31.10.2017

Nicht nur Babys sterben unerwartet und zu früh

Letzte Woche haben wir erfahren das Renes leiblicher Vater gestorben ist. Rene hatte seit seinem 18 Geburtstag keinen Kontakt mehr mit ihm und das war für ihn richtig so. Er konnte und wollte Rene einfach nicht geben was Rene von einem Vater braucht.
Jetzt ist er tot und mit ihm ist wohl auch dieser kleine Funken Hoffnung gestorben dass er sich vielleicht doch irgendwann für ihn interessiert. Rene hat den Kontakt nie abgebrochen, er hat keinen Kontaktversuch seines Vaters ignoriert. Er hat sich einfach nicht mehr bei ihm gemeldet nachdem er wieder einmal versetzt wurde und seitdem hat er nie wieder etwas von ihm gehört. Jetzt ist Jos tot. Ich kannte meinen Schwiegervater nicht, es ist komisch. Rene hat zum Glück schon lange damit abgeschlossen und deswegen geht es ihm überraschend gut. Wir haben gelernt wie weh es tut wenn jemand stirbt der einem wirklich Nahe steht und sein Tod kam so plötzlich aber irgendwie stand er uns nicht mehr Nahe. Ein paar Tage spukte er in unseren Köpfen. Der Gedanke das Joep vor ihm steht und Hallo Opa sagt und er keine Ahnung hat wer Joep ist... Wir sind selbst überrascht wie wenig weh es tut und wie gut es uns noch geht aber wir fühlen uns deswegen nicht schuldig. Sein Vater wollte kein Vater für ihn sein und das war nicht unser Fehler.
Letzte Woche habe ich nicht nur vom Tod meines Schwiegervaters erfahren. Auch dir Mutter einer Freundin ist gestorben. Ich habe sie vor ca einem Jahr im Internet kennen gelernt. Auch ihre Tochter ist gestorben. Sie war die erste deutsche Mama mit der ich mich ausgetauscht habe. Wir waren dieses Jahr gleichzeitig schwanger, ich war nur eine Woche weiter als sie. Ich hab sie, obwohl ich sie nie gesehen habe, im letzen Jahr so lieb gewonnen und jetzt ist ihre Mutter tot. Ganz plötzlich und unerwartet starb sie. Und meine Freundin fühlt sich schuldig weil sie ihrer Mutter nicht genug liebe gegeben hat die letzten Jahre.  Sie hat Schuldgefühle weil sie seit dem Tod ihrer Tochter ihre Mutter weniger gesehen hat und ihr nicht geben konnte was sie gebraucht hat. Ihre Mutter hat sie oft verletzt und sie schützte sich selbst. Sie tat was sie tun musste um zu überleben. Es war in dem Moment das richtige aber jetzt wo ihre Mama tot ist wissen wir dass sie anders hätte handeln sollen. So viele Dinge die sie ihr noch sagen wollte, so viele Dinge die sie noch zusammen erleben wollte. Sie bereut es dass sie die Baustelle Mama nicht als erste Baustelle angepackt hat, das sie nicht daran gearbeitet hat wieder mehr Kontakt haben zu können.
Sie hat getan was ich immer und immer wieder allen Mamas predige. Wenn dir jemand nicht gut tut und dir mehr Energie raubt als gibt dann löse dich. Wenn es dir wieder gut genug gibt kannst du wieder mehr Kontakt haben und wenn diese Person dich liebt wird sie verstehen und verzeihen. Und jetzt ist sie tot und das obwohl sie jetzt nach der Geburt ihrer Tochter einen Schritt auf sie zumachen wollte. Endlich ging es ihr besser, sie war fast so weit.  Und plötzlich ist es zu spät. Von einem Tag auf den anderen ist ihre geliebte Mama nicht mehr da und sie hat ihr noch so viel zu sagen, bereut so viel. Ich kann nichts für sie tun. Aber ich verstehe sie so gut. So würde ich mich in ihrer Situation auch fühlen. Sie ist ein guter Mensch und natürlich hat sie jetzt Schuldgefühle...
Ich habe etwas gelernt diese Woche. Stoße den Menschen nur dann vor den Kopf wenn du ertragen kannst dass sie komplett aus deinem Leben verschwinden. Ziehe dich nur so weit zurück wie es sein muss, es kann sein das du es sonst so bitter bereuen wirst. Der Tod ist ein verdammtes Arschloch und wartet nicht darauf bis es dir wieder gut genug geht... Finde eine Balance was für dich gut ist aber auch für deine Liebsten. Erkläre warum du dich zurück ziehst und erkläre das es nur zeitlich ist. Dass du es einfach momentan nicht kannst aber du hoffst in Zukunft wieder viel Kontakt zu haben und sage deinen Lieben dass du sie liebst.

