Unser Baby ist tot. Er wurde nur 8 Tage alt. Alles was in seinem kurzen Leben passiert ist steht in seinem Tagebuch beschrieben. In diesem Blog beschreibe ich regelmäßig wie ich mit diesem enormen Verlust und der Trauer umgehe. Wir kämpfen um ein glückliches Leben, ein Leben ohne unseren wunderschönen Joep.
Über einen Eintrag im Gästebuch würde ich mich freuen!
28.08.2017
Das Totenhemdchen - Gebrüder Grimm
15.08.2017
Jetzt wäre Joepi schon 1,5 Jahre alt
09.08.2017
Einen Traum den wir nur für Joeps Bruder träumen
Wir hatten quasi schon sein ganzes Leben erträumt. Joep würde clever sein und studieren, was genau war uns egal aber er würde im Leben was erreichen. Wir würden ihm immer ein gutes Vorbild sein. Joep würde gutes Essen lieben, wir träumten davon wie wir zusammen kochen würden und er nur das Beste gut genug fände. Das Beste und natürlich Pommes, Pommes würde er auch lieben, wie alle kleinen Kinder.
Wir träumten davon wie er mit anderen Kindern spielt und jede Menge Freunde hier in der Strasse hat. Wir fragten uns ob er der Anführer der Gruppe sein würde? Ob er den meisten Unfug von allen Kindern machen würde? Wir lachten bei dem Gedanken dass auf einmal andere niederländische Kinder "Scheisse" sagen würden und alle Eltern wüssten genau dass sie das von Joep gelernt haben weil ich zuhause meinen Mund nicht halten konnte.
Wir träumten davon dass Joep hellbondes Haar hat und sportlich ist. Wir träumten davon dass wir ganz oft mit ihm zum Strand gehen würden, wir wohnen so nah am Strand und Joep würde den Strand lieben und mit Papa riesen Sandburgen bauen!
Wir träumten davon wie er seine kleinen Schwestern beschützt und auf sie auf passt. Wie er es hassen würde wenn seine Freunde seine kleine Schwester toll fänden. Ja wir träumten davon dass er schnell ein Schwesterchen bekommen würde. Ein Junge und ein Mädchen, das schien uns so perfekt. Eventuell wenn die beiden was älter sind noch ein 3. Kind hinterher.
Alle Träume die werdende Eltern so träumen träumten wir für Joep.
Und dann auf einmal waren all die Träume es die unser Leben zur Hölle machten, wir träumten sie weiter aber wussten dass unsere Träume niemals Wirklichkeit werden würden. Es dauerte lange bis wir uns abgewöhnten zu träumen. Bis wir uns nicht mehr bei allem Neuen fragten wie Joep das wohl finden würde. Wie es wohl wäre wenn er jetzt gerade bei uns wäre. Bis wir andere Kinder ansehen konnten ohne daran zu denken dass Joep alles was sie tun nie tun wird.
Wir haben uns abgewöhnt zu träumen weil Träume uns so weh taten.Wir träumen nicht mehr von der Zukunft, unsere Zukunft sieht auch nicht mehr so rosig aus. Wir haben gelernt wie sehr es weh tut wenn Träume platzen.
Aber jetzt bin ich wieder schwanger, hoch schwanger. Ich will wieder träumen, für Joeps Bruder, von Joeps Bruder. Aber alle Träume haben wir schon für Joep geträumt. Die Träume haben sich ja nicht in Luft aufgelöst. Ich träume noch immer davon mein Baby nach der Geburt mit nach Hause zu nehmen, ihn zwischen uns ins Bett zu legen und ihn einfach zu bewundern. Ich träume noch immer davon mit meinem Baby raus zu gehen so dass Leute sehen wie hübsch mein Baby ist und sie uns auf ihn ansprechen. Ich träume davon wie stolz wir sein werden.
Joeps Bruder verdient auch seine eigenen Träume! Und genau da ist das Problem, wenn man doch schon alles geträumt hat was es gibt, was soll man denn dann noch träumen? Worauf sollen wir hoffen? Ich hätte gerne einen neuen Traum, eine perfekte rosa (oder babyblaue) Welt für uns und Joeps Bruder von der ich träumen kann, eine die nur für Joeps Bruder ist. Aber die gibt es nicht, es gibt nur eine allegemeine Babytraumwelt. Wahrscheinlich ist das beim 2. Kind immer so dass man kaum/keine neuen Träume hat. Man wünscht sich für all seine Kinder nur das Beste und darum träumt man auch nur vom Besten.
