein Baby. Hoffentlich eins das wir sofort mit nach Hause nehmen dürfen. Hauptsache er wird glücklich!

32. SSW
In einer Woche darf er geboren werden und können wir ihn sofort mit nach Hause nehmen! Mittlerweile bin ich in Mutterschutz, zuhause ist alles fertig für seine Ankunft. Alle Klamotten haben ich gewaschen, alles was wir kaufen konnten haben wir gekauft und aufgebaut. Im Auto steht wieder ein Maxi Cosi, liegt ein Kinderwagen. Wir haben wieder einen Laufstall im Wohnzimmer, wir haben ein Beistell-bett im Schlafzimmer. 

In dem Lied 'zo mooi' das für uns für immer mit Joep verbunden sein wird heißt es: 'Und alles war bereit, wir machten die Gesten, die man macht wenn jemand willkommen ist, so willkommen, dass es für immer weh tun wird.'  Wieder ist alles fertig und wieder sind wir groß in den Gesten. Wir sind so bereit wie man es nur sein kann. Wir können kaum noch warten. In den nächsten 4 Wochen ist es soweit, dann werden wir unser Baby, Joeps kleinen Bruder, in den Armen halten und in mir ist es ruhig. Ich weiß dass er uns so unfassbar gut tun wird und das wir perfekte Eltern für ihn sein werden.

Aber ich sollte auch etwas zum 3. Trimester schreiben. Mir geht es noch genauso gut wie im 2. Trimester. Es gab 2 Tage in denen Joeps Bruder sehr ruhig war, viel ruhiger als normal und ich machte mir Sorgen. Bei Joep hätte ich sicher nicht angerufen um zu fragen ob alles okay ist aber diesmal ging ich doch ins Krankenhaus. Er ist normal so stark und liebt seine Yogaübungen die dafür sorgen dass mein Bauch die verrücktesten Formen an nimmt. Aber jetzt fühlte ich schon seit 2 Tagen nur ganz leichte Bewegungen, ich fühlte Joeps Bruder aber er war so schwach dass ich mir Sorgen machte. Ich ging also ins Krankenhaus, ich zweifelte so lange ob gehen sollte oder nicht aber ich rief doch an und konnte sofort vorbei kommen. Es wurde ein CTG gemacht und ich fühlte mich wirklich wie die grösste Anstellerin. Alles in mir sagte dass ich keinen Grund habe hier zu liegen, dass alles einfach okay ist. Dazu kam dass das CTG im Kreisssaal gemacht wurde und ich Joep so nah war, er wurde nur ein paar Räume weiter geboren. Das war emotional wirklich schwieriger als die Sorgen die ich mir um Joeps Bruder machte. Vor allem weil der kleine Scherzkeks 3 Minuten nachdem ich am CTG lag wieder anfing mit aller Kraft zu treten und seine Yogastunde begann.  Es war schön, eine halbe Stunde lang hörte ich seinen Herzschlag, ich fühlte ihn wieder so stark wie eh und je und auf dem Ultraschall sah auch alles gut aus. Natürlich war alles gut, ich wusste es, ich wusste dass ich mich anstellte aber ich durfte mich anstellen! Ich darf mich so viel anstellen wie ich will, Joep ist tot, lieber habe ich 10000 mal zu oft Angst als einmal zu wenig.  Seit dem fühle ich Joeps Bruder wieder stärker, er ist nicht mehr so faul gewesen wie die 2 Tage und es gibt keinen Grund mehr mir Sorgen zu machen.

Ansonsten kann ich eigentlich nichts erzählen das abweicht von meiner Schwangerschaft mit Joep außer dass es mir körperlich sogar besser geht. Das liegt aber daran dass ich 2 Wochen eher aufgehört habe zu arbeiten und dass ich die ersten 2 Wochen im August nur halbe Tage gearbeitet hat. Ich hatte wieder solche Rückenschmerzen, die hatte ich bei Joep auch schon. Im oberen Rücken und sitzen ist einfach Gift für meinen Rücken. Diesmal war es mir egal, ich ging einfach schon 6 Wochen vor dem ausgerechneten Datum in Mutterschutz und sagte auf der Arbeit bescheid dass ich die 2 Wochen davor nur noch halbe Tage arbeiten würde. (Ein Hoch auf die Niederlande in der man sowas als Arbeitnehmer einfach selbst entscheiden kann.) Bei Joep habe ich die Schmerzen 'ignoriert', ich wollte funktionieren, ich wollte weiter arbeiten. Zwei Wochen länger arbeiten bedeutete zwei Wochen die ich nach der Geburt länger bei Joep zuhause sein konnte. Diesmal habe ich auf meinen Körper gehört und ich weiß dass ich das auch beim nächsten Kind so machen werde. Je besser es mir körperlich geht desto besser geht es mir mental. Dann nehme ich mir halt unbezahlten Urlaub!

Seit heute bin ich also in der 37. SSW, mir geht es soweit gut. Ich vermisse Joep noch immer, das wird sich nie ändern. Es war komisch Joeps Klamotten zu waschen und zu wissen dass er sie nie getragen hat. Dass sie jetzt für Joeps Bruder sind. Ich fühlte mich wie in einer Zeitreise. Es war wieder Januar 2016, ich bereitete alles für Joep vor. Ich wusch die gleichen Klamotten, ich wusch die gleichen Schubladen aus, dekorierte das selbe Regal. Natürlich wusste ich dass ich es dieses mal alles für Joeps Bruder tat und nicht für Joep. Aber es waren die gleichen Handlungen, ich habe das alles schon einmal gemacht. Es war nicht schrecklich oder so, es fühlte sich richtig an. Joeps Bruder verdient diese Klamotten genauso wie Joep sie verdient hat. Diesmal werden sie getragen, diesmal werde ich sehen wie sie meinem Sohn stehen, wie goldig und perfekt er aussieht in den Outfits die wir für ihn haben.

Das nächste Update das ich schreiben werde wird wohl über die Geburt gehen. Ich habe keine Angst vor der Geburt. Wir haben abgesprochen dass Joeps Bruder nach der Geburt von einem Kinderarzt untersucht wird. Die nächsten Wochen werden wir mit einem Kinderarzt reden um unsere Erwartungen an diese Untersuchung zu besprechen. Ich will sicher wissen dass Joeps Bruder keine Hirnblutung hat, ich will sicher sein ein gesundes Kind mit nach Hause zu nehmen. Aber vor allem will ich dass er nicht unnötig viel untersucht wird, er soll nicht zur Kontrolle im Krankenhaus bleiben wenn das nicht nötig ist. Sobald der Kinderarzt grünes Licht gibt fahren wir nach Hause. So schnell wie möglich! Ich freue mich soooo sehr ihn bald zuhause zu haben, zu kuscheln. Nur Rene, Joeps Bruder und ich im Bett, wir werden ihn stundenlang angucken, genau so wie wir seinen Bruder in uns aufgesaugt haben. Jeder Millimeter seines Körpers wird studiert. Was hat er von Papa? Was von Mama? Was hat er von Joep?

Ich bin froh und dankbar dass ich keine Ängste habe. Die hatte ich wirklich nur im ersten Trimester und das war hart aber ich bin davon überzeugt dass das durch die Fehlgeburt und Joeps Geburtstag kam. Nach dem Verlust seines Kindes kann man wieder schön schwanger sein. Es ist natürlich ganz anders als bei Joep, ich sitze nicht auf meiner rosa Wolke aber mehr als keine Ängste haben konnte ich mir nicht wünschen. Ich lebe von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Noch immer kann ich mir kaum vorstellen dass wir den Kleinen bald zuhause haben. Aber das ist okay für mich, bald ist er zuhause und dann werde ich mich sicher kneifen weil ich es sogar dann noch nicht glauben kann. Dass wir nach so langer Zeit tatsächlich wieder richtig Glück haben. Joeps Bruder ist unser grösstes Glück, ein gesundes Kind ist das grösste Glück. Nach all den Niederlagen werden wir wieder Glück haben, natürlich traue ich mich noch nicht mich darauf zu verlassen. Mein Leben hat mir 2016 doch sehr klar vor Augen gehalten dass nichts so läuft wie ich es mir wünschen würde, dass ich mich nicht darauf verlassen kann dass einfach alles gut geht! Aber 2017 war bis jetzt gut zu uns und ich hoffe dass es das auch bleibt.

5 Tage vor der Geburt

28.08.2017

Das Totenhemdchen - Gebrüder Grimm

Als Kind habe ich Grimms Märchen geliebt. Bis heute finde ich dass die Gebrüder Grimms wirklich die schönsten Märchen zusammen getragen haben. Natürlich gibt es auch eine Menge anderer Märchen die schön sind aber keine anderen gehören so zu meiner Kindheit wie die der Gebrüder Grimm. Ich weiß dass die Enden vieler Märchen im Laufe der Zeit geändert wurden um sie kindgerechter zu machen. Und ehrlich ist ehrlich. Welches kleine Mädchen wünscht sich am Ende eines jeden Märchens kein: '...und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.'

Zufällig bin ich jetzt aber auf ein Märchen gestoßen dass mich echt fassungslos machte. Die Moral der Geschichte entgeht mir komplett. In 'Das Totenhemdchen' geht es um einen kleinen Jungen der gestorben ist und um seine Mutter die schrecklich viel weint weil sie ihr Kind so vermisst. Nach der Beerdigung erscheint ihr der Junge dann Nachts und sagt ihr dass sein Totenhemdchen ganz nass ist von ihren Tränen und dass sie doch aufhören soll zu weinen damit er endlich in Frieden schlafen kann. Seine Mutter ist natürlich entsetzt dass sie ihrem Kleinen nicht gut tut und deswegen hört sie komplett auf um ihn zu weinen, sie ertrug ihr Schicksal und ihren Schmerz still und geduldig. Ende der Geschichte.

Was mir dieses Märchen vor allem zeigt ist wie anders es doch früher war. Mütter durften nicht um ihre Kinder trauern, nicht einmal alleine Zuhause wenn niemand es sah. Es wurde einfach erwartet dass man es unterdrückt und weiter lebt. Wenn ihr Ehemann gestorben wäre hätte man von ihr erwartet sich an das Trauerjahr zu halten und ein Jahr lang nur schwarz zu tragen, aber wenn es ums eigene Kind ging war das scheinbar ganz anders. 

Dieses Märchen in der heutigen Zeit, einer Zeit in der ich so dafür kämpfe dieses Tabu zu brechen, scheint mir so falsch zu sein. Und das begegne ich immer öfter Menschen, höre ich immer wieder Geschichten von anderen Müttern, die genau das von uns erwarten. Wir sollen weiter machen und unser Leben leben, sie verstehen nicht dass mehr als funktionieren einfach noch nicht drin ist. Zu. Glück bin ich nur auf wenig Unverständnis gestoßen aber ich höre es so oft von anderen Mamas. Das es als komisch erfahren wird wenn sie ihre verstorbenen Kinder mit aufzählen. 

Dieses Märchen ist für mich kein Märchen. Vor allem nichts für Kinder. Aber auch nichts für mich... Es zeigt lediglich wie es früher war, in einer Zeit in der viel mehr Kinder starben als heute. Als wirklich jede Menge Familien betroffen waren, als sie einander hätten unterstützen können war das nicht möglich, denn man sprach nicht über den Verlust und die Trauer um sein Kind. 

Oft hätte ich mir jmd in meiner Umgebung gewünscht der mich versteht. Ich habe Kontakte übers Internet geschlossen. Oft dachte ich früher war es leichter, da verstand zumindest jeder diesen Schmerz, da gab es diese Mauer des Unverständnisses nicht. Aber wahrscheinlich war es früher noch viel schlimmer. Jeder verstand es aber niemand durfte darüber reden. Weiter machen war die Devise. Ich frag mich wie viele Leute das psychisch geschafft haben ohne zusammen zu brechen. 