29.10.2017

Darf ich das fühlen? Darf ich sagen dass ich so fühle?

Joep ist tot. Sein Bruder lebt. Das sind die Fakten.
Eine andere Tatsache ist das Joeps Bruder mir unfassbar gut tut und er wirklich das Glück zurück gebracht hat. Ich kann ihn Stunden lang angucken. Ich liebe ihn so sehr, er ist mein größtes Glück. Er ist das liebste und schönste das ich habe und ich bin immer dankbar dafür das ich so ein perfektes Kind bekommen durfte. Noch ein perfektes Kind.
Aber es ist auch nach einem Monat noch so irreal, wir haben wieder ein Kind. Wir haben 2 Söhne aber nur einer ist bei uns. Wir haben 2 Söhne die 1,5 Jahre auseinander liegen. Wie wunderschön hätte es sein müssen, sie sollten einmal beste Freunde werden so wie meine kleine Schwester und ich es waren.
Diese letzten 1,5 Jahre standen für uns still. Wie kann es also sein daß wir plötzlich Joeps Bruder haben? Ja die Zeit ging weiter auch wenn es sich nicht so anfühlte, Joeps Bruder ist der Beweis. In den letzten Wochen guckte ich Joeps Bruder an und hatte manchmal das Gefühl das falsche Baby zu haben. Ich hatte doch gestern noch Joep und heute habe ich plötzlich Joeps Bruder? Irgendwie wurde mein Baby ausgetauscht. Ich weiss natürlich dass das das nicht so ist aber manchmal fühlt es sich halt kurz so an. Noch immer wünsche ich mir nichts mehr als das auch Joep bei uns sein darf. Das wir einfach komplett sind. Und irgendwie ist dieser einfache Wunsch zu viel verlangt. Wir werden nie komplett sein und ich muss damit leben dass ich manchmal das Gefühl zu haben das das Alles nicht richtig ist. Mir wurde die Zeit geklaut, mir wurde mein Leben geklaut und damit muss ich leben und das bedeutet jetzt auch für mich dass ich diese Gefühle hatte das Joeps Bruder das falsche Baby in meinen Armen ist. Ich hatte diese Gefühle nicht oft aber sie waren da und ich bin bestimmt nicht die einzige Mama die sie hatte und darum schreibe ich darüber. Wissend dass es normal ist aber auch mit Scham. Wie kann ich denn bitte so etwas fühlen? Joeps Bruder ist perfekt, er ist nicht das falsche Baby... Joeps Bruder ist nicht das Problem, das Problem ist das Joep nicht bei mir sein darf.
Ich habe 2 Söhne und doch lerne ich gerade erst ausführende Mama sein... Ich lerne all die Dinge die ich schon vor 20 Monaten hätte lernen müssen. Es ist so unfassbar ungerecht. Es ist einfach zum kotzen.
Dennoch tut Joeps Bruder mir so gut, uns geht es so viel besser als vor der Geburt. Psychisch habe ich einen riesen Schritt gemacht. Ich funktioniere nicht mehr nur, ich habe das Gefühl wieder zu leben. Ich genieße es Joeps Bruder im Tragetuch oder auf dem Arm zu haben. Er ist immer ganz nah bei mir, er tut mir so gut. Wir gehen oft zusammen spazieren und dann gehen wir auch oft kurz zu Joep um Hallo zu sagen.