Natürlich träume ich auch davon dass Joeps Bruder klug und hübsch wird, viele Freunde haben wird und dass er ein glücklicher Junge werden wird.
Aber vor allem hoffe ich dass wir ihm alles geben können das er braucht um das zu erreichen, dass wir keine ängstlichen Eltern werden die ständig Angst davor haben dass sie ihr Kind verlieren können, weil wir wissen wie schnell das gehen kann. Wir wären die entspanntesten Eltern überhaupt für Joep gewesen, aber wie wir jetzt sein werden weiss ich nicht.
Wir haben kleine verhaltende Träume und Pläne für Joeps Bruder die wir so nicht für Joep hatten. Der erste Wunsch ist dass wir die ersten Tage alleine mit ihm sein wollen, dass ihn keiner ausser uns (und der Geburtshelferin die die erste Woche bei uns sein wird) anfasst. Einfach damit wir uns in Ruhe an ihn gewöhnen können. Bei Joep konnte ich nicht darauf warten dass jeder vorbei kommt um ihn zu bewundern. (Und im Krankenhaus wollte ich dann niemanden sehen und meine kurze Zeit mit ihm nicht teilen) Diesesmal wünschte ich dass das nicht nötig ist, wir wollen einfach unsere Ruhe mit ihm haben und unser junges Familienglück geniessen. Mal sehen wie wir das umsetzen werden. Rene und ich haben beide eine sehr grosse Familie und wenn jeder vorbeikommen will dann haben wir das Haus wochenlang voll. Ganz zu schweigen von den Freunden und Kollegen die alle so mit uns mitgelebt haben und sicher auch gerne unser neues Wunder bewundern wollen.
Ein anderer Traum den wir für Joeps Bruder haben ist dass er vor allem selbstgemachtes Essen isst. Das haben wir auch für Joep geträumt, aber im letzten Jahr haben wir uns was das betrifft weiter entwickelt. Wir haben letztens zum Beispiel selbst Joghurt gemacht und haben extra hierfür auf einem Bauernhof frische Milch gekauft (Die ich nicht trinken durfte...). Wir wollen gerne dass er weiss woher sein Essen kommt und er merkt dass es besser schmeckt wenn man es selbst macht als wenn man es fertig im Supermarkt kauft.
Wir sind noch auf der Suche nach einem Traum den wir nur für Joeps Bruder träumen und der nichts mit Joep zu tun hat. Aber ehrlich ist ehrlich, der einzige wirklilch neue Traum den wir haben ist dass wir davon träumen zusammen Joep zu besuchen. Wir träumen davon vorher in den Streichelzoo zu gehen der hier gleich um die Ecke ist und davon dass Joeps Bruder gerne seinen grossen Bruder besucht. Aber diesen Traum gäbe es nicht ohne Joep. Wir werden sehen ob wir einen Traum finden den wir nur für Joeps Bruder träumen.
Und wenn das nicht so ist dann ist auch das total in Ordnung. Der wichtigste Traum den ich für beide geträumt habe und jetzt für Joeps Bruder träume ist dass es die glücklichsten Jungs der Welt werden. Hauptsache Joeps Bruder wird glücklich!
08.08.2017
Mamakraft
03.08.2017
Gedenkdienst im Krankenhaus in dem Joep starb
Lange habe ich auf diesen Tag gewartet, ich habe ein paar mal nachgefragt wann dieser Dienst denn endlich sei und im Mai war es dann so weit. Einen Tag vor Muttertag hatten wir diesen Gedenkdienst.
Eine Woche zuvor waren wir schon einmal in Leiden wegen dem grossen Organscreening von Joeps Bruder. Das machte es jetzt leichter, das Parkhaus schnürte mir zwar wieder die Luft zum atmen ab aber nicht so sehr wie eine Woche zuvor. Diesmal mussten wir auch in ein anderes Gebäude in dem wir vorher noch nie waren und wir hatten die Möglichkeit nach dem Dienst noch etwas zu trinken und uns mit anderen Eltern aus zu tauschen.
Der Dienst begann, es wurden Geschichten und Gedichte vorgelesen, es gab zwei Musikanten die Musik spielten und alles war festlich geschmückt. Rene und ich waren in unserer eigenen Welt, sprachen nicht mit anderen Eltern. Es war sehr emotional aber es war auch ein schöner Dienst.