15.08.2017

Jetzt wäre Joepi schon 1,5 Jahre alt

Vor 1,5 Jahren war ich der glücklichste Mensch der Welt. Wie schnell sich das ändern würde/könnte, daran hab ich zu dem Zeitpunkt keinen Gedanken verschwendet.

Mein Körper war voller Glückshormone und ich lernte zu lieben wie es nur Mamas können. 1,5 Jahre ist das heute her... Die Zeit bleibt komisch, wie kann es sein dass Joep nächste Woche schon 1,5 Jahre tot ist. Wie kann es sein dass er nur 8 Tage alt wurde... Die Welt dreht sich einfach weiter und das obwohl ich am liebsten für immer in diesen 8 Tagen leben würde.

Ich sitze jetzt vorm Friedhof im Auto, gerade habe ich Joep einen Ballon gebracht. Eigentlich wollte ich noch Blumen für Joep kaufen aber es regnet und ich bin spät dran. Ich muss zur Arbeit. Ich muss noch eine Woche arbeiten bevor ich frei habe. Verrückt, wo ich gerade noch die Zeit verfluchte bin ich jetzt froh dass sie einfach ihr Ding durch zieht und nicht still steht. In 6 Wochen wird Joep grosser Bruder. In dieser komischen Zeit ist in mir aus einem Millimeter Gewebe ein kleiner Mensch geworden, er wächst stetig in meinem Bauch und zeigt uns dass die Zukunft auch noch Gutes für uns bereit hält. Er sorgt dafür dass ich mit Hoffnung in die Zukunft blicke. 

Aber jetzt fahre ich zur Arbeit und lebe mein Leben... Keiner der mir heute ansehen wird dass Joep jetzt 1,5 Jahre alt sein würde. Keiner der auch nur einen Gedanken daran verschwendet ob ich vielleicht heute morgen die ganze Zeit schon mit den Tränen kämpfe. Keinem wird auffallen dass mein Mascara total am Arsch ist, ich werde funktionieren und die Welt wird sehen was sie sehen will.  Alles ist gut, alles ist gut...Ich funktioniere wieder, immer, das ist gut, natürlich ist das gut. aber heute tut es wieder so weh und ich will gar nicht funktionieren...

Ich liebe dich Joep. Heute nach 1,5 Jahren noch genauso intensiv wie am ersten Tag. Du wirst mir immer fehlen. Du warst so unfassbar schön, ich werde immer stolz auf dich sein!
Den Blumenstrauß bekommst du noch. Versprochen!

09.08.2017

Einen Traum den wir nur für Joeps Bruder träumen

Als ich von Joep schwanger war hatte ich so viele Träume, wir träumten von der Zukunft die uns so rosig erschien. Jeder kleine Junge den wir unterwegs trafen liess uns wieder weiter träumen. Wird Joep das auch so machen? Wird Joep es besser machen?

Wir hatten quasi schon sein ganzes Leben erträumt. Joep würde clever sein und studieren, was genau war uns egal aber er würde im Leben was erreichen. Wir würden ihm immer ein gutes Vorbild sein. Joep würde gutes Essen lieben, wir träumten davon wie wir zusammen kochen würden und er nur das Beste gut genug fände. Das Beste und natürlich Pommes, Pommes würde er auch lieben, wie alle kleinen Kinder.

Wir träumten davon wie er mit anderen Kindern spielt und jede Menge Freunde hier in der Strasse hat. Wir fragten uns ob er der Anführer der Gruppe sein würde? Ob er den meisten Unfug von allen Kindern machen würde? Wir lachten bei dem Gedanken dass auf einmal andere niederländische Kinder "Scheisse" sagen würden und alle Eltern wüssten genau dass sie das von Joep gelernt haben weil ich zuhause meinen Mund nicht halten konnte.

Wir träumten davon dass Joep hellbondes Haar hat und sportlich ist. Wir träumten davon dass wir ganz oft mit ihm zum Strand gehen würden, wir wohnen so nah am Strand und Joep würde den Strand lieben und mit Papa riesen Sandburgen bauen!

Wir träumten davon wie er seine kleinen Schwestern beschützt und auf sie auf passt. Wie er es hassen würde wenn seine Freunde seine kleine Schwester toll fänden. Ja wir träumten davon dass er schnell ein Schwesterchen bekommen würde. Ein Junge und ein Mädchen, das schien uns so perfekt. Eventuell wenn die beiden was älter sind noch ein 3. Kind hinterher.

Alle Träume die werdende Eltern so träumen träumten wir für Joep.

Und dann auf einmal waren all die Träume es die unser Leben zur Hölle machten, wir träumten sie weiter aber wussten dass unsere Träume niemals Wirklichkeit werden würden. Es dauerte lange bis wir uns abgewöhnten zu träumen. Bis wir uns nicht mehr bei allem Neuen fragten wie Joep das wohl finden würde. Wie es wohl wäre wenn er jetzt gerade bei uns wäre. Bis wir andere Kinder ansehen konnten ohne daran zu denken dass Joep alles was sie tun nie tun wird.

Wir haben uns abgewöhnt zu träumen weil Träume uns so weh taten.Wir träumen nicht mehr von der Zukunft, unsere Zukunft sieht auch nicht mehr so rosig aus. Wir haben gelernt wie sehr es weh tut wenn Träume platzen.

Aber jetzt bin ich wieder schwanger, hoch schwanger. Ich will wieder träumen, für Joeps Bruder, von Joeps Bruder. Aber alle Träume haben wir schon für Joep geträumt. Die Träume haben sich ja nicht in Luft aufgelöst. Ich träume noch immer davon mein Baby nach der Geburt mit nach Hause zu nehmen, ihn zwischen uns ins Bett zu legen und ihn einfach zu bewundern. Ich träume noch immer davon mit meinem Baby raus zu gehen so dass Leute sehen wie hübsch mein Baby ist und sie uns auf ihn ansprechen. Ich träume davon wie stolz wir sein werden.

Joeps Bruder verdient auch seine eigenen Träume! Und genau da ist das Problem, wenn man doch schon alles geträumt hat was es gibt, was soll man denn dann noch träumen? Worauf sollen wir hoffen? Ich hätte gerne einen neuen Traum, eine perfekte rosa (oder babyblaue) Welt für uns und Joeps Bruder von der ich träumen kann, eine die nur für Joeps Bruder ist. Aber die gibt es nicht, es gibt nur eine allegemeine Babytraumwelt. Wahrscheinlich ist das beim 2. Kind immer so dass man kaum/keine neuen Träume hat. Man wünscht sich für all seine Kinder nur das Beste und darum träumt man auch nur vom Besten.

Natürlich träume ich auch davon dass Joeps Bruder klug und hübsch wird, viele Freunde haben wird und dass er ein glücklicher Junge werden wird.

Aber vor allem hoffe ich dass wir ihm alles geben können das er braucht um das zu erreichen, dass wir keine ängstlichen Eltern werden die ständig Angst davor haben dass sie ihr Kind verlieren können, weil wir wissen wie schnell das gehen kann. Wir wären die entspanntesten Eltern überhaupt für Joep gewesen, aber wie wir jetzt sein werden weiss ich nicht.

Wir haben kleine verhaltende Träume und Pläne für Joeps Bruder die wir so nicht für Joep hatten. Der erste Wunsch ist dass wir die ersten Tage alleine mit ihm sein wollen, dass ihn keiner ausser uns (und der Geburtshelferin die die erste Woche bei uns sein wird) anfasst. Einfach damit wir uns in Ruhe an ihn gewöhnen können. Bei Joep konnte ich nicht darauf warten dass jeder vorbei kommt um ihn zu bewundern. (Und im Krankenhaus wollte ich dann niemanden sehen und meine kurze Zeit mit ihm nicht teilen) Diesesmal wünschte ich dass das nicht nötig ist, wir wollen einfach unsere Ruhe mit ihm haben und unser junges Familienglück geniessen. Mal sehen wie wir das umsetzen werden. Rene und ich haben beide eine sehr grosse Familie und wenn jeder vorbeikommen will dann haben wir das Haus wochenlang voll. Ganz zu schweigen von den Freunden und Kollegen die alle so mit uns mitgelebt haben und sicher auch gerne unser neues Wunder bewundern wollen.

Ein anderer Traum den wir für Joeps Bruder haben ist dass er vor allem selbstgemachtes Essen isst. Das haben wir auch für Joep geträumt, aber im letzten Jahr haben wir uns was das betrifft weiter entwickelt. Wir haben letztens zum Beispiel selbst Joghurt gemacht und haben extra hierfür auf einem Bauernhof frische Milch gekauft (Die ich nicht trinken durfte...). Wir wollen gerne dass er weiss woher sein Essen kommt und er merkt dass es besser schmeckt wenn man es selbst macht als wenn man es fertig im Supermarkt kauft.

Wir sind noch auf der Suche nach einem Traum den wir nur für Joeps Bruder träumen und der nichts mit Joep zu tun hat. Aber ehrlich ist ehrlich, der einzige wirklilch neue Traum den wir haben ist dass wir davon träumen zusammen Joep zu besuchen. Wir träumen davon vorher in den Streichelzoo zu gehen der hier gleich um die Ecke ist und davon dass Joeps Bruder gerne seinen grossen Bruder besucht. Aber diesen Traum gäbe es nicht ohne Joep. Wir werden sehen ob wir einen Traum finden den wir nur für Joeps Bruder träumen.

Und wenn das nicht so ist dann ist auch das total in Ordnung. Der wichtigste Traum den ich für beide geträumt habe und jetzt für Joeps Bruder träume ist dass es die glücklichsten Jungs der Welt werden. Hauptsache Joeps Bruder wird glücklich!

08.08.2017

Mamakraft

Kennt ihr noch das Gefühl dass ihr kurz nach der Geburt eures Kindes hattet? Als ihr auf einmal wusstet dass ihr für dieses kleine Baby alles tun werdet und bis ans Ende der Welt gehen würdet? Diese unfassbare Kraft, Rene und ich nennen sie Mama- und Papakraft.

Als Joep noch lebte versprachen wir ihm weiterhin immer stark zu sein, für ihn. Und in dem Moment war ich mir sicher dass wir das schaffen weil er mir so viel Kraft schenkte. Sogar kurz nach seinem Tod war diese unfassbare Stärke noch in mir, vor allem wenn ich gerade von seinem Grab kam. Ich fühlte ihn ganz nah bei mir und doch wurde diese Kraft und Stärke mit der Zeit immer weniger. So wenig bis sie letztendlich ganz weg war. Ohne Baby/Kind gab es für uns keine Mama- oder Papakraft. Was habe ich Eltern beneidet die schon ein Kind hatten, einfach weil ich dachte dass sie diese Kraft noch haben und sie einen Grund zum kämpfen haben. Einen Grund den ich so lange gesucht habe aber alles was ich fand war ein kleiner Funken Hoffnung dass wir irgendwann noch einmal Eltern werden würden.

In den letzten Wochen fällt mir auf dass es mir psychisch besser geht. Erst ging es Rene besser als mir, irgendwann ging es uns gleich gut/schlecht aber in letzter Zeit merken wir dass es mir besser geht und ich die Stärkere bin. Was verrückt ist denn ich bin schwanger und müde und mein Leben besteht eigentlich nur noch aus arbeiten, essen und schlafen. Aber wenn ich wach bin dann sitze ich viel weniger rum als vorher. Der Nesteldrang setzt langsam ein, ich will dass alles fertig ist. Nur noch 2 Monate und wir haben wieder ein Kind. In mir herrscht eine Unruhe die dafür sorgt dass ich anfange alles zu sortieren, sauber zu machen und vor zu bereiten.