24.10.2017

The moment you left me

“The moment you left me,
my heart was split in two,
one side was filled with memories,
the other side died with you.
I often lay awake at night
when the world is fast asleep,
and take a walk down memory lane
with tears upon my cheek.
Remembering you is easy.
I do it everyday,
but missing you is a heartache
that never goes away.
I hold you tightly within my heart
and there you will remain,
you see life has gone on without you,
but will never be the same.”

Author unknown

20.10.2017

Spenden

Gerade kam mir eine Idee die ich wirklich nicht vergessen darf.
Gerade habe ich mir überlegt das es wunderschön wäre um jedes Jahr zu Joeps Geburtstag Geld zu spenden. Es gibt so viele gute Sachen die man unterstützen kann und wie schön ist es einmal im Jahr eine größere Spende in Joeps Namen zu spenden. Anstatt das Geld für seine Geschenke aus zu geben werden wir die Welt ein kleines bisschen besser machen.
Welchen guten Zweck wir unterstützen werden weiss ich noch nicht, wieviel geld es sein wird weiss ich auch noch nicht. Ob nur wir spenden oder wir unsere Familie und Freunde auch fragen mit zu machen, all das weiss ich noch nicht. Aber mir gefällt die Idee sehr gut. Wir haben versprochen gute Menschen zu sein und in seiner Woche, an seinem Geburtstag extra gut zu sein fühlt sich richtig an.
Ob wir nur etwas spenden oder vielleicht irgendwo sogar mir anpacken, das alles werden wir noch sehen. Aber das wird sicher mit eingebaut in unsere Joep Tradition die noch entstehen muss. Ich will seinen Geburtstag weiter feiern. Ich will in seinem Namen Gutes tun.

13.10.2017

Atmet er noch?