Man hatte die Möglichkeit vor dem Dienst ein Gedicht das man für sein Kind geschrieben hat via email zu verschicken dass dan vorgelesen wurde. Als der Brief mit der Einladung kam ging es uns nicht gut und ich habe nur die wichtigsten Informationen daraus beachtet. Wir mussten uns anmelden, wir mussten in einem bestimmten gebäude sein und es war im Mai. Am morgen vor dem Gedenkdienst habe ich dann nochmal alles gut gelesen und ärgerte mich enorm dass wir das Gedicht dass Rene für Joep geschrieben hat nicht eingereicht haben. Ich dachte jetzt ist es auch zu spät, dann haben wir halt pech.
Auf jedem Stuhl lag ein Programmheft und darin standen auch alle Gedichte die Eltern für ihre Kinder geschrieben haben. Joeps Gedicht stand nicht dabei und das machte mich traurig. Plötzlich wurde dann noch ein Gedicht vorgelesen dass von anderen Eltern erst am morgen eingereicht wurde und jetzt ärgerte ich mich richtig. Wir hätten einfach auch dreist sein sollen, dann wäre sein Gedicht vorgelesen worden anstatt nur in einem Heft zu stehen. Verdammte scheisse...
Während eines Liedes stand ich auch und ging zu der Frau die den Dienst leitete und fragte ob sie vielleicht auch unser Gedicht noch vorlesen konnte, von meinem Handy, von diesem Blog. Es war kein Problem und so wurde auch unser Gedicht noch vorgelesen. Natürlich war das für uns ein unfassbar emotionaler Moment! Es fühlte sich richtig an dass Joep diese extra Aufmerksamkeit bekam!
Der Höhepunkt des Dienstes war wohl der Moment in dem alle Namen von allen Kindern genannt wurden. Die Namen wurden in Etappen vorgelesen, unterbrochen durch Musik und Gedichte. Sobald der Name eines Kindes genannt wurde standen die Eltern auf, nahmen eine weisse Rose in Empfang und stellten diese Rose in eine grosse Vase die in der Mitte stand.02.08.2017
Momentaufnahmen
Oft wenn ich hier schreibe dann schreibe ich um meinen Frust ab zu bauen oder um meiner Trauer ein Ventil zu geben. Natürlich geht es mir nicht immer nur schlecht, wir haben mittlerweile auch wieder viele gute Momente. Jeder einzelne Eintrag ist eine Momentaufnahme. 100% wahr aber nicht representativ für die anderen Tage an denen ich nicht schreibe.
Wir lachen viel und man sieht uns wirklich nicht mehr an dass wir es noch immer so schwer haben. Einfach weil wir wieder funktionieren und es uns besser geht. Aber unser Leben ist noch nicht gut und Menschen die meinen Blog mitlesen wissen das und verstehen das. Der Rest der Welt scheint oft keine Ahnung zu haben. Da gehen wir in der Menge unter und man findet uns maximal langweilig wenn wir sagen dass wir keine Lust haben etwas zu unternehmen. Die Schwangerschaft ist da natürlich auch eine willkommene "Ausrede". Wir brauchen sie nicht einmal zu nennen, jeder scheint sie als Grund für alles zu akzeptieren. Mir geht es nicht gut? Ja es muss schwer sein wieder schwanger zu sein. Ich hab keinen guten Tag und will nichts unternehmen? Ja, schwanger ist man auch so müde. Dass das nur selten wirklich der Fall ist erkläre ich lange nicht immer. Sollen sie doch denken... Solang ich meine Ruhe habe :)
Aber mir ist auch wichtig dass jeder der hier liest versteht dass es immer nur Momentaufnahmen sind wenn ich hier schreibe und ich halt vor allem schreibe wenn es mir nicht so gut geht. Manchmal weiss ich nicht mal worüber ich noch schreiben könnte und plötzlich passieren wieder so viele Dinge die ich nicht schnell genug auf Papier bringen kann.
Ich bin nicht mehr so positiv wie ich früher war aber ich denke ich bin ein Stück positiver als ich hier rüber komme. Die meiste Zeit habe ich wirklich Hoffnung dass wir wieder glücklich werden, mein Leben besteht aus Trauer aber genauso allgegenwärtig ist die Liebe die ich nicht nur von Rene und Joep bekomme sondern auch von unseren Famlien und Freunden. Die Liebe die ich für so viele Menschen empfinde.
Unser Leben ist noch lange nicht gut. Richtig gut wird es wohl nie wieder werden aber wir werden wieder glücklich, ich weiss es und ich brauche diese Hoffnung auch.