Erst heute wurde mir bewusst warum es mir besser geht als Rene, dabei ist es doch so logisch. Es kommt durch Joeps Bruder, meine Mamakraft setzt langsam aber sicher ein. Ich trage ihn 24/7 mit mir rum, spüre ihn immer. Ich habe eine kleine Batterie im Bauch die mich mit extra Energie versorgt. Bei Joep wurde mir erst im Krankenhaus bewusst dass er eine kleine Batterie ist, ich durch ihn die stärkste Frau der Welt geworden bin. Diesmal erkenne ich es schon 2 Monate vor der Geburt. Joeps Bruder macht wieder eine starke Frau aus mir, etwas wovon ich nicht gedacht hatte dass ich das dieses Jahr noch so empfinden würde. Ich bin sicher noch nicht so stark wie vor Joep, ich bin noch lange nicht so wie ich war aber ich weiss  dass ich stark genug bin um das mit Joeps Bruder alles zu schaffen! Dass er eine starke Mama hat und ich bin überzeugt dass bald auch die Papakraft einsetzten wird und Rene auch von unserer kleinen Batterie profitieren wird.

Mama und Papakraft, wir sind bereit für dich und durch dich bereit für alles was die nächsten Jahre noch auf uns zukommt. Vielleicht ist es ja gerade diese Kraft die wir brauchen um wieder glücklich werden zu können!
Joep, ich liebe dich! Ich vermisse dich! Du hast Mami gezeigt wie stark sie sein kann und genau das hilft Mami gerade wieder etwas Vertrauen in die Zukunft zu bekommen. Danke mein kleiner schöner Schatz!

03.08.2017

Gedenkdienst im Krankenhaus in dem Joep starb

Im Krankenhaus in dem Joep gestorben ist gibt es einmal im Jahr einen Gedenkdienst (kein Gottesdient) für alle Kinder die im letzten Jahr gestorben sind.

Lange habe ich auf diesen Tag gewartet, ich habe ein paar mal nachgefragt wann dieser Dienst denn endlich sei und im Mai war es dann so weit. Einen Tag vor Muttertag hatten wir diesen Gedenkdienst.

Eine Woche zuvor waren wir schon einmal in Leiden wegen dem grossen Organscreening von Joeps Bruder. Das machte es jetzt leichter, das Parkhaus schnürte mir zwar wieder die Luft zum atmen ab aber nicht so sehr wie eine Woche zuvor. Diesmal mussten wir auch in ein anderes Gebäude in dem wir vorher noch nie waren und wir hatten die Möglichkeit nach dem Dienst noch etwas zu trinken und uns mit anderen Eltern aus zu tauschen.

Der Dienst begann, es wurden Geschichten und Gedichte vorgelesen, es gab zwei Musikanten die Musik spielten und alles war festlich geschmückt. Rene und ich waren in unserer eigenen Welt, sprachen nicht mit anderen Eltern. Es war sehr emotional aber es war auch ein schöner Dienst.

Man hatte die Möglichkeit vor dem Dienst ein Gedicht das man für sein Kind geschrieben hat via email zu verschicken dass dan vorgelesen wurde. Als der Brief mit der Einladung kam ging es uns nicht gut und ich habe nur die wichtigsten Informationen daraus beachtet. Wir mussten uns anmelden, wir mussten in einem bestimmten gebäude sein und es war im Mai. Am morgen vor dem Gedenkdienst habe ich dann nochmal alles gut gelesen und ärgerte mich enorm dass wir das Gedicht dass Rene für Joep geschrieben hat nicht eingereicht haben. Ich dachte jetzt ist es auch zu spät, dann haben wir halt pech.

Auf jedem Stuhl lag ein Programmheft und darin standen auch alle Gedichte die Eltern für ihre Kinder geschrieben haben. Joeps Gedicht stand nicht dabei und das machte mich traurig. Plötzlich wurde dann noch ein Gedicht vorgelesen dass von anderen Eltern erst am morgen eingereicht wurde und jetzt ärgerte ich mich richtig. Wir hätten einfach auch dreist sein sollen, dann wäre sein Gedicht vorgelesen worden anstatt nur in einem Heft zu stehen. Verdammte scheisse...

Während eines Liedes stand ich auch und ging zu der Frau die den Dienst leitete und fragte ob sie vielleicht auch unser Gedicht noch vorlesen konnte, von meinem Handy, von diesem Blog. Es war kein Problem und so wurde auch unser Gedicht noch vorgelesen. Natürlich war das für uns ein unfassbar emotionaler Moment! Es fühlte sich richtig an dass Joep diese extra Aufmerksamkeit bekam!

Der Höhepunkt des Dienstes war wohl der Moment in dem alle Namen von allen Kindern genannt wurden. Die Namen wurden in Etappen vorgelesen, unterbrochen durch Musik und Gedichte. Sobald der Name eines Kindes genannt wurde standen die Eltern auf, nahmen eine weisse Rose in Empfang und stellten diese Rose in eine grosse Vase die in der Mitte stand.



02.08.2017

Momentaufnahmen

Wie geht es mir momentan wirklich?

Oft wenn ich hier schreibe dann schreibe ich um meinen Frust ab zu bauen oder um meiner Trauer ein Ventil zu geben. Natürlich geht es mir nicht immer nur schlecht, wir haben mittlerweile auch wieder viele gute Momente. Jeder einzelne Eintrag ist eine Momentaufnahme. 100% wahr aber nicht representativ für die anderen Tage an denen ich nicht schreibe.

Wir lachen viel und man sieht uns wirklich nicht mehr an dass wir es noch immer so schwer haben. Einfach weil wir wieder funktionieren und es uns besser geht. Aber unser Leben ist noch nicht gut und Menschen die meinen Blog mitlesen wissen das und verstehen das. Der Rest der Welt scheint oft keine Ahnung zu haben. Da gehen wir in der Menge unter und man findet uns maximal langweilig wenn wir sagen dass wir keine Lust haben etwas zu unternehmen. Die Schwangerschaft ist da natürlich auch eine willkommene "Ausrede". Wir brauchen sie nicht einmal zu nennen, jeder scheint sie als Grund für alles zu akzeptieren. Mir geht es nicht gut? Ja es muss schwer sein wieder schwanger zu sein. Ich hab keinen guten Tag und will nichts unternehmen? Ja, schwanger ist man auch so müde. Dass das nur selten wirklich der Fall ist erkläre ich lange nicht immer. Sollen sie doch denken... Solang ich  meine Ruhe habe :)

Aber mir ist auch wichtig dass jeder der hier liest versteht dass es immer nur Momentaufnahmen sind wenn ich hier schreibe und ich halt vor allem schreibe wenn es mir nicht so gut geht. Manchmal weiss ich nicht mal worüber ich noch schreiben könnte und plötzlich passieren wieder so viele Dinge die ich nicht schnell genug auf Papier bringen kann.

Ich bin nicht mehr so positiv wie ich früher war aber ich denke ich bin ein Stück positiver als ich hier rüber komme. Die meiste Zeit habe ich wirklich Hoffnung dass wir wieder glücklich werden, mein Leben besteht aus Trauer aber genauso allgegenwärtig ist die Liebe die ich nicht nur von Rene und Joep bekomme sondern auch von unseren Famlien und Freunden. Die Liebe die ich für so viele Menschen empfinde.

Unser Leben ist noch lange nicht gut. Richtig gut wird es wohl nie wieder werden aber wir werden wieder glücklich, ich weiss es und ich brauche diese Hoffnung auch.

Ich habe keine Ängste dass wir auch Joeps Bruder verlieren könnten, was das betrifft bin ich fast genauso naiv wie ich es auch bei Joep war. Das tut mir wirklich gut. Ich habe im letzten Jahr etwas gelernt und diese Schwangerschaft versuche ich nicht mehr mehr zu unternehmen als ich kann. Momentan besteht mein Leben aus arbeiten, essen und schlafen. Mehr schaffe ich nicht und das ist okay für mich. Bei Joep habe ich so gekämpft, trotzdem noch regelmäßig etwas zu unternehmen aber das ist jetzt einfach nicht mehr nötig. Ich nehme mir die Ruhe die ich brauche und wenn ich demnächst merke dass Vollzeit arbeiten auch zu viel wird dann werde ich auch weniger arbeiten. Ich stresse mich einfach nicht mehr so um Unwichtiges. Ich weiss was echte Probleme sind andere "Probleme" berühren mich viel weniger als früher.

24.07.2017

Regenbogen

Lieber Joep,

Mein liebster und schönster Joep, gestern war schon wieder der 23.

Gestern vor 17 Monaten bist du für immer in unseren Armen eingeschlafen. Du warst so stark, hast allen gezeigt was für ein Kämpfer du bist, dass du das Durchsetzungsvermögen von Papa hast! Ein echter Daniels gibt nicht auf, ein Daniels kämpft und du hast bis zum letzten Atemzug so sehr gekämpft. 

Mama hatte sogar irgendwie die Hoffnung dass du die Nacht auch noch überleben würdest und dass die Ärzte morgens einsehen dass sie falsch liegen. Du stirbst nicht, nicht mein Sohn, er wird euch allen zeigen wie stark er ist. Aber tief in meinem Herzen wusste ich es besser, egal wie stark du warst, niemand ist so stark dass ein kaputtes Gehirn kein Problem ist.... Du konntest nicht glücklich werden, du konntest niemals werden was du hättest werden müssen. Ein Leben voller Leid wollte dir jeder ersparen...

Gestern vor genau 17 Monaten als du so hart um dein Leben gekämpft hast, hast du uns gezeigt was dein Zeichen ist. Du hast uns deinen ersten Regenbogen geschickt und als wir ihn sahen wussten wir dass diese Verbindung zwischen Himmel und Erde immer unsere Verbindung sein wird.

Der Regenbogen bedeutet für uns sichtbare Liebe zwischen Himmel und Erde. Unsere Liebe die für ein paar Minuten in den schönsten Farben für jeden sichtbar vom Himmel strahlt.

Mama geht es seit dem Urlaub schlechter. Gestern hat sie sicher 1000 Mal zu Papa gesagt dass sie nicht arbeiten will, die Kraft nicht findet um diese Woche zu funktionieren.

Ich ging wieder früh ins Bett. Ich lag ihm Bett und surfte durchs Internet. Ich dachte nicht daran dass es jetzt genau 17 Monate her war dass dein kleines Herz seine letzten Schläge schlug. Der 23. ist ein Tag der nicht mehr so schwer ist wie anfangs, ich denke nicht mehr die ganze Zeit daran was genau war.  Aber gestern um 21.15 guckte ich vom Bett aus kurz aus dem Fenster und da sah ich ihn. Einen riesigen Regenbogen! Genau vor unserem Schlafzimmerfenster. Genau über dem Friedhof, über dir und das obwohl es gar nicht wirklich regnete. Es waren die letzten Sonnenstrahlen und sie zauberten uns einen wunderschönen Regenbogen.

Jeder Regenbogen erinnert mich an dich und schenkt mir Freude und Stolz. Ein kompletter Regenbogen bedeutet für mich aber noch so viel mehr. Dann weiß Mami wie viel Mühe du dir gibst. So ein Regenbogen direkt überm Friedhof, das ist etwas ganz besonderes. Und dann am 23. ganz spät abends! Das war wirklich ganz besonders.

Mami rief sofort Papa, er musste sofort kommen, sofort. Ich war fast schon hysterisch, ich rief ihn und er sollte sofort da sein, Papa kam sofort aber Mama hatte solche Angst dass auch nur eine Sekunde zuviel von deinem Zeichen verpasst werden könnte.

Papa kam zu Mama ins Bett und wir setzten uns vors Fenster um dein Geschenk zu bewundern. Papa sagte dass du bestimmt wusstest dass es mir nicht gut geht und dass du mir Kraft schickst und so war es auch. Mami fühlte sich sofort besser, wirklich wahr. Auf einmal wusste ich dass ich diese Woche wohl arbeiten kann und dass ich stark genug bin.