Am 23. Februar 2016 starb Joep in meinen Armen. Joep war ein Kämpfer, so stark. Er kämpfte um jede Minute die er noch leben konnte und das bedeutete für uns das er fast 20 Mal aufgehört hat zu atmen bevor er wirklich starb. Jedesmal wenn wir dachten er sei Tod hörten wir ihn nach einer halben Minute wieder nach Luft schnappen und begann sein kleines Herz wieder zu rasen.
Jedes Mal lag er vor uns, atmete nicht mehr und wir fühlten wie sein Herzschlag immer langsamer wurde, wir fühlten wie er in unseren Händen starb und wir konnten nichts dagegen tun. Ganz ruhig saßen wir da und nahmen Abschied vom Liebsten und Schönsten das wir je hatten. Versuchten jede Sekunde die wir noch hatten in uns auf zu saugen, alles zu speichern um nie zu vergessen.
Dieses Gefühl das ich damals hatte kenne ich auch jetzt wieder. Wenn Joeps Bruder tief schläft höre ich ihn nicht atmen, sehe ich ihn nicht atmen. Sein Gesicht ist so entspannt wie das von Joep es war und dann sieht er ihm so unfassbar ähnlich. Vor allem im Maxicosi, wenn er im Maxicosi schläft und sich nicht bewegt erinnert Joeps Bruder uns so sehr an Joep der Tod in seinem kleinen Korb lag. Das fiel uns das erste Mal auf als wir Joeps Bruder aus dem Krankenhaus mit nach Hause genommen haben. Ich konnte nicht schnell genug ankommen und ihn aus dem Maxicosi holen um dieses Bild nicht mehr vor mir zu sehen. Es war Joeps Bruder, Joeps Bruder der lebte aber er sah aus wie Joep, der tote Joep in seinem geflochtenen Korb.
Die erste Nacht im Krankenhaus fragte ich Rene ein paar Mal ob Joeps Bruder noch atmet. Eine Frage die ich bevor Joep gestorben ist nie in mir aufgekommen ist aber jetzt frage ich es mich fast täglich. Ich habe keine Angst, ich denke in dem Moment nicht das Joeps Bruder tot ist aber trotzdem muss ich dann kontrollieren ob er noch lebt, schubse ich ihn kurz an oder lege meinen Finger unter seine Nase um seine Atmung zu fühlen.
Und ich frage mich, ist das normal oder kommt das durch Joep? Kontrollieren alle Eltern ob ihre Babys noch leben wenn sie so still und unbeweglich da liegen? Gestern erzählte ich Rene dass ich das mache und er sagte dass er hören kann ob er atmet oder nicht. Dass ich einfach gut hören soll anstatt ihn zu wecken aber gestern saß er im Auto und ich hörte nichts also berührte ich ihn als er nicht auf meine Stimme reagierte. Eine klitzekleine Sekunde die ich brauchte um ruhig bleiben zu können.
Die ersten Nächte schlief Joeps Bruder einfach so neben uns, ohne Kontrolle. Das funktionierte auch wirklich super. Rene und ich konnten beide gut schlafen, wir wachten nicht auf weil wir Angst hatten Joeps Bruder könnte es nicht gut gehen, wir wachten auf weil er Hunger hatte. Nach einer knappen Woche dachte ich dann dass ich doch den Snuza gekauft habe um seine Atmung zu überwachen wenn wir schlafen. Also probierten wir ihn eine Nacht aus und waren überrascht wie sehr er uns beruhigen konnte obwohl wir doch keine Ängste hatten. Seitdem schläft Joeps Bruder abends nur noch mit Snuza an der Windel. Es gab noch keinen Fehlalarm oder so und der Snuza gibt uns auf jedenfall Ruhe und Joeps Bruder stört es auch nicht.  Zumindest nachts habe ich mich seit der ersten Nacht in Krankenhaus nie mehr fragen müssen ob Joeps Bruder noch atmet. Würde er einen kurzen Armenaussetzer haben dann würde der Snuza uns innerhalb von 20 Sekunden wecken. Und wenn das irgendwann passiert bin ich mich sicher dass Joeps Bruder ihn einfach von der Windel runtergestrampelt hat.  Ich werde nicht in Panik verfallen, ich werde ruhig bleiben, genauso ruhig wie ich jetzt bin wenn ich kontrolliere ob er noch atmet.