Ich habe keine Ängste dass wir auch Joeps Bruder verlieren könnten, was das betrifft bin ich fast genauso naiv wie ich es auch bei Joep war. Das tut mir wirklich gut. Ich habe im letzten Jahr etwas gelernt und diese Schwangerschaft versuche ich nicht mehr mehr zu unternehmen als ich kann. Momentan besteht mein Leben aus arbeiten, essen und schlafen. Mehr schaffe ich nicht und das ist okay für mich. Bei Joep habe ich so gekämpft, trotzdem noch regelmäßig etwas zu unternehmen aber das ist jetzt einfach nicht mehr nötig. Ich nehme mir die Ruhe die ich brauche und wenn ich demnächst merke dass Vollzeit arbeiten auch zu viel wird dann werde ich auch weniger arbeiten. Ich stresse mich einfach nicht mehr so um Unwichtiges. Ich weiss was echte Probleme sind andere "Probleme" berühren mich viel weniger als früher.
24.07.2017
Regenbogen
Ich ging wieder früh ins Bett. Ich lag ihm Bett und surfte durchs Internet. Ich dachte nicht daran dass es jetzt genau 17 Monate her war dass dein kleines Herz seine letzten Schläge schlug. Der 23. ist ein Tag der nicht mehr so schwer ist wie anfangs, ich denke nicht mehr die ganze Zeit daran was genau war. Aber gestern um 21.15 guckte ich vom Bett aus kurz aus dem Fenster und da sah ich ihn. Einen riesigen Regenbogen! Genau vor unserem Schlafzimmerfenster. Genau über dem Friedhof, über dir und das obwohl es gar nicht wirklich regnete. Es waren die letzten Sonnenstrahlen und sie zauberten uns einen wunderschönen Regenbogen.
Papa kam zu Mama ins Bett und wir setzten uns vors Fenster um dein Geschenk zu bewundern. Papa sagte dass du bestimmt wusstest dass es mir nicht gut geht und dass du mir Kraft schickst und so war es auch. Mami fühlte sich sofort besser, wirklich wahr. Auf einmal wusste ich dass ich diese Woche wohl arbeiten kann und dass ich stark genug bin.Mama 💓
23.07.2017
Bruderliebe 💙💛
20.07.2017
Traum
Fast hätte ich diesen Traum vergessen. Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich (endlich) wieder über Joep geträumt. Es war in der Nacht auf den 15.
Kurz danach wurde ich wieder wach und dachte wtf... Warum träume ich nie etwas schönes, warum kann er nie leben? Es dauerte eine Weile bis ich wieder einschlief...
Aber zu meinem Traum:
Ich lief über den Friedhof und entdecke eine komplett neue Ecke die mir wirklich gut gefiel. Sofort wusste ich: Joep sollte hier liegen und nicht da hinten zwischen den ungepflegten Kindergräbern. Ein Mitarbeiter vom Friedhof kam vorbei und wir redeten. Er erklärte mir dass es in diesem Stück nur wenig Kindergräber gibt aber dass wohl alle Gräber sehr klein sind weil hier Leute einer bestimmten Kultur begraben werden. In dieser Kultur ist es üblich die Beine und Arme vom Torso zu entfernen und sie so in möglichst kleinen Gräbern begraben werden.
Es störte mich nicht, ich wusste dass Joep hier liegen sollte und der Mitarbeiter vom Friedhof meinte dass das kein Problem sei. Ein paar Minuten später kam er mit Joep zurück. Joep lag in seinem Korb, das neue Grab war schon ausgehoben aber auf einmal hatte ich Zweifel. Was würde Rene sagen? Also rief ich Rene an und Rene kam sofort vorbei. Rene öffnete den Korb aber ich traute mich nicht rein zu schauen. Zu oft habe ich darüber nachgedacht wie Joep jetzt wohl aussehen wird... Rene meinte dass es gar nicht so schlimm sei, er gab ihm von einer Skala 1-10 noch immer eine 7. Ich schaute mir Joep nicht an.
Wir entschieden uns ihn zurück in sein ursprüngliches Grab zu legen, dass es doch besser ist wenn er bleibt wo er war. Wir trugen ihn zusammen zurück zu den Kindergräbern. Ich fühlte dass sich drinnen etwas bewegte, es fühlte sich an wie kleine Kiesel Steine die durch unsere Bewegung hin und her flogen. Die Erde rieselte auf meine Arme als ich Joep ein Stück alleine trug und ich fragte mich wie viel Dreck wohl bei ihm in seiner Kiste sei. Ich wunderte mich dass ich ihn gar nicht riechen konnte. Wenn er doch eine 7 war... Dann sollte ich etwas riechen?