Wir sassen eine viertel Stunde auf dem Bett und der Regenbogen wurde immer schöner. Er war sogar kurz doppelt. Es ist so schade dass man einen Regenbogen nie so schön aufs Foto bekommt wie er in Wirklichkeit ist. Du warst das Schönste was wir je gesehen haben und ein Regenbogen ist wohl das schönste das die Natur zu bieten hat lieber hübscher Joep. Du schenkst uns das schönste was du uns schenken kannst und Mami und Papi sind so froh und stolz auf dich!

So lange hatten wir schon keinen ganzen Regenbogen mehr gesehen, so lange ist es her dass wir einen Regenbogen über dem Friedhof gesehen haben! Letztes Jahr schienen sie überall zu sein aber dieses Jahr sind sie seltener. Um so schöner dass du uns gestern einen geschickt hast lieber Schatz. Schon die ganze Woche dachte ich dass es Regenbogenwetter ist aber nie sah ich einen. Und dann war er da, so unerwartet und spät am Abend.

Während wir auf dem Bett sassen und deinen Regenbogen bewunderten appte Coco mir. Auch bei ihr Zuhause war ein Regenbogen und sie schickte mir deine Grüsse und meinte dass sie sich auch freut endlich wieder einen Regenbogen zu sehen und dass sie für den Rest ihres Lebens immer an dich denken wird wenn sie einen sieht.

Gestern wolltest du wieder angeben kleiner Joep. Gestern hast du uns wieder gezeigt wie stark du bist. Du bist so stark weil Mama und Papa auch stark sind, das hast du von uns. Also werden Mama und Papa auch in Zukunft stark sein, genau wie du!

Wir lieben dich so sehr Schatz!
Es gibt keine Worte um zu beschreiben wie sehr wir dich lieben und wie viel du uns bedeutest. 

Danke für den wunderschönen Regenbogen Joepi! Danke dass du uns Kraft schenkst wenn wir sie brauchen und danke dass du gut auf uns und deinen kleinen Bruder aufpasst. 

Wir werden dich immer lieben! Joeps Bruder wird auch bei jedem Regenbogen an seinen grossen Bruder denken. Wir werden ihm deine Zeichen beibringen, er wird sie auch verstehen. 

Pass gut auf dich auf liebster Joep, irgendwann sehen wir uns wieder und dann zeigst du uns wie man einen Regenbogen macht. Bis dahin werfe ich dir noch unfassbar viele Kusshände in den Himmel!

Mami liebt dich so unfassbar viel und vermisst dich immer. Da wo du bist gibt es keine Zeit...  Für dich ist es als ob wir schon fast da sind, nur noch ein klitzekleiner Moment und dann halten wir dich wieder! Bis dahin spiel mit den anderen Engeln!

Mama 💓

23.07.2017

Bruderliebe 💙💛

An Joeps Grab hängt eine Spieluhr. Jedes Mal wenn wir bei ihm sind ziehen wir sie auf und hören 'you are my Sunshine'.

Vor ein paar Monaten habe ich hier beschrieben dass ich eine Spieluhr aus Joeps Jacken habe machen lassen und wie ich davon träumte dass Joep auf diese Art und Weise irgendwann seine Geschwisterchen in den Schlaf 'singen' wird. Auch diese Spieluhr spielt die Melodie 'you are my Sunshine'.

Seit ein paar Wochen spielen wir Joeps Bruder diese Spieluhr vor. Joeps Bruder ist ein kleiner Genießer der erst richtig aktiv wird wenn er nicht bekommt was er will oder etwas aufhört dass ihm gefällt. Er tritt immer mehr wenn Rene weg geht als wenn Rene mit ihm redet und kuschelt. Auch mit der Spieluhr hatte ich schnell das Gefühl dass sie ihm gefiel. Er wurde ganz ruhig wenn die Musik lief, hielt inne und lauschte. Sobald die Musik vorbei war ging es dann los! Wenn ich die Spieluhr wieder auf zog war er wieder ruhig.

Es freute uns dass ihm die Spieluhr gefällt. Aber seit dieser Woche tanzt er förmlich in meinen Bauch zu der Melodie! Das ist wirklich beeindruckend, das Taktgefühl hat er vom Papa, ganz sicher nicht von mir ;) man fühlt wie er sich im Takt bewegt, zur Melodie tritt und mit dem Armen rudert.
Sofort haben wir versucht ob er, genau wie Joep, auch auf HipHop reagiert aber das schien ihm nicht zu gefallen. Seine Spieluhr aber liebt er! Wenn er wach ist kann ich deutlich fühlen wie er sich im Rhythmus der Musik bewegt.

Joep 'singt' für seinen Bruder und Joeps Bruder liebt sein Lied! Die Spieluhr verbindet die beiden und das sie jetzt schon so gut ankommt freut mich wirklich sehr.

Echte Bruderliebe, wenn auch so anders als ich es wollte...

20.07.2017

Traum

Fast hätte ich diesen Traum vergessen. Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich (endlich) wieder über Joep geträumt. Es war in der Nacht auf den 15.

Kurz danach wurde ich wieder wach und dachte wtf... Warum träume ich nie etwas schönes, warum kann er nie leben? Es dauerte eine Weile bis ich wieder einschlief...

Aber zu meinem Traum:

Ich lief über den Friedhof und entdecke eine komplett neue Ecke die mir wirklich gut gefiel. Sofort wusste ich: Joep sollte hier liegen und nicht da hinten zwischen den ungepflegten Kindergräbern. Ein Mitarbeiter vom Friedhof kam vorbei und wir redeten. Er erklärte mir dass es in diesem Stück nur wenig Kindergräber gibt aber dass wohl alle Gräber sehr klein sind weil hier Leute einer bestimmten Kultur begraben werden. In dieser Kultur ist es üblich die Beine und Arme vom Torso zu entfernen und sie so in möglichst kleinen Gräbern begraben werden.

Es störte mich nicht, ich wusste dass Joep hier liegen sollte und der Mitarbeiter vom Friedhof meinte dass das kein Problem sei. Ein paar Minuten später kam er mit Joep zurück. Joep lag in seinem Korb, das neue Grab war schon ausgehoben aber auf einmal hatte ich Zweifel. Was würde Rene sagen? Also rief ich Rene an und Rene kam sofort vorbei. Rene öffnete den Korb aber ich traute mich nicht rein zu schauen. Zu oft habe ich darüber nachgedacht wie Joep jetzt wohl aussehen wird... Rene meinte dass es gar nicht so schlimm sei, er gab ihm von einer Skala 1-10 noch immer eine 7. Ich schaute mir Joep nicht an.

Wir entschieden uns ihn zurück in sein ursprüngliches Grab zu legen, dass es doch besser ist wenn er bleibt wo er war. Wir trugen ihn zusammen zurück zu den Kindergräbern. Ich fühlte dass sich drinnen etwas bewegte, es fühlte sich an wie kleine Kiesel Steine die durch unsere Bewegung hin und her flogen. Die Erde rieselte auf meine Arme als ich Joep ein Stück alleine trug und ich fragte mich wie viel Dreck wohl bei ihm in seiner Kiste sei. Ich wunderte mich dass ich ihn gar nicht riechen konnte. Wenn er doch eine 7 war... Dann sollte ich etwas riechen?

Als wir wieder bei seinem Grab ankamen war das ganze Stück Friedhof auf dem er lag irgendwie leer. Alle Kinder waren aus ihrem Grab genommen wurden, die Erde war ganz eben, ohne Unkraut. Es sah aus wie ein Stück Garten... Uns wurde erklärt dass wegen einem Maulwurf alles neu gemacht werden musste und dass wir Joep jetzt wieder neu begraben konnten. Er sollte jetzt ganz links liegen anstatt in der Mitte und das Grab neben ihm das schon 10 Jahre alt ist würde gar nicht mehr zurück kommen.

Ich fing also an sein Grab zu schaufeln, ich wusste gar nicht wie tief ich graben musste. Ich erinnerte mich daran dass wir die Kiste auf der Beerdigung selbst ins Grab setzen konnten und dann wusste ich plötzlich genau was ich zu tun hatte.

Ich grub und grub, es dauerte länger als ich dachte und auf einmal stieß ich auf einen alten Grabstein aus 1911. Es war der Grabstein für ein Baby und darauf stand in Deutsch dass das Baby tot geboren worden war.  Irgendwie berührte es mich dass damals ein Baby mit so viel Liebe beerdigt wurde und es seinen eigenen Stein hatte. Wir stellten Joep in seinem Korb auf dieses Kindergrab.

Ende

Als ich an dem Tag am Friedhof vorbei fuhr rief ich Joep zu dass Mami ihn nie einfach so aus seinem Grab holen würde und dass er sich wirklich keine Sorgen machen müsse. Der Traum beschäftigte mich den ganzen Tag.

Meine Schwester WhatsAppte mir morgens dass auch sie in der gleichen Nacht von Joep geträumt hatte. In ihrem Traum war Joep ein hübscher kleiner Junge. Er war leicht behindert aber er klammerte sich wie ein Äffchen an meine Schwester und wollte immerzu kuscheln. Es war das erste Mal dass sie von Joep träumte. 

19.07.2017

Erinnerungskiste

Schon lange spiele ich mit dem Gedanken eine Erinnerungs-Schatzkiste für Joeps Sachen zu kaufen. Zum ersten Mal habe ich danach gegoogelt als Joep 4 Monate tot war aber für Rene war es damals noch viel zu früh. Wir verabredeten dass wir nach 6 Monaten nochmal darüber nachdenken würden aber 2 Monate später war uns beiden nicht mehr danach. Der Drang so eine Kiste in Auftrag zu geben war weg, komplett weg und sollte die nächsten 12 Monate auch nicht wieder kommen.

Es fühlte sich richtig an das Joeps Sachen überall waren, sein Zimmer ist/war seine Gedenkstätte und wir sind gerne dort und schauen uns seine Sachen an.

Mittlerweile sagt uns die Zeit aber dass es wirklich Zeit wird. Aus Joeps Zimmer muss wieder ein Babyzimmer werden damit es irgendwann das Zimmer seines Bruders werden kann. In 10 Wochen haben wir wieder ein Baby das dieses Zimmer braucht. Also beschäftigte ich mich wieder mit den Kisten.

Es sollte eine von Hand bemalte Kiste sein, man kann sie überall bestellen. Aber meistens wird der Entwurf der Geburtskarte hierfür als Vorlage benutzt und genau die haben wir nicht. Zuerst wollte ich gerne selbst einen Entwurf machen aber ich hatte Angst dass das Endergebniss nicht gut genug wird. Natürlich musste die Kiste perfekt werden!

Irgendwann kam mir die Idee: Die perfekte Vorlage für seine Kiste ist der Ballon den er im Krankenhaus hatte und den wir auch für seinen ersten Geburtstag hatten. Wir gaben die Kiste also in Auftrag und bekamen einen ersten Entwurf. Ich wäre nicht ich wenn mir der Entwurf natürlich nicht gut genug gewesen wäre. Also setzte ich mich hinter meinen Laptop und entwarf in Photoshop alle Seiten der Kiste. Es fühlte sich gut an das selbst zu machen.

Ausser dem Ballon wollten wir auch unbedingt einen Regenbogen auf der Kiste. Natürlich, der Regenbogen gehört zu Joep. Er ist unser Zeichen.

Letzte Woche Donnerstag kam die Kiste dann an und ich packte sie aus. Sie ist wirklich schön geworden und wir entschieden uns sie erst einmal in den Flur zu stellen. Hier sehen wir sie hier jeden Tag mehrmals. Ob das ihr endgültiger Platz wird wissen wir noch nicht, vielleicht stellen wir sie irgendwann ins Wohnzimmer oder in unser Schlafzimmer aber im Moment steht sie im Flur nicht im Weg, der Platz scheint uns jetzt perfekt zu sein.