09.10.2017

Ich vermisse Joep

Die letzten Tage tut es wieder so weh. Nachdem Joeps Bruder geboren wurde fühlte ich mich so gut, glücklich. Alles in mir wusste dass ich einfach nur in einem Hoch meiner Achterbahn sitze und das das nächste Tief kommen würde. Ich würde fallen weil ich immer falle, ich falle und ich stehe wieder auf. So sieht mein Leben jetzt nun mal aus.
Ich genoss jede Sekunde mit Joeps Bruder, wissend dass meine Augen nicht mehr lange trocken bleiben würden. Versteht mich nicht falsch, ich genieße auch jetzt noch jede Sekunde mit Joeps Bruder, er ist mein grösstes Glück und für nichts würde ich ihn hergeben wollen. Ich trage ihn am Liebsten den ganzen Tag mit mir rum, will ihn bei mir haben, seine Nähe spüren, er tut mir so gut.
Aber vor ein paar Tagen bin ich gefallen, nicht so tief und der Aufschlag war nicht so hart wie sonst, ich bin anders gefallen. Es ist als ob ich ein paar Meter über dem Boden hängen geblieben bin. Ich weine viel, ich vermisse Joep so schrecklich. Ich kann einfach nicht verstehen dass er nicht leben durfte, dass sein kleiner inimini Bruder jetzt schon älter ist als er werden konnte. Ja am Tag an dem Joeps Bruder offiziell älter war als Joep bin ich gefallen. Diese Tatsache tut mir so weh. Anstatt jetzt eine Beerdigung zu planen habe ich Joeps Bruder bei mir und er gibt mir so viel Kraft und Liebe. Aber warum darf Joep nicht bei uns sein?
Schlaflose Nächte stören mich gar nicht. Joeps Bruder ist ein Schatz und macht es uns wirklich leicht. Er weint kaum und lässt sich immer sofort beruhigen sobald man ihn auf den Arm nimmt. Er trinkt gut, er schläft gut. Ein besseres Baby könnten wir uns nicht wünschen, er ist alles was wir brauchen, er ist besser als wir uns erhofft haben. Wie groß war die Chance dass wir ein Baby bekommen das so unfassbar einfach ist? Dass uns nicht die letzte Energie raubt?
Ich bin dankbar dass wir ihn haben, aber auf der anderen Seite verfluche ich mein Leben weil es so nie hätte sein dürfen. Joep und Joeps Bruder sollten zusammen kuscheln, wir sollten nicht Joeps Grab besuchen...
Ich will so gerne sehen dass Joeps Leben einen Sinn hatte, er soll nicht nur Traurigkeit in unser Leben gebracht haben. Aber so oft ist Traurigkeit das was ich fühle. All die Liebe die ich für ihn empfinde tut einfach so unfassbar weh. Er war so stark, so schön und so perfekt aber das war nicht genug... Niemand wäre stark genug gewesen für so eine Hirnblutung... Er hat so hart gekämpft aber es war so ein unfairer Kampf. Er hatte den Kampf schon lange verloren bevor wir überhaupt wussten dass er so hart würde kämpfen müssen.
Ich bin wieder gefallen, ich werde noch 1000de male fallen und ich werde wieder aufstehen. Für Joep, weil ich es ihm versprochen habe. Ich werde stark sein, ich werde wieder glücklich werden. Und jetzt auch für Joeps Bruder, der eine glückliche Kindheit braucht und verdient und der niemals das Gefühl haben darf in Joeps Schatten zu stehen. Für Joeps Bruder bin ich stark, wenn Joeps Bruder wach ist weine ich kaum. Ich muss es nicht einmal unterdrücken, er gibt mir so viel Freude. Aber wenn er dann schläft und ich Zeit für mich habe fühle ich wie tief ich doch gefallen bin.
Ich habe in den letzten 1,5 Jahren gelernt zu funktionieren, auch wenn ich am Boden liege und eigentlich nichts mehr kann/will. Davon profitieren Joeps Bruder, Rene und ich jetzt. Zuhause läuft es wirklich super. Zum Glück. Ich würde mich schrecklich schuldig fühlen wenn ich es zuhause alles nicht mehr schaffen würde und das einfache Leben mit Baby zuhause mich überfordern würde.
Rene arbeitet jetzt wieder und auch das ist so Scheiße. Natürlich muss es sein, einer muss ja das Geld verdienen. Aber es fühlt sich so richtig an wenn er zuhause ist, wenn wir eine (zu) kleine Familie sind. Ich will nicht daran denken dass ich in ein paar Monaten wieder arbeiten muss... Jetzt ist es erst einmal schwer genug Rene morgens gehen zu lassen. Wir sind nie komplett, Joep fehlt immer aber jetzt fehlt Rene auch... Ich brauche ihn nicht um den Alltag mit Joeps Bruder zu schaffen, wie gesagt, Joeps Bruder ist mega einfach. Aber ich brauche ihn damit ich mich besser fühle, kompletter. Es macht mich so glücklich Rene mit Joeps Bruder zu sehen, zu sehen dass auch Rene endlich wieder Glück fühlen kann.

03.10.2017

Unsere erste Woche mit Baby zuhause

Letzte Woche Dienstag wurde Joeps Bruder abends um halb 6 geboren.