Als wir wieder bei seinem Grab ankamen war das ganze Stück Friedhof auf dem er lag irgendwie leer. Alle Kinder waren aus ihrem Grab genommen wurden, die Erde war ganz eben, ohne Unkraut. Es sah aus wie ein Stück Garten... Uns wurde erklärt dass wegen einem Maulwurf alles neu gemacht werden musste und dass wir Joep jetzt wieder neu begraben konnten. Er sollte jetzt ganz links liegen anstatt in der Mitte und das Grab neben ihm das schon 10 Jahre alt ist würde gar nicht mehr zurück kommen.
Ich fing also an sein Grab zu schaufeln, ich wusste gar nicht wie tief ich graben musste. Ich erinnerte mich daran dass wir die Kiste auf der Beerdigung selbst ins Grab setzen konnten und dann wusste ich plötzlich genau was ich zu tun hatte.
Ich grub und grub, es dauerte länger als ich dachte und auf einmal stieß ich auf einen alten Grabstein aus 1911. Es war der Grabstein für ein Baby und darauf stand in Deutsch dass das Baby tot geboren worden war. Irgendwie berührte es mich dass damals ein Baby mit so viel Liebe beerdigt wurde und es seinen eigenen Stein hatte. Wir stellten Joep in seinem Korb auf dieses Kindergrab.
Ende
Als ich an dem Tag am Friedhof vorbei fuhr rief ich Joep zu dass Mami ihn nie einfach so aus seinem Grab holen würde und dass er sich wirklich keine Sorgen machen müsse. Der Traum beschäftigte mich den ganzen Tag.
Meine Schwester WhatsAppte mir morgens dass auch sie in der gleichen Nacht von Joep geträumt hatte. In ihrem Traum war Joep ein hübscher kleiner Junge. Er war leicht behindert aber er klammerte sich wie ein Äffchen an meine Schwester und wollte immerzu kuscheln. Es war das erste Mal dass sie von Joep träumte.
19.07.2017
Erinnerungskiste
Irgendwann kam mir die Idee: Die perfekte Vorlage für seine Kiste ist der Ballon den er im Krankenhaus hatte und den wir auch für seinen ersten Geburtstag hatten. Wir gaben die Kiste also in Auftrag und bekamen einen ersten Entwurf. Ich wäre nicht ich wenn mir der Entwurf natürlich nicht gut genug gewesen wäre. Also setzte ich mich hinter meinen Laptop und entwarf in Photoshop alle Seiten der Kiste. Es fühlte sich gut an das selbst zu machen.Seitdem wir die Kiste zuhause haben sind wir damit beschäftigt sie zu füllen. Es tut unfassbar weh Joeps Sachen in eine Kiste zu stecken. Sie lagen in seinem Zimmer und sie wandern jetzt in diese wunderschöne Schatzkiste. Aber es bleibt eine Kiste, wir schließen den Deckel danach. Es fühlt sich an als ob wir etwas abschließen das wir niemals abschließen wollten. Aber wir wissen auch dass es richtig ist. Sein Zimmer muss weniger Joep werden, mehr Baby.
- Die dicke fette Mappe aus dem Krankenhaus. Eine Krankenmappe die wahrscheinlich nach 8 Tagen dicker ist als die von mir. Gestern schaute ich mir zum erstenmal an was auf den CDs ist die in der Mappe sind. Es sind alles Scans von Joeps Gehirn. Ich scrollte also durch sein kleines beschädigtes Gehirn und sah wieder was ich vor fast 1,5 Jahren zum letzten Mal sah. Der Beweis, eindeutig: Er kann nicht glücklich werden. Joep musste sterben oder fürchterlich leiden. Die Bilder sind so eindeutig dass die Ärzte und nicht einmal die Wahl gaben... Wir durften nicht entscheiden.
- Die Schere mit der Rene Joeps Nabelschnur durchschnitt an der noch ein klein wenig Blut klebt... Da war alles noch so perfekt.
- Das Tagebuch das die Schwestern für Joep im Krankenhaus schrieben.
- Der Esel der eine Herzgeräuschpuppe ist mit dem Joep im Krankenhaus gekuschelt hat.
- Die Jacke die Joep anhatte.
- Die Mützen die Joep anhatte... Ich kann ewig so weiter machen. Jedes einzelne Stück in der Kiste hat so einen unfassbaren emotionalen Wert für uns.
18.07.2017
Umgang mit den Kollegen die mir nicht gut tun
15.07.2017
Und wie geht es euch? Gut?
13.07.2017
Ein Cousin den sie nie kennen lernen konnten
12.07.2017
Meiner Meinung nach hast du keine Kinder - bitte was?!
BAM!!!