Seitdem wir die Kiste zuhause haben sind wir damit beschäftigt sie zu füllen. Es tut unfassbar weh Joeps Sachen in eine Kiste zu stecken. Sie lagen in seinem Zimmer und sie wandern jetzt in diese wunderschöne Schatzkiste. Aber es bleibt eine Kiste, wir schließen den Deckel danach. Es fühlt sich an als ob wir etwas abschließen das wir niemals abschließen wollten. Aber wir wissen auch dass es richtig ist. Sein Zimmer muss weniger Joep werden, mehr Baby.

Aber alles was wir in die Kiste stecken geht natürlich erst einmal durch unsere Hände. 

  • Die dicke fette Mappe aus dem Krankenhaus. Eine Krankenmappe die wahrscheinlich nach 8 Tagen dicker ist als die von mir. Gestern schaute ich mir zum erstenmal an was auf den CDs ist die in der Mappe sind. Es sind alles Scans von Joeps Gehirn. Ich scrollte also durch sein kleines beschädigtes Gehirn und sah wieder was ich vor fast 1,5 Jahren zum letzten Mal sah. Der Beweis, eindeutig: Er kann nicht glücklich werden. Joep musste sterben oder fürchterlich leiden. Die Bilder sind so eindeutig dass die Ärzte und nicht einmal die Wahl gaben... Wir durften nicht entscheiden. 
  • Die Schere mit der Rene Joeps Nabelschnur durchschnitt an der noch ein klein wenig Blut klebt... Da war alles noch so perfekt.
  • Das Tagebuch das die Schwestern für Joep im Krankenhaus schrieben.
  • Der Esel der eine Herzgeräuschpuppe ist mit dem Joep im Krankenhaus gekuschelt hat. 
  • Die Jacke die Joep anhatte.
  • Die Mützen die Joep anhatte... Ich kann ewig so weiter machen. Jedes einzelne Stück in der Kiste hat so einen unfassbaren emotionalen Wert für uns.

Es tut weh eine Kiste zu packen, weil es sich anfühlt als ob wir jetzt echt mit dem Thema abschliessen und das obwohl wir niemals abschliessen werden. Das geht gar nicht. Wir werden immer mit Joep leben, niemals ohne. 

Auf der anderen Seite fühlt es sich so richtig an. All seine Sachen fein säuberlich zusammen geräumt. Die Hälfte steht jetzt nicht mehr auf dem Schrank. Jetzt kann jeder immer in die Kiste gucken. Joeps Bruder wird Joep kennenlernen durch diese Kiste. Wahrscheinlich wird er mit seinen Stofftieren spielen wollen. 

Jetzt fehlt nur noch das Fotoalbum... Dann haben wir alles getan was noch zu tun ist.
Ich will gerne dass das Fotoalbum zu Boefs Geburt fertig ist. Aber spätestens zu Joeps Geburtstag will ich dass das Fotobuch fertig ist!

18.07.2017

Umgang mit den Kollegen die mir nicht gut tun

Die letzten Wochen habe ich öfter mal über Kollegen geschrieben die mir Sachen an den Kopf geworfen haben die ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verzeihen kann. Nicht ohne eine Entschuldigung.

Es sind alles Kollegen mit denen ich sehr eng zusammen arbeite also kann ich ihnen nicht wirklich aus dem Weg gehen.

Die ersten Tage nachdem ich verletzt wurde war ich so wütend dass ich sie gar nicht angucken wollte. Jeder ihrer Fehler störte mich so sehr und meine Wut und Frustration standen mir und meiner Professionalität im Weg.

Ignorieren kann ich sie ja schlecht aber am liebsten wollte ich gar nicht mit ihnen reden.
Mittlerweile habe ich meinen Weg was das betrifft gefunden. Ich rede nur noch über die Arbeit mit ihnen, es gibt einfach keinen privaten Austausch mehr! Und das hilft. Jetzt brauche ich mich nur noch über ihre Arbeit ärgern und nicht mehr über ihre Verletzungen.

Übrigens scheint es mir kein Zufall zu sein dass alle 3 Kollegen über die ich in den letzten Wochen geschrieben habe Kollegen sind die ihre Arbeit nicht gut machen... (Ich bin wirklich nicht die einzige die so denkt) Irgendwie ist das extra frustrierend, ich ärgere mich über ihren persönlichen Charakter und über die Arbeit die sie liefern, wodurch ich Sachen doppelt und dreifach machen muss.

Aber meine Frustration über schlechte Arbeit von Kollegen finde ich dann wieder sehr gesund. Sowas ärgerte mich früher auch und war mir lange Zeit relativ egal. Arbeit war mir sowieso sehr egal. Dass sich das langsam ändert ist gut, wieder ein kleiner Schritt in Richtung Glück!

Die Arbeit gibt mir keine Energie, sie macht mir keine Freude und das ist schade. Aber wirklich Freude hat sie mir denk ich nie gemacht, meine Energie bekam ich immer aus der Zusammenarbeit mit meinen Kollegen. Das würde ich mir auch jetzt wünschen aber das ist momentan leider nicht möglich. Wenn ich nächstes Jahr wieder arbeiten gehe wird das sicher anders werden. Dann werde ich mir etwas suchen das mir Freude bringt, was das sein wird weiss ich noch nicht aber ich bin überzeugt dass mein Manager mir dabei helfen wird etwas zu finden das mir gut tut anstatt etwas zu machen das nur okay ist.

NACHTRAG: Anfang August habe ich mit dem besagten Kollegen noch einmal unter 4 Augen gesprochen, einfach weil es zwischen uns nicht wirklich gut lief und die frustrationen von beiden Seiten natürlich nicht weniger wurden. Er hatte keine Ahnung warum ich Abstand nahm und warum mich sein Verhalten und seine Inkompetenz (die er natürlich nicht sieht...) so stören. Naja, jedenfalls habe ich ihm da dann auch erklärt war er gesagt hat, wie sehr es mich verletzt hat und dass ich deswegen so wenig wie möglich mit ihm rede. Das Gespräch war okay, er geht jetzt definitiv besser mit mir um und er nimmt mich viel ernster, das ist gut. Allerdings habe ich ihm auch erklärt dass ich nur Interesse habe in ein gutes Verhältniss auf der Arbeit und nicht in meiner freien Zeit, incl der Pausen. Das klappt wirklich gut und er hat Verständniss oder zumindest akzeptiert er es. 

15.07.2017

Und wie geht es euch? Gut?

Heute war es wieder so weit. Es war nicht das erste Mal diese Woche. Man fragt uns wie es uns geht und anstatt auf unsere Antwort zu warten wird sie im gleichen Atemzug auch schon beantwortet. Gut!

Muss doch. Joep wäre heute schon 17 Monate alt, in 11 Wochen bekommen wir einen kleinen Bruder. Es muss uns doch gut gehen.

Alles dreht sich nur um Joeps Bruder und das obwohl sich diese Woche in unseren Köpfen alles nur um Joep dreht. Wir haben beide eine wirklich schwere Woche. Haben beide mehr geweint als die letzten Wochen zusammen. Unsere Achterbahn ist wieder ganz unten angekommen, ganz ohne Grund. Irgendwie scheint alles einfach schwerer zu sein, die Menschen in unserer Umgebung unmöglicher zu sein denn je.

Und es stört mich dass man alle Antworten für uns beantwortet anstatt sich unsere Antworten an zu hören. Wenn ich sage dass es mir schlecht geht sagt man: logisch, diese Schwangerschaft muss schrecklich schwer für dich sein. Aber Joeps Bruder hat nichts damit zu tun, ich habe keine Ängste, momentan nicht. Mir geht es schlecht weil ich Joep vermisse und scheinbar ist das schwer zu verstehen. Vielleicht langweilt es Menschen ja auch... Ständig die gleiche Leier...

Aber Joep bleibt einfach mein Lieblingsthema, über nichts rede ich lieber und wenn ich dann das Gefühl habe dass ich nicht über ihn reden kann weil die Menschen einfach nur hören wollen dass es mir gut geht dann finde ich das schwer... Dann bin ich einfach froh wenn ich wieder meine Ruhe habe, ich wieder Zuhause bin. Hier kann ich zumindest immer über Joep reden. Er ist auch Renes liebstes Thema.

Auch immer wieder schön wenn Leute mich erschrocken angucken und fragen warum es uns denn schlecht geht, ja sogar schlechter als normal... Was soll ich denn sagen? Weil Joep tot ist? Rene sagt das manchmal so knallhart weil es ihn stört... Ich erkläre immer freundlich dass es oft keine Grund gibt, dass die Trauer ein auf und ab ist und dass es sehr wohl einen steigenden Trend gibt aber wir uns halt gerade in einem Tief befinden... Wie oft ich das nicht schon erklärt habe, immer wieder. Dann wünschte ich mir ich könnte Leuten auch mal vor den Kopf stossen, so wie Rene. Aber irgendwie kann ich's nicht.

Ich hab mich von Rene's Facebook aus in einer Gruppe angemeldet für Sterne Eltern. Ich wollte Joeps Geschichte hinaus in die Welt schicken, ich dachte es tut mir vielleicht gut. Irgendwie ist das auch echt so aber auf der anderen Seite merke ich dass Facebook wirklich nicht zu mir passt. Dass es mir auch schadet. Mein Blog hat in den letzten Tagen so viele Klicks gehabt wie noch nie in so kurzer Zeit. Das ist wirklich wunderbar und macht mich stolz. Leute lernen Joep kennen und das fühlt sich richtig an, ich habe von ein paar Mamas die Nachricht bekommen dass ihnen der Blog sehr gut gefällt und das macht mich extra stolz. Wenn der Blog jemandem hilft dann hat es sich gelohnt! Aber ich merke auch dass ich in meiner Trauer versinke. Tausende Menschen und Geschichten auf einmal in einer Gruppe sind zu viel...

Diese Woche ist einfach alles zu viel.

Ich liebe dich mein wunderschöner Joep. Ganz viele Menschen auf Facebook haben gesagt dass du so ein Hübscher bist. Mama ist stolz!

Mein kleiner Prachtkerl! Voor altijd mijn prachtig ventje!

Mami liebt und vermisst dich. Schenk mir weiterhin deine Kraft damit es mir bald wieder etwas besser geht!

Ich schicke dir 1000 Küsse in den Himmel!