Mittwoch morgen wurde er auf unseren Wunsch hin noch einmal untersucht. Sein Herz und sein Gehirn wurden durch eine  Ultraschalluntersuchung​ kontrolliert und wir bekamen sofort die Ergebnisse. Joeps Bruder ist gesund. Er hat keinen Herzfehler (zumindest was man bis jetzt sehen kann, aber für ein Neugeborenes war das Herz genau so wie es sein sollte) und hatte auch keine Hirnblutung.
Sofort nach den Untersuchungen gingen wir nach Hause. Wir konnten es gar nicht abwarten endlich zuhause zu sein. Mittwoch um 13.00 Uhr kamen wir dann an und Joeps Bruder schlief tief und fest. Sogar so tief und fest dass er nicht zu wecken war und nicht trinken wollte. Wir mussten ihm die Muttermilch mit einem Löffel füttern. Wir machten uns Sorgen um ihn, zum Glück hat man in den Niederlanden in der ersten Woche eine Hilfe im Haus die mit dem Baby und dem Haushalt hilft und konnte sie uns erklären wie wir ihn mit dem Löffel füttern können. Abends wurde Joeps Bruder dann wach und trank wie ein Weltmeister. Er bekam gar nicht genug und holte den ganzen Tag wieder ein.

Auch am nächsten Tag war Joeps Bruder tagsüber kaum wach zu bekommen und das füttern dauerte lange obwohl er nachts so gut trank. Er öffnete seine Augen tagsüber auch einfach gar nicht und war einfach ein zufriedener kleiner Kerl der wusste was er brauchte. Trotzdem versuchten wir ihn alle 3 Stunden zu füttern weil er in der ersten Nacht gleich 200 Gramm abgenommen hatte. Boefs Rhythmus musste sich noch umstellen.

Ich hatte wirklich 2 komplett verschiedene Kinder. Nachts war Joeps Bruder so aktiv und toll, es machte so viel Spaß, ich freute mich wenn er mich mit seinen grossen Augen anschaute. Tagsüber konnte man sich gar nicht vorstellen dass er seine Augen öffnen kann, geschweige denn dass er voller Energie trinken kann.

Seit dem Joeps Bruder Zuhause ist verändert sich sein Rhythmus. Mittlerweile ist er auch tagsüber wach aber er bleibt ein sehr einfaches Baby. Michelle, die Dame die uns diese Woche hilft ist wirklich voller Lob über ihn und über uns. Sie ist ein wahrer Segen der dafür sorgt dass Unsicherheiten im Keim erstickt werden. Sie packt mit an wo es nötig ist und hat immer ein offenes Ohr, sieht uns an wenn



wir Mal unsicher sind und erklärt uns was seine verschnupfte Nase bedeutet, was wir evtl erwarten können wenn er wirklich erkältet wird. Durch sie fühlen wir uns auf alles vorbereitet und gestärkt.
Vor der Geburt habe ich immer wieder gesagt dass wir die ersten Tage gar keinen Besuch wollen aber sobald Joeps Bruder geboren wurde war das anders. Das war dann ganz anders als er geboren wurden und wir haben diese Woche wohl besuch empfangen. Wir waren wieder genauso stolz auf Joeps Bruder wie auch schon auf Joep und er ist so unglaublich schön, wir wollen endlich unser Baby der Welt zeigen können. Joeps Bruder sieht aus wie sein großer Bruder nur sind seine Züge etwas sanfter und feiner. 

Ansonsten sehen sie sich erschreckend ähnlich. Sogar Rene hat die beiden auf Fotos schon verwechselt. Er dachte ich hätte meiner Familie heimlich ein Foto von Joep geschickt um zu testen ob sie es merken. Auch Michelle, unsere Kraamvrouw wie sie hier in NL genannt wird, meinte gleich dass die beiden Zwillinge sein könnten so ähnlich sehen sie sich.