Ich sagte dass ich sehr wohl ein Kind habe und mein zweites Kind erwarte. Nein so sieht er das nicht und ausserdem mache ich gerade etwas ganz persönliches hieraus. Darum geht es ja gar nicht. Ich war wirklich fassungslos. Ich versuchte Joep zu verteidigen, ich hatte Tränen in den Augen, ich verteidigte alle toten Kinder die dazu gehören! Und jetzt war ich die jenige die es zu persönlich auffasst? Obwohl er doch mit diesem Beispiel kam? Obwohl er doch weiss dass Joep tot ist. Ich sagte also dass es der jenige ist der es mit seinem Beispiel persönlich machte und dass ich nicht mehr weiter darüber diskutieren würde, dass ich emotional werde und es mich verletzt. Er sagte sorry aber es kam nicht an, er verstand nicht warum ich aufgebracht war. Er verstand nichts... Hiernach beschwerte er sich dann noch hinter meinem Rücken über mich und das war der Moment in dem mir klar war dass ich hierüber nicht mehr mit ihm diskutieren würde.
Fazit: Ich erklärte die ganze Situation an jmd der über uns steht und er solle doch bitte entscheiden weil wir einfach nicht auf einen Nenner kommen. Er hörte sich alles an, es wurde wieder viel zu viel diskutiert aber letztendlich wird jetzt gemacht was ich schon seit Tagen sagte.
Und mein persönliches Fazit? Ich rede privat gar nicht mehr mit ihm, jemand der so unsensibel ist, mir so weh tut... Ich rede nur noch das Nötigste mit ihm. Mir ins Gesicht sagen dass er die Diskussionen toll findet (die mich schon lange störten weil wir uns im Kreis drehten), mir ins Gesicht sagen dass ich seiner Meinung nach keine Kinder habe und dann hinter meinem Rücken schlecht über mich reden wenn ich kurz nicht da bin und jeder es mitbekommt... Solche Menschen will ich nicht in meinem Leben, solche Menschen brauche ich auch nicht in meinem Leben.
Allerdings sorgen solche Situationen dafür dass ich nicht warten kann dass die Zeit vergeht und ich nicht mehr arbeiten muss und das ist schade, sehr schade. Es fing gerade wieder an Spass zu machen. Den Tag habe ich was Arbeit betrifft wirklich wenig geschafft weil es mir so schlecht ging. Ich erzählte es abends Rene und Rene war so sauer und meinte: Bin ich froh dass ich deine Kollegen nicht habe...
11.07.2017
Sie sehen was wie sehen wollen
07.07.2017
Unruhe
05.07.2017
3D Ultraschall
03.07.2017
Urlaub - Abstand tut weh
Wir liefen oft durch Slowenien auf der Suche nach einer Kleinigkeit für Joeps Grab, Rene hatte die Idee dass wir ihm etwas kaufen könnten und es schien mir eine schönte neue Tradition. Aus jedem Urlaub ein keine Geschenk für Joep mitnehmen. Wir kauften einen von Hand bemalten Stein. Wir hatten ein Foto von uns mit Joep dabei, außerdem seine Hand und Fußabdrücke, das Kissen mit seinem Foto und seine kleine Decke. Das alles stand auf dem Nachttisch und das Kissen lag im Bett. So war Joep immer bei uns.
Auch der Weg nach Hause lief wieder gut. Zwischen Slowenien und München standen wir zwar viel im Stau aber von München bis Den Haag lief es richtig gut. Wir fuhren um halb sieben in München los und frühstückten irgendwo auf einem Rasthof. Als ich mir dort die Hände wusch lief vor mir im Spiegel eine Reklame, ein kleines Mädchen fragte: "Papa, kannst du mich vom Flugzeug aus sehen wenn ich im Himmel bin?" BAM, wieder schlug es ein wie eine Bombe. Die Toilette war überfüllt aber ich starrte auf die Reklame, Tränen in den Augen... Kinder sterben, hallo Wirklichkeit, hallo meine Welt, ich weiß dass du immer da bist aber manchmal kannst du dich so brutal aufdrängen. Rene merkte mir sofort an dass etwas passiert war und er fragte was los sei. Auch ihn traf die Reklame mitten in Herz und es tat so weh, es riss so viele Wunden auf aber wir mussten weiter fahren, wir wollten weiter, wir wollten nach Hause.