13.07.2017

Ein Cousin den sie nie kennen lernen konnten

Mittlerweile haben wir eine Menge Nichten und Neffen und keine(r) davon hat Joep im Krankenhaus kennen gelernt. Kleine Kinder waren auf der Station nicht erlaubt und so waren sie da, bei uns, bei ihm, aber halt auch nicht.
Meine Schwestern haben beide kleine Kinder, meine Neffen sind 3,5 Jahre alt, waren gerade 2 als Joep starb. Meine Nichte und Neffe waren gerade 3 Monate alt. Meine Schwägerin war gerade schwanger, die Töchter meiner anderen Schwägerin waren schon Teenager. Alle waren sie auf der Beerdigung, keiner von ihnen hat Joep im Krankenhaus kennengelernt.
Meine älteren Nichten haben den Abschied natürlich ganz bewusst mitbekommen, sie haben sich während der Schwangerschaft so auf Joep gefreut, ihm Geschenke gekauft, ihn in meinem Bauch strampeln gefühlt. Sie waren so glücklich, endlich ein Cousin, endlich ein Baby in der Familie! Als wir das letzte Mal heim fuhren nach dem Geburtstag meiner Nichte sagte sie zu mir: Bestell Joep liebe Grüsse wenn du das nächste Mal bei ihm bist. Solche kleinen Kommentare tun mir gut, es ist so lieb dass sie an Joep denken und er auch für sie dazu gehört. Dass er nicht nur erwähnt wird wenn wir über ihn reden.
Aber die Kinder meiner Schwestern waren viel zu klein um sich erinnern zu können. Wie erklärt man so kleinen Kindern dass ihr Cousin tot ist? Eine Frage die mich oft beschäftigt jetzt wo wir wieder ein Kind erwarten. Wie wird Joeps Bruder damit umgehen dass er einen Bruder hat? Was werden wir ihm sagen?
Irgendwie machen meine Schwestern das so gut. Als ich im Januar bei den beiden Jungs war hatten sie Rene schon knapp ein Jahr nicht mehr gesehen, ich dachte sie wüssten sicher nicht mehr wer er ist, Rene war auch dieses mal nicht dabei. Sie waren total begeistert von ihrem Geburtstagsgeschenk und als wir meinten dass es auch vom Onkel ist sagten sie sofort: Onkel Marcel? Nein, von Rene. Es wunderte mich nicht, Onkel Marcel sehen sie so regelmässig. Ich fragte: Wisst ihr wer Rene ist? Und beide sagten voller überzeugung: JA! Papa Rene!
Ich war so gerührt. Am Esstisch hängt ein grosses Foto von uns Dreien aus dem Krankenhaus. Die beiden wiesen zu dem Foto und sagten Papa Rene. Sie wussten noch wer wir sind und sie wussten auch ganz genau wer Joep ist. Es war so etwas Natürliches und es machte mich so froh. Papa Rene... Das ist etwas was ich nie höre aber es ist so wahr, es tat mir so gut!
Auch die Beiden meiner anderen Schwester wissen mir ihren mittlerweile 1,5 Jahren ganz genau wer Joep ist. Meine Schwester schickt mir manchmal Fotos oder Videos von A. auf denen sie die Karten mit Joeps Fotos drauf festhält. Eine Karte von der Beerdigung und die andere Karte in der wir erzählt haben dass Joep einen kleinen Bruder bekommt. Dann schaut sie sich die Fotos an und guckt Joep so lieb an. Wenn meine Schwester sie fragt wer das auf den Fotos ist sagt sie Joep. Manchmal bekomme ich Sprachnachrichten von den beiden in denen sie Sachen wie Joep und Himmel sagen. Als sie noch nicht sprechen konnten bekam ich Videos in denen sie vor seinem Foto standen und auf die Frage wer Joep ist genau auf Joep zeigten.
Diese Woche wachte meine Nichte aus dem Mittagsschlaf auf und sagte im Halbschlaf immer Joep und Himmel und winkte in den Himmel.
Es ist so schön zu sehen wie Joeps Cousinen und Cousins mit ihm umgehen, dass sie wissen wer er ist und er nicht vergessen wird, nicht mal von denen die ihn eigentlich gar nicht kannten.
Jedesmal liebe ich die Kids noch mehr wenn ich so etwas sehe oder höre! Und es macht mir Mut, wenn meine Schwestern das können, dann können wir das auch. Dann wird Joeps Bruder genauso selbstverständlich mit Joep umgehen wie sie.

12.07.2017

Meiner Meinung nach hast du keine Kinder - bitte was?!

Letzte Woche Freitag hielt ein Kollege es wohl für notwendig mich auf zu klären dass ich ja wohl keine Kinder habe.

Ich muss wohl nicht erklären wie ich mich fühlte und wie weh es tat. Joep gehört für mich immer dazu, wenn mich jemand fragt ob ich mein erstes Kind bekomme würde ich nie auf die Idee kommen ja zu sagen. Joeps Bruder ist mein Zweiter und wird immer mein Zweiter bleiben. Schlimm genug dass er nicht mit seinem Bruder aufwachsen kann, nicht mit ihm spielen kann. Aber er wird niemals das Gefühl haben unser einziges Kind zu sein, so sehen wir es nicht und so werden wir ihn nicht erziehen.

Aber um zu erzählen wie mein Kollege auf die unfassbare Idee kam mir das an den Kopf zu werfen muss ich etwas aus holen. Wir arbeiten für eine grosse Versicherung und modernisieren momentan ein uraltes Programm mit dem Versicherungen geändert werden können. Dabei geht es pur um die Ausstrahlung und nicht um neue Funktionen weil dieses alte Programm kaum noch genutzt wird und wahrscheinlich in einem halben Jahr gar nicht mehr. Wir sollen die Funktionalität 1 zu 1 übernehmen und es so schnell wie möglich fertig bekommen weil jeder Cent der investiert wird quasi einer zuviel ist. Er modelliert das Programm und ich teste es. Manche Sachen die zu schlecht sind verbessern wir wenn es wenig Aufwand ist. Und auch dieses Mal hatte er sich überlegt etwas zu verbessern. Allerdings war jede Verbesserung die er sich überlegte eine Verschlechterung und mir fiel auch keine gute Lösung ein. Deswegen sagte ich ihm dass er einfach das alte übernehmen soll, all die Stunden Diskussion mit ihm und allen die er dazu holte waren es einfach nicht wert.

Sein Problem war aber dass er mir dieses Mal aus Prinzip kein Recht geben wollte, er hatte sich etwas überlegt und versuchte es durch zu boxen und scheinbar waren ihm alle Mittel Recht. Es ging um eine Reiseversicherung, wenn ein Kunde seine alte Versicherung ändern will kann er Kinder zufügen oder entfernen und genau hier hatte er eine brilliante Idee die ich einfach nur als Verschlechterung emfand. Um seinen Standpunkt zu unterbauen diskutierte er also wieder obwohl ich schon seit Tagen sagte dass es meiner Meinung nach keinen Sinn mehr hatte und er einfach tun solle was gefragt wurde. Naja sein Argument war also: Stell dir vor eine Familie hat 3 Kinder und eins stirbt (ja, gutes Beispiel...), dann hat die Familie nur noch 2 Kinder und muss ein Kind von der Versicherung entfernen. Unabhängig davon dass sein Argument nicht stimmte und er damit nichts erreichte war ich geschockt. Ich sagte: Die Familie hat noch immer 3 Kinder, auf ihrer Versicherung stehen dann auch noch immer 3 Kinder. Seine Reaktion: Nein, die Familie hat nur noch 2 Kinder. Ich fragte: Und ich dann? Habe ich dann keine Kinder? - Ja, du hast meiner Meinung nach keine Kinder.

BAM!!!

Ich sagte dass ich sehr wohl ein Kind habe und mein zweites Kind erwarte. Nein so sieht er das nicht und ausserdem mache ich gerade etwas ganz persönliches hieraus. Darum geht es ja gar nicht. Ich war wirklich fassungslos. Ich versuchte Joep zu verteidigen, ich hatte Tränen in den Augen, ich verteidigte alle toten Kinder die dazu gehören! Und jetzt war ich die jenige die es zu persönlich auffasst? Obwohl er doch mit diesem Beispiel kam? Obwohl er doch weiss dass Joep tot ist. Ich sagte also dass es der jenige ist der es mit seinem Beispiel persönlich machte und dass ich nicht mehr weiter darüber diskutieren würde, dass ich emotional werde und es mich verletzt. Er sagte sorry aber es kam nicht an, er verstand nicht warum ich aufgebracht war. Er verstand nichts... Hiernach beschwerte er sich dann noch hinter meinem Rücken über mich und das war der Moment in dem mir klar war dass ich hierüber nicht mehr mit ihm diskutieren würde.

Fazit: Ich erklärte die ganze Situation an jmd der über uns steht und er solle doch bitte entscheiden weil wir einfach nicht auf einen Nenner kommen. Er hörte sich alles an, es wurde wieder viel zu viel diskutiert aber letztendlich wird jetzt gemacht was ich schon seit Tagen sagte.

Und mein persönliches Fazit? Ich rede privat gar nicht mehr mit ihm, jemand der so unsensibel ist, mir so weh tut... Ich rede nur noch das Nötigste mit ihm. Mir ins Gesicht sagen dass er die Diskussionen toll findet (die mich schon lange störten weil wir uns im Kreis drehten), mir ins Gesicht sagen dass ich seiner Meinung nach keine Kinder habe und dann hinter meinem Rücken schlecht über mich reden wenn ich kurz nicht da bin und jeder es mitbekommt... Solche Menschen will ich nicht in meinem Leben, solche Menschen brauche ich auch nicht in meinem Leben.

Allerdings sorgen solche Situationen dafür dass ich nicht warten kann dass die Zeit vergeht und ich nicht mehr arbeiten muss und das ist schade, sehr schade. Es fing gerade wieder an Spass zu machen. Den Tag habe ich was Arbeit betrifft wirklich wenig geschafft weil es mir so schlecht ging. Ich erzählte es abends Rene und Rene war so sauer und meinte: Bin ich froh dass ich deine Kollegen nicht habe...

11.07.2017

Sie sehen was wie sehen wollen

Die neuen Menschen in meiner Umgebung aber auch die Menschen dir mir nicht besonders nahe stehen sehen in mir eine ganz normale glückliche schwangere Frau.

Dann frage ich mich oft ob ich wirklich Glück ausstrahlen kann obwohl die Traurigkeit mich doch viel besser beschreibt. Ich fühle mich nicht glücklich, ich bin noch lange nicht wo ich einmal war und ich habe Frieden damit dass ich vielleicht nie wieder so glücklich werde. Mit 90% wäre ich mehr als zufrieden und noch immer überdurchschnittlich glücklich.

Aber mir fällt auf dass Leute sehen was sie sehen wollen.  Man fragt mich nicht wie es mir wirklich geht, ich bekomme maximal ein Kompliment dass sie so viel Respekt vor mir haben wie ich das alles schaffe. Sie fragen nach der neuen Schwangerschaft aber wollen nicht über meinen Verlust reden. Ich kann nicht sagen dass ich es schrecklich finde, dass es mich stört... Aber ich wundere mich wie blind die Menschen sind, wie blind sie sein wollen und dass es jetzt an mir ist damit um zu gehen.

Letzte Woche hatte ich zum Beispiel zwei solche Erlebnisse. Das erste Mal war es mein Betriebsarzt. Ich arbeite wieder Vollzeit, es handelte sich einfach um ein abschließendes Gespräch. Er war echt total begeistert wie gut es mir doch geht und wie viel besser ich jetzt doch aussehe. Ich sei eine strahlende Schwangere die wieder total im Leben steht. Er war so positiv dass ich ihn wirklich bremsen musste. Solche Worte erschrecken mich. Als ich ihn verbesserte sagte er er beschreibt einfach was er sieht, was ich jetzt ausstrahle, vergleicht es mit unseren ersten Gesprächen. Dass es in mir drin vielleicht ganz anders aussieht sei die eine Sache, aber das ist wie ich jetzt wieder auf die Welt wirke. Mich überraschten seine Worte, seine Beschreibung. Wie kann ich denn ausstrahlen dass ich glücklich bin und dabei strahlen? Wenn ich ein Foto von mir sehe sehe ich vor allem Traurigkeit in meinem Gesicht.