Es macht mich stolz dass die beiden sich so ähnlich sehen. Ich habe schon 1000 Mal geschrieben dass Joep für mich das schönste Baby ist das ich je gesehen habe und ich kann jetzt voller Stolz sagen dass auch Joeps Bruder das schönste ist was ich je gesehen habe. Natürlich sehe ich vor allem auch die Unterschiede. Joeps Bruder ist so aktiv, er kann so viel was Joep nie konnte. Wenn Joeps Bruder wach ist fällt mir die Ähnlichkeit auch weniger auf, Joep war fast nie wach, wir kennen seine kleinen Grimassen nicht. Aber wenn sie schlafen dann ist die Ähnlichkeit nicht zu leugnen.

Freitag waren wir das erste Mal mit Joeps Bruder draußen. Ich trug ihn im einem Tragetuch und wir gingen zu Joep. Joep bekam einen Ballon auf dem steht dass er jetzt ein großer Bruder ist. Danach liefen wir noch zur Stadtverwaltung um Joeps Bruder anzumelden. Als wir nach Hause kamen war Joeps Bruder etwas kalt aber er hatte es super weggesteckt.

Sowieso macht er sich richtig gut, er nimmt wieder zu, er produziert jede Menge Windeln und er weiß genau was er will.

Joeps Bruder und Papi
Er tut uns so unfassbar gut. Wir sind so verliebt in ihn. Vor der Geburt konnte ich nur hoffen dass es so schön werden würde aber damit gerechnet habe ich nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen mich so zu fühlen wie ich mich jetzt fühle. Das war alles so irreal.

Schon vor der Schwangerschaft war ich mir sicher dass ein Kind die einzige Medizin für uns ist und so ist es auch. Das bedeutet nicht dass ich Joep weniger vermisse. Im Gegenteil, ich sehe so oft Joeps Gesicht wenn ich Joeps Bruder anschaue und ich weiß genau dass Joeps Bruder jetzt 1 Woche alt ist und Joep somit fast überholt hat. Ein komisches Gefühl. Bald ist der kleine Bruder älter als sein großer Bruder. Und das nach nur einer Woche.

Ich weine noch immer um Joep, ich vermisse ihn unendlich. Ich träume davon dass er seinen Bruder festhalten will, ihn küssen und kuscheln will. Aber das alles wird er nie tun. Das alles sind nur Träume.

Aber neben all dieser Traurigkeit gibt es jetzt auch Joeps Bruder der uns mit so viel Liebe und Glück erfüllt. Für Joeps Bruder wollen und werden wir stark sein. Joeps Bruder wird ein glückliches Kind dem es an nichts fehlen wird! Und Joep wird von oben auf ihn aufpassen und uns dabei helfen dieses Ziel zu erreichen.

27.09.2017

Joep ist jetzt ein grosser Bruder

Am 26.09.2017 wurde Joeps Bruder geboren. Er ist unfassbar schön! Es war wieder Liebe auf den ersten Blick, als ich ihn endlich in den Armen hielt konnte ich nichts sagen außer dass ich ihn so sehr liebe! Und dass ich glücklich bin.

Ja das hat Joeps Bruder geschafft. Ich fühlte mich richtig glücklich und ich sagte es bevor ich es realisierte. All das Glück und die Liebe sprudelten aus mir heraus und das erste was Joeps Bruder hörte war wie unglaublich willkommen er doch ist.

Die Geburt verlief eigentlich wirklich gut. Viel schneller als die von Joep. Aber rückblickend war Joeps Geburt schöner, ich war so unvoreingenommen und einfach nur glücklich bald meinen Sohn zu bekommen. Ich machte mir keinerlei Sorgen. Boefs Geburt war anders, nicht so spontan und auch nicht sorgenfrei. Morgens dauerte es Stunden bis eine Hebamme bei uns war. Der Ballon fiel gleich um 6 Uhr morgens raus und ich dachte dass es jetzt sofort losgehen könnte. Aber es war voll, meine Geburt hatte keine Priorität und so wurde meine Fruchtblase erst um halb 12 zum platzen gebracht. Wir warteten im Kreissaal und in unserem Zimmer stand ein Krankenhausbettchen für Babys auf denen Babys untersucht werden können. Es war genau das gleiche Bettchen wie in Leiden, das Bettchen in dem Joep lag. Ich fuhr mit meinen Fingern über den Rand des Bettchens und sah Joep vor mir liegen, wusste genau wo all die Kanülen lagen, wo die Beatmung angeschlossen war. Es traf mich unvorbereitet und tat so weh. Ich weinte und versuchte mich wieder zu beruhigen aber mein Blick fiel immer wieder auf dieses Bettchen. Wir zogen eine Gardine vor um es nicht mehr zu sehen und dann ging es mir langsam wieder besser. Ich brauchte Kraft, jeden Moment könnte die Geburt eingeleitet werden.