20.06.2017
Die Angst ihn nicht genug lieben zu können
Trauer ist Stress für unsere Körper
Seitdem Rene plötzlich durch Spannungen und Stress Rückenprobleme hat versuche ich ganz bewusst auf meinen Körper zu achten. Ich frage mich oft wieviel Stress ich habe. Ich fühle mich nicht gestresst aber auch Rene hätte nie gedacht dass er so viel Stress hat dass er plötzlich körperliche Probleme bekommt. Trauer ist Stress und somit ist unser Stress dauerhaft, ich habe mich daran gewöhnt und merke gar nicht mehr dass ich Stress habe. Alle Stress Symptome die ich habe tue ich immer ab als Symptome der Trauer und/oder der Schwangerschaft. Trauer fühlte sich für mich nie an wie Stress aber wenn ich mir anschaue was die Symptome für Stress sind dann bin ich nicht mehr so sicher ob es nicht doch durch den Stress kommt. Trauer ist Stress, ja mein Stress kommt durch die Trauer aber wieviel Stress Hormone schwimmen durch mein Blut und wie schlecht ist das für meine Gesundheit und die des Kleinen? Dauerhafter Stress macht krank. Trauer ist die einzige Art und Weise wieder zu heilen. Es scheint kein Richtig zu geben... Ohne Trauer wird es mir nie besser gehen, Trauer gibt es nicht ohne Stress. Mein Weg ist der Richtige, die Trauer zu leben und zu akzeptieren ist wichtig für mich. Mit der Trauer als treuer Wegbegleiter zu leben ist die einzige Art und Weise für mich Joeps Tod zu überleben.
"Trauer ist der stärkste Stress, den ein Mensch überhaupt erfahren kann, so hat es der Psychoanalytiker Collin Murray Parkes formuliert." Und wenn ich mir eine Liste angucken in der alle Symptome für Stress aufgezählt werden dann kann ich das nur bejahen. Die Trauer um sein Kind scheint mir sowieso die stärkste Trauer die es gibt. (Es sei denn es geht um mehrere Kinder oder die ganze Familie) Ich google Symptome und hatte im letzten Jahr beinahe alle Symptome aber ich fühlte mich nicht so gejagt wie früher wenn ich Stress auf der Arbeit hatte. Es ist nicht zu vergleichen mit dem was ich an Stress kannte, es ist ein ganz neues Level von Stress.
"Stress-Symptome
Auf Stress über einen längeren Zeitraum hinweg reagiert der Organismus mit zahlreichen körperlichen wie psychischen Symptomen. Diese können sowohl akut als auch permanent (chronisch) auftreten. Auf jeden Fall sollten die Symptome nicht ignoriert werden, da Stress oftmals schwere Krankheiten auslösen kann. Typische psychische Anzeichen für Stress sind unter anderem Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebsschwäche, erhöhte Reizbarkeit, Angst- und Panikanfälle, depressive Verstimmungen und Burnout. Körperlich zeigt sich die übermäßige Belastung durch Schlafstörungen, Herzrasen, erhöhten Blutdruck, Durchfall, nervösen Magen, Schmerzzustände und Muskelverspannungen. Weiterhin charakteristisch sind ein geschwächtes Immunsystem, nachlassende Libido und Lidzucken."
Ich kann kaum ein Symptom dieser Liste nennen dass ich nicht erfahren habe oder erfahre. Viele erfahre ich noch immer regelmäßig aber ich nenne es Trauer, nicht Stress... Ich habe meine Trauer oft als eine Achterbahnfahrt beschrieben, ein ständiges auf und ab. Ich denke dass das für uns und unsere Körper sehr wichtig ist: Wir brauchen diese Pausen in denen es okay ist um uns auch körperlich zu erholen. In diesen Zeiten ist dass Stresslevel niedriger und ich hoffe dass es dadurch für meinen Körper machbar bleibt.
Ich arbeite jetzt seit knapp zwei Monaten wieder Vollzeit. Auf der Arbeit fühle ich mich nicht gestresst aber ich merke dass ich die letzten Wochen viel schneller gereizt bin und sauer werde. Dann bin ich so wütend, auf alles und jeden. Das habe ich nicht wenn ich auf der Arbeit bin sondern wenn ich Zuhause zur Ruhe komme und oft wenn ich vom Friedhof wieder nach Hause laufe. Dann will ich am liebsten schreien und alles kaputt machen und führe ganze Streitgespräche in meinem Kopf. Aber kommt das jetzt dadurch dass ich mehr arbeite? Habe ich mehr Stress als vorher? Oder ist es einfach eine andere Phase meiner Trauer? Wut gehört dazu, ich habe im ersten Jahr gar keine Wut gefühlt und jetzt ist sie regelmäßig da. Fast wöchentlich übernimmt die Wut für einen kurzen Moment meine Welt und meine Gedanken (max 20 Minuten die Woche). Das endet dann in einem Tränenmeer und ich weine und schluchze bis alle Wut und Verzweiflung aus mir raus ist und nur die Traurigkeit noch bleibt. Traurigkeit ist mein treuer Begleiter, so bekannt und so vertraut. Traurigkeit ist mir so viel lieber als Wut.