Ein paar Tage später hatte ich ein Gespräch mit einem türkischen Kollegen, erst ging es nur um die Arbeit. Es ging darum dass die Versicherung für die wir arbeiten beim Partner nicht nach dem Geschlecht fragt und ich sagte scherzhaft: "ja total modern von uns, jeder darf lieben wen er lieben will. Genau wie in Deutschland, da dürfen Homo's jetzt auch heiraten." Naja ich hatte bei meiner Bemerkung wohl nicht daran gedacht wie mein türkischer Kollege darüber denkt. Fazit: Er hat nichts gegen Homosexualität aber es ist wohl eine Krankheit. Und was soll denn bitte als Nächstes kommen? Das man Tiere heiraten darf? Sowas kann ich echt nicht unkommentiert lassen und natürlich gab ich meine Meinung zum besten. Aber der Herr hatte seine Meinung und wich auch nicht davon ab. Er ist davon überzeugt dass Homosexuelle niemals glücklich sein können. Ich sagte dass ich der Meinung bin dass die meisten viel glücklicher sind als ich und dass ihr einziges Problem solche Einstellungen aus der Gesellschaft sind. Oh man, wie ich nur sagen könnte ich sei nicht glücklich, ich hätte doch alles im Leben war seine Reaktion. Einen tollen Mann, eine eigene Wohnung,  einen Job, ich war gerade noch im Urlaub. Natürlich bin ich glücklich! Ich muss glücklich sein, er wusste es besser als ich. Er ist wohl sowas wie ein Glücksbarometer. Also erklärte ich ihm dass ich vielleicht im Urlaub war aber dass uns das nicht glücklich macht, dass immer jemand fehlt. Dass ich fast jeden Tag um Joep weine. Dass ich wirklich niemals von mir selbst sagen würde dass ich im Moment glücklich bin. Ich weiß dass ich auch viel Glück im Leben habe und ich bin dankbar, wirklich. Aber ich habe halt noch viel mehr Traurigkeit in mir und meinem Leben. Er war der Meinung dass jeder Mensch auch traurig ist und dass es nicht bedeutet dass man nicht glücklich sein kann. Ja er ist auch oft traurig, zum Beispiel weil seine Schwester jetzt ein Kind hat und noch eins bekommt und er sie nicht mehr so oft sehen kann, nicht mehr mit ihr alleine sein kann. Ich sagte ihm dass man das wirklich nicht vergleichen kann, ich war fassungslos dass er dachte dass das ein guter Vergleich sei. Ich sagte dass uns das Schlimmste passiert ist was einem Menschen passieren kann, sein Kind zu verlieren ist so schlimm, man kann es sich nicht vorstellen wenn man es nicht selbst erlebt hat. Daraufhin meinte er dass er mich wirklich versteht, dass er sich so gut vorstellen kann wie es mir geht... Seine Mama hat wohl auch mal gesagt dass es das ALLER schlimmste ist wenn man sein Kind verliert. Seine Mama, die nie ein Kind verloren hat, aber letztendlich war das das Argument dass ihn wohl überzeugte dass ich vielleicht weniger glücklich bin als er dachte... Mir ist es egal was er von mir denkt, aber es erschreckt mich einfach dass man so über mich denkt. Ich kann einfach nicht verstehen wie Menschen so naiv und dumm sein können. Ich denke von mir selbst immer dass ich gute Menschenkenntnis habe, ich verstehe dass ich mich besser in andere hineinversetzen kann als der Durchschnitt. Aber dass es Menschen mit so schlechter Menschenkenntnis gibt macht mich wirklich fassungslos. 

Ich versuchte ihm also zu erklären dass es nicht stimmt und merkte mal wieder dass Menschen halt lieber mein Lachen als meine Tränen sehen. Und das ist wohl normal, es ist der einfachere Weg. Sie erwarten dass es wieder gut ist und kann man es ihnen übel nehmen? Es geht mir ja auch viel besser. Man sieht mir meine Traurigkeit nicht mehr an, nicht wenn man mich vorher nicht kannte. Nicht wenn man nicht weiß dass ich pures Glück ausstrahlte und dass es das war was mich hübsch machte, was mich ausmachte.

07.07.2017

Unruhe

Irgendwie habe ich oft so ein unruhiges Gefühl von dem ich nicht weiss woher es kommt.

Unruhig ist vielleicht auch das falsche Wort für dieses Gefühl, ich weiss nicht genau was ist es, wo es her kommt und warum es da ist. 

Es ist wie eine Art regelmäßige Erinnerung daran dass halt nichts gut ist und es niemals wieder gut werden kann. 

Ich fühle mich nicht gehetzt oder so, es ist eine Art Schatten die über mir schwebt. Manchmal ist er da, manchmal nicht. 

Vielleicht ist es die Angst vor dem normalen Leben? Das normale Leben... Was ist das überhaupt? Manche Abende, so wie gestern sind so erschreckend normal. Dann sprechen wir über die Arbeit und erzählen uns diese kleinen unwichtigen Dinge die passiert sind. Der Kollege der Stunden beschäftigt ist obwohl ich das gleiche in 15 Minuten mache und meine Resultate sogar viel besser sind. Sowas normales im Abend anstatt Stunden über Joep zu reden. 

Aber in dem Moment realisierte ich mir auch dass ich das alles also einfach so erzähle. Als Anekdote. Normal wenn ich sowas im letzten Jahr erzählt habe wollte ich Renes Meinung und Hilfe, dieses Mal was es einfach nur weil es mich beschäftigt hat. Mich beschäftigt jetzt wieder sowas in meiner Freizeit und das obwohl Arbeit mir vor ein paar Monaten noch so am Arsch vorbei ging. Ich arbeitete, aber nur weil ich es musste, nicht weil ich es wollte oder es sich okay anfühlte. Das ist jetzt anders. Dafür habe ich aber dieses unruhige Gefühl von dem ich einfach nicht weiss was es ist, was es mir sagen will...

Menschen sehen mir meine Trauer nicht mehr an. Das ist gut und schlecht gleichzeitig. Auf der Arbeit fragt nie jmd aufrichtig wie es mir denn geht. Ich habe 2 Kollegen die schon eher in die Kategorie Freunde fallen denen ich ehrlich gesagt hab dass der Urlaub nicht so pralle war. Zum Rest sagte ich einfach dass Slowenien ein tolles Land ist und dass sie mal dahin müssten. Es ist die Wahrheit und die unpersönlichste Antwort die ich geben konnte.

Aber der Rest denkt ich bin eine glückliche strahlende Schwangere. Ja so hat mich der Betriebsarzt diese Woche noch beschrieben. Ich bin ein anderer Mensch, ich bin nicht mehr so verletztlich wie im letzten Jahr. Verletztlicher als vor Joep aber ich falle in der Menge nicht mehr auf.  Niemand sieht mir an dass ich schon ein Kind habe. Ich spreche weiterhin viel über Joep aber irgendwie reagiert die Welt anders. Er wäre jetzt schon fast 17 Monate alt und die Welt hat sich weiter gedreht. 

Ich bin froh dass ich mich im ersten Jahr so intensiv mit meinen Gefühlen auseinander gesetzt habe, ich sie gelebt habe. Wenn mich das alles in ein paar Jahren einholen würde dann wäre die Welt um mich rum weniger verständnissvoll.

Was ich jetzt mit dem Gefühl machen werde? Nichts, es ist da und es ist okay. Alle Gefühle sind immer okay und das sage ich aus tiefster Überzeugung. Ich habe keine Unruhe wegen der Schwangerschaft, es kommt durch Joep, meine Trauer, mein Leben. Und darum ist es so okay. 

Joep hat mir im letzten Jahr so viele Gefühle gegeben die ich oft nicht verstanden habe aber mit der Zeit lernte ich damit zu leben, sie an zu nehmen und zu akzeptieren. Man kann wohl sagen dass er mir was das betrifft sehr viel beigebracht hat. Vor seinem Tod verstand ich immer all meine Gefühle, ich wusste was ich fühlte und warum, ich wusste wie ich mich in bestimmten Situationen fühlen würde. Das alles hat sich verändert. Meine Gefühle überraschen mich jetzt oft. Situationen die mir Angst machen sind oft viel einfacher als gedacht und Situationen die so unbedeutend sind können plötzlich alle Wunden aufreißen. 

05.07.2017

3D Ultraschall

Schon bevor ich schwanger war wusste ich dass ich alles was ich in Joeps Schwangerschaft gemacht habe ich auch in der nächsten Schwangerschaft machen will.

Dieses Kind verdient den gleichen Luxus und die gleiche Liebe. Ich kann schon kaum etwas für ihn kaufen aber einen 3D Ultraschall konnten wir wieder machen. So ein Ultraschall kann am besten mit 26 Wochen gemacht werden. Natürlich waren wir genau dann in Urlaub aber das war kein Problem. Ich machte einach einen Termin für die Woche nach unserem Urlaub. 27 Wochen sind auch super :)

Ich erinnere mich noch gut an Joeps 3D Ultraschall. Es war im November, Rene's Geburtstagsgeschenk! Joep hatte die ganze Zeit über sein Gesicht in die Plazenta gedrückt wodurch wir sein Gesicht nie richtig sehen konnten. Wir waren enttäuscht aber durften es eine Woche später nochmal probieren. Ein Geschenk von Joep. Plötzlich war seine Nase in der Plazenta nicht mehr schlimm, wir würden ihn ja in einer Woche wieder sehen. Und in der nächsten Woche bestätigte sich dann was wir schon vorher erahnen konnten. Joep sah aus wie Papa. Wir waren so stolz auf unseren kleinen Hübschen und kurz nach der Geburt sah er seinen 3D Bildern wirklich mega ähnlich. Ganz der Papa mit ein bisschen mehr Mama als erwartet.

Gestern Abend hatten wir also den 3D Ultraschall von Joeps Bruder und es dauerte nur ein paar Sekunden bis sie sagte dass der kleine wirklich ganz der Papa ist. Ja, das hatten wir auch gesehen. Auch Joeps Bruder kommt ganz nach Papa. Er ähnelt Joep wirklich sehr aber man sieht auch deutlich dass es ein anderes Kind ist, im Gegensatz zum 2D Ultraschall. Die beiden haben die gleiche Nase und ihr Profil im Ultraschall ist wirklich identischen.

Jetzt sahen wir dass Boefs Nase etwas kleiner ist. Seine Lippen und Joeps Lippen scheinen identisch zu sein. Sie haben beide die dicken Lippen von Papa aber die Lippenform von Mama. 

Es war schön die Unterschiede und Gemeinsamkeiten meiner Männer zu bewundern. Von mir gab es nur die kleinen Ohren und die Form der Lippen. Joeps Bruder war wirklich so ein hübscher Kerl, etwas feiner und weicher als sein Bruder. Ich liebte das 'grobe' in Joeps Gesicht und jetzt liebe ich das 'feine' in Boefs Gesicht.

Der 3D Ultraschall hat mir überraschenderweise psychisch wirklich geholfen. Ich weiss jetzt ungefähr wie Joeps Bruder aussieht und auf einmal ist alles so viel echter. Wir bekommen wieder ein Baby und zum ersten Mal tagträume ich wie es wohl sein wird. Jetzt sehe ich vor mir wie ich ihn festhalte und  ich sehe dabei sein kleines Gesicht.

Joeps Bruder war übrigens ein ganz entspanntes Kerlchen das sich nicht ärgern liess. Er wollte seine Hände und Füße gern vorm Gesicht halten und all das rütteln am Bauch hat ihn gar nicht gestört. Er war super aktiv und einfach unfassbar perfekt. Nach einer Weile wurde er müde und er drehte sich, zack mit der Nase in die Plazenta. Wahrscheinlich ist die Plazenta einfach ein tolles weiches Kissen :)
Joeps Bruder sabbert fröhlich auf seiner Hand und seinem Fuss :)

Zum 2. Mal haben wir das hübscheste Baby auf der Welt gemacht... Es ist wirklich ein Wunder. Wie schaffen Eltern es nur immer die hübschesten Babys zu machen :)

Es war sogar so hübsch dass sie gefragt haben ob sie sein Foto auf Facebook benutzen dürfen. Ich dachte sie stellen generell Fotos vom 3D Ultraschall online aber als wir uns Zuhause die FB Seite angeschaut haben sahen wir dass es da kaum 3D Ultraschall Fotos gibt. Bald stehen da also Fotos von unserem kleinen hübschen Model und macht er Werbung für sie. Ich kann nicht sagen dass ich nicht stolz bin! Es wird wohl das einzige Foto von Joeps Bruder auf Facebook bleiben und es wird ohne Namen sein, aber wir werden wissen dass er es ist!

03.07.2017

Urlaub - Abstand tut weh

Ich  besuche Joeps Grab normalerweise ein bis zwei mal die Woche. Die Tatsache dass der Friedhof so nah ist, Joep immer so nah ist tut uns gut. Es dauert nur wenige Minuten und dann stehen wir vor seinem Grab. Wenn ich im Bett liege weiß es dass er nur ein paar hundert Meter Luftlinie von mir weg ist. Joep ist immer bei uns, aber auch sein kleiner Körper ist immer ganz nah. 

Seit Joep gestorben ist hatten Rene und ich eigentlich keinen Urlaub, waren nie länger als eine Woche nicht zuhause. Weihnachten waren wir auf Teneriffa aber auch das war nur eine Woche. Es war eine Flucht und kein Urlaub. Wir waren/sind erschöpft und oft am Ende unserer Kräfte. Es erschien mir so logisch dass das durch die Arbeit kommt, wir brauchten einfach mal Urlaub um unsere Batterien wieder auf zu laden. Richtig? Teilweise ja, teilweise aber auch falsch.

Wir sind mit dem Auto nach Slowenien gefahren, zum ersten Mal waren wir in Slowenien, zum zweiten mal fuhren wir mit dem Auto in Urlaub. Als ich gerade von Joep schwanger war waren wir in Südfrankreich und in der Schweiz. Diesmal also Slowenien. Weil es 14 Stunden Autofahrt sind ohne Pausen und ohne Stau haben wir unterwegs jeweils eine Nacht in München geschlafen.

Die Fahrten liefen wirklich gut, kurz vor den Sommerferien kamen wir relativ gut durch und hatten wenig Stau. Als wir die Grenze zu Slowenien überquerten brach es über mich hinein. Alles lief bis hier so gut aber auf einmal lagen so viele KM zwischen uns und Joep, vier Grenzen lagen zwischen uns und gefühlt waren das zu viele Grenzen, zu viel Abstand. Ich war so traurig, am liebsten hätte ich mich auf der Stelle wieder umgedreht und wäre nach Hause gefahren. Aber wir waren fast da, wir wussten wir würden uns schon dran gewöhnen, dass der Urlaub okay werden würde. Ich sah anfangs die Schöhnheit des Landes und der Stadt gar nicht, wir liefen am ersten Abend durch Izola auf der Suche nach einem Restaurant und ich dachte nur: Wo um alles in der Welt bin ich hier gelandet? Ein paar Tage später erkannte ich den Charme und die Schönheit um mich rum. Früher liebte ich nicht touristische Urlaube und neue Kulturen. Diesmal war das anders, wir hatten ein paar wirklich schöne Momente aber fühlten uns auch oft schlecht. 

Endlich hatten Rene und ich Zeit für uns, konnten wir uns den ganzen Tag nur mit uns, Joep und Joeps Bruder beschäftigen, das war wirklich toll. Mein Highlight des Urlaubs war wirklich alle die Zeit mir Rene. Ich erkannte wieder dass Rene im Leben der einzige ist den ich wirklich brauche, außer Joep vermisste ich im Urlaub niemanden. Die Hitze machte mir zu schaffen, mittlerweile hochschwanger und immer 30-35 Grad waren körperlich schwer. Wir ruhten uns viel aus und machten weniger Ausfüge als wir normalerweise gemacht hätten. Aber auch das war okay, wir hatten vorher bewusst keine Ausflüge geplant weil wir nicht wussten wie es uns gehen würde.

Die erste Woche unseres Urlaubs war wirklich okay bis gut. Rene als echter Fischliebhaber war was das Essen betrifft zumindest genau am richtig Ort. Die Lage unserer Wohnung war wirklich perfekt, die Wohnung wirklich super für eine Ferienwohnung. Aber die letzten Tage waren dann einfach zu viel. Es fing mit unserem Hochzeitstag an. Wir hatten ihn beide komplett vergessen aber morgens gratulierte mir meine Schwester zum 3. Hochzeitstag. BAM, das schlug ein wie eine Bombe. Wie konnten wir denn bitte unseren Hochzeitstag vergessen? Die Antwort war uns beiden sofort klar: Weil in unseren Köpfen nur Joep wichtig ist, weil wir nur an Joep denken und an sonst nichts... Rene fiel es schwerer als mir. Unser Hochzeitstag ohne Joep war zu viel... Wir hatten einen Ausflug geplant und fuhren etwas verspätet doch noch. Der Ausflug war prima aber unsere Stimmung war den ganzen Tag nicht gut. Letztendlich waren wir froh als wir wieder in der Wohnung waren, weg von all den Menschen die ihren Urlaub genossen.

Die Tage hiernach wurden nicht mehr wirklich besser. Das Bedürfnis Joeps Grab zu besuchen war da und ging nicht mehr weg. Zum ersten konnten wir nicht zu ihm obwohl wir es so gerne wollten und so sehr brauchten. Ein paar mal meinten wir dass wir am liebsten JETZT sofort nach Hause fahren würden aber wir taten es nicht. Aufgeben war keine Option, es wäre zu schade gewesen, er hätte sich angefühlt wie versagen. Dazu kam dass die letzten Tage regnerisch waren, das Wetter passte gut zu unserer Stimmung.

Wir liefen oft durch Slowenien auf der Suche nach einer Kleinigkeit für Joeps Grab, Rene hatte die Idee dass wir ihm etwas kaufen könnten und es schien mir eine schönte neue Tradition. Aus jedem Urlaub ein keine Geschenk für Joep mitnehmen. Wir kauften einen von Hand bemalten Stein. Wir hatten ein Foto von uns mit Joep dabei, außerdem seine Hand und Fußabdrücke, das Kissen mit seinem Foto und seine kleine Decke. Das alles stand auf dem Nachttisch und das Kissen lag im Bett. So war Joep immer bei uns. 

Das Fazit des Urlaubs: Ja Urlaub kann uns gut tun, nach ein paar Tagen waren wir wirklich entspannter, ging es uns besser als vorher. Renes Rücken tat kaum noch weh, ich schlief tiefer und war ausgeruhter. Aber zwei Wochen war einfach noch zu viel für uns. Wären wir 1,5 Wochen in Urlaub gefahren würde ich jetzt etwas ganz anderes schreiben, ein vollkommen positiver Urlaubsbericht.

Auch der Weg nach Hause lief wieder gut. Zwischen Slowenien und München standen wir zwar viel im Stau aber von München bis Den Haag lief es richtig gut. Wir fuhren um halb sieben in München los und frühstückten irgendwo auf einem Rasthof. Als ich mir dort die Hände wusch lief vor mir im Spiegel eine Reklame, ein kleines Mädchen fragte: "Papa, kannst du mich vom Flugzeug aus sehen wenn ich im Himmel bin?" BAM, wieder schlug es ein wie eine Bombe. Die Toilette war überfüllt aber ich starrte auf die Reklame, Tränen in den Augen... Kinder sterben, hallo Wirklichkeit, hallo meine Welt, ich weiß dass du immer da bist aber manchmal kannst du dich so brutal aufdrängen. Rene merkte mir sofort an dass etwas passiert war und er fragte was los sei. Auch ihn traf die Reklame mitten in Herz und es tat so weh, es riss so viele Wunden auf aber wir mussten weiter fahren, wir wollten weiter, wir wollten nach Hause.

Als wir Samstags um 16 Uhr endlich in Den Haag ankamen ging es uns sofort besser. Noch nie hat Rene sofort angefangen die Koffer aus zu packen aber diesmal war er viel schneller als ich. Am liebsten wollten wir alles was darauf hindeutet dass wir in Urlaub waren aus der Sicht haben, Zuhause zu sein, nah bei Joep zu sein, das fühlt sich so richtig an! Hier gehören wir hin! Fernweh haben wir wohl erstmal nicht mehr, dafür haben wir jetzt Heimweh. 

Die nächsten Urlaube werden wir es nochmal versuchen, wir werden schon lernen was für Urlaube uns gut tun und welche nicht.

Die letzten schweren Tage des Urlaubes stecken uns noch in den Knochen, wir sind zuhause aber total erschöpft. Das ist schade aber okay. Morgen müssen wir wieder arbeiten, dann wird jeder fragen: Und? Hattet ihr einen schönen Urlaub? - Oh man, könnte ich diese Frage nur umgehen... Ich hab echt keine Lust ständig an den Urlaub zu denken und dann Leuten die doch nichts verstehen erklären zu müssen dass es nur okay war und das obwohl Slowenien doch ein wunderschönes Land ist... 

20.06.2017

Die Angst ihn nicht genug lieben zu können

Ich dachte immer dass ich wusste wie wahre Liebe sich anfühlt. Die Liebe die ich für Rene empfinde ist so tief, so pur und so echt dass ich in der Schwangerschaft mit Joep eigentlich nur eine Angst hatte: Was wenn ich ihn nicht genug lieben kann? Was wenn alle Mütter dieser Welt ihre Kinder mehr lieben als ihren Mann und ich das nicht kann? Was wenn Joep immer nur meine Nummer 2 sein wird.
Ja das war wohl die einzige Sorge die ich hatte... Ich liebte Joep schon in der Schwangerschaft so sehr und ich wollte nichts lieber als eine Familie zu sein. Rene, Joep und ich. Das ultimative Glück. Aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen dass ich noch mehr lieben kann. Dass ich Joep mehr lieben kann als Rene.
In der Sekunde in der Joep geboren wurde verschwand diese Angst und begriff ich wie lächerlich es doch war. Die Liebe die ich eh schon für Joep empfand explodierte. Vervielfachte sich ins unermessliche. Ich kann die Liebe die ich für Joepi fühlte und fühle nicht in Worte fassen. Ich weiss nur dass sie wuchs, jeden Tag den wir zusammen hatten wurde diese Liebe noch stärker und unser Band noch enger. Ich hätte sofort mein Leben für ihn gegeben. Ich wusste dass nichts auf der Welt so wichtig war wie Joep. Ich wollte alles für ihn geben, ihm alles geben. Ich wollte ihm alle Türen öffnen und ihn glücklich machen.
Aber Joep starb. Die Liebe blieb, wuchs weiter und veränderte sich weiter. Sie ist heute anders als sie vor einem Jahr war. Ich kann nicht beschreiben wir anders... Sie ist stark, ich vermisse ihn schrecklich aber sie hat kein Ventil. Ich kann sie nicht schenken...
Mein Verstand sagt mir dass Joeps Bruder bald all diese Liebe bekommt. Alle Liebe die für ihn explodieren wird und alle Liebe die ich für Joep habe aber nicht geben kann. Joeps Bruder bekommt die doppelte Portion Liebe von uns aber wieder habe ich Angst.
Angst ihn nicht genug lieben zu können. Was wenn ich ihn nicht so sehr lieben kann wie Joep? Als ich das das erste Mal dachte fand ich es schrecklich. Ich erzählte es Rene und er meinte: aber die Angst hattest du doch auch bei Joep.
Das beruhigte mich, ja auch Joep konnte ich so lieben wie er es verdient. Natürlich werde ich Joeps Bruder genauso lieben können.
Mein Verstand weiss das. Aber mein Gefühl sagt mir auch diese Schwangerschaft wieder: so viel Liebe kann ich für keinen anderen Menschen empfinden. Er wird meine Nummer 2 sein, er wird ihm nie das Wasser reichen können.
Und wenn mein Verstand mir dann sagt dass die Liebe zu Joep doch jeden Tag wuchs bekomme ich Angst ihn nach 2 Wochen mehr zu lieben als Joep. Ich kann mir halt einfach nicht vorstellen jemals jemanden mehr zu lieben als Joep.
Nur eins weiss ich ganz sicher. Alles was wir Joep nicht geben konnten werden wir Joeps Bruder geben. Ihm wird es nie an etwas fehlen, schon gar nicht an Liebe. Er ist unser größtes Glück, er ist der Grund dass wir wieder glücklich werden.