Etwas anderes was mir in den letzten Wochen auffällt ist das ich schlechter schlafe und deswegen tagsüber super erschöpft bin. Und wieder frage ich mich: ist das der Stress? Habe ich Stress? Oder kommt es durch die Schwangerschaft? Schlafprobleme und Müdigkeit gehören zu jeder Schwangerschaft und sind nicht unbedingt ein Zeichen für Stress. Wir haben jetzt erstmal 2 Wochen frei und ich werde weiter auf meinen Körper achten. Wenn ich die nächsten Wochen plötzlich besser schlafe und mich fitter fühle dann weiss ich dass ich gut darüber nachdenken muss ob ich weiter Vollzeit arbeiten kann. Wenn der Kleine erstmal da ist und wir ihn gesund mit nach Hause genommen haben werde ich sowieso nicht wieder Vollzeit arbeiten. Nach dem Urlaub muss ich nur noch 2 Monate arbeite und ich habe so viele Urlaubstage dass ich mir zwischendurch noch ein paar Mal frei nehmen werde. Vielleicht brauchte ich auch einfach nur Urlaub und hat es nichts mit der Arbeit zu tun? Der letzte Urlaub ist ein halbes Jahr her und war alles andere als entspannend (Weihnachten sind wir nach Teneriffa geflüchtet und ich hatte im Urlaub eine frühe Fehlgeburt). Irgendwie muss ich es schaffen mein Stresslevel zu senken. Und während ich das schreibe frage ich mich wieder: Ist es denn überhaupt hoch wenn ich mich doch nicht (kaum) gestresst fühle? Muss ich etwas verändern? Keiner ausser mir kann die Frage beantworten, ich muss es fühlen können aber ich kann es nicht... Vielleicht bedeutet das auch dass alles okay ist aber dann Frage ich mich warum ich mir plötzlich doch Sorgen mache? Wäre das mit Rene's Rücken nicht passiert würde ich mir keine Sorgen machen...
Manchmal wird mir alles zu viel und in solchen Momenten weiss ich ich habe zu viel Stress. In solchen Situationen geht es mir psychisch schlecht und bin ich am Ende, kann ich eigentlich nicht mehr funktionieren aber tue es doch. Das werde ich in Zukunft versuchen zu vermeiden. Wenn ich mich so fühle sollte ich mir sofort eine Pause gönnen.
12.06.2017
2. Trimester
Ausserdem mache ich mir seit diesem Wochenende Sorgen ob ich nicht zu viel Stress habe. Auch in der Schwangerschaft mit Joep hatte ich Angst dass der Stress nicht gut sein könnte aber jetzt ist es anders, ich fühle mich nicht gestresst, ich glaube ich erkenne Stress gar nicht mehr. Trauer ist für unsere Körper Stress, Stress ist schlecht fürs Baby, aber Dauerstress ist im letzten Jahr das normalste der Welt für mich geworden. Ich fühlte mich nie gestresst, ich trauer! Aber es scheint den gleichen Effekt auf meinen Körper zu haben, ob ich es fühle oder nicht, es ist nicht gut für den Kleinen und Vollzeit arbeiten bedeutet doch vielleicht auch extra Stress?
Rene hat seit Freitag Rückenschmerzen die auf Stress zurück zu führen sind, auch Rene hatte keine Ahnung dass er so viel Stress hatte. Er trauerte und arbeitete, fühlte sich erschöpft aber nicht gestresst und jetzt haben wir Freitag zu hören bekommen das die Ursache für seine Schmerzen Stress ist. Das hat mich unsicher gemacht, was wenn ich auch viel mehr Stress in meinem Körper habe als ich denke? Was wenn Vollzeit arbeiten schlecht für den kleinen Mann ist? Freitag habe ich einen Termin beim Gynaecologen und dann werde ich das besprechen.
Aber alles in allem geht es mit in dieser Schwangerschaft jetzt wirklich gut. Ich bin froh dass ich keine Ängste mehr habe die ich auch nicht bei Joep hatte, dass ich mir nicht den ganzen Tag Sorgen mache und total Unsicher bin. Ich bin sogar optimistisch dass ich mich in den nächsten Wochen wirklich an den Gedanken gewöhnen kann dass wir bald ein Baby zuhause haben und ich den Kleinen immer besser kennen lernen werde, von seiner Zukunft träumen werde. Wir werden die besten Eltern für ihn werden die sich ein Kind nur wünschen kann!