Bevor wir in den Kreissaal kamen hatte ich schon einen Zugang gelegt bekommen für den Fall dass die Wehen durch das platzen der Fruchtblase nicht sofort einsetzen würden. Und so war es auch, ich bekam zwar Wehen nachdem die Fruchtblase geplatzt war aber viel zu schwache und viel zu wenige. Nach einer Stunde bekam ich einen Wehentropf und es dauerte nochmal ca 2 Stunden bis ich richtige Wehen bekam. Die genaue Zeit weiß ich nicht mehr aber es wird wohl halb 3 gewesen sein. Dann ging auf einmal alles ganz schnell. Die Wehen waren so intensiv und kamen so schnell dass ich es kaum aushalten konnte. Am 25. war ich den ganzen Tag unterwegs und Abends fühlte ich mich schon erkältet. Selbst Schuld. Ich wollte gerne den Tag mit meiner Schwester und ihren kranken Kindern verbringen... Morgens wusste ich also dass ich krank werden würde und ich war erleichtert dass ich es noch werden musste, dass ich bis jetzt nur Schnupfen und Halsschmerzen hatte. Aber als ich dann Wehen hatte fehlte mir die Kraft. Joeps Geburt habe ich ohne Schmerzmittel durchgezogen und ich war so stolz auf mich. Aber diesmal hatte ich keine Badewanne in der ich meine Wehen auffangen konnte.  Ich fand es so furchtbar ungerecht dass ich schon seit mehr als 1,5 Jahren so viele Schmerzen hatte und ich jetzt auch das noch aushalten musste.
Wo war die starke Imke? Vielleicht war es gerade stark dass ich dieses Mal nach Schmerzmittel gefragt habe. Ich bekam eine Morfinpumpe die ich selbst bedienen konnte. Sie wirkte wirklich Wunder und mein Muttermund war zu diesem Zeitpunkt schon 5-6 cm geöffnet. Es dauerte ca eine halbe Stunde bis ich die erste Presswehe hatte. Ich konnte es kaum fassen, ich vertraute meinem Körper nicht. Auch die Krankenschwester die bei mir war meinte es sei vermutlich der Druck von Boefs Kopf. Aber zwei Wehen später war ich davon überzeugt dass es nicht mehr lange dauert. Bis die Hebamme da war musste ich die Presswehen veratmen. Sie kontrollierte mich und tatsächlich, mein Muttermund war komplett geöffnet. Sie sagte dass sie die nächste Wehe von innen mitfühlen würde und das ich pressen dürfte wenn ich wollte. Ich presste und ich konnte auf einmal so viel besser pressen als bei Joep. Ich erschrak von dem Gefühl, Joeps Bruder wollte geboren werden, er war fast da! Die Hebamme sagte wie unfassbar stark ich sei und ich fragte immer wieder ob ich nicht doch ins Bett gemacht habe, ob ich nicht meinen Darm fühlte aber nein, es war Joeps Bruder. Ich konnte es kaum glauben, ich fühlte dass er schon halb da war, für Joep brauchte ich 1,5 Stunden bis ich dieses Gefühl hatte, bei Joeps Bruder1 Presswehe.

Laut der Aufzeichnungen der Hebamme dauerte es ganze 4 Minuten bis Joeps Bruder geboren war. Rene und ich sind aber sehr skeptisch. Ich hatte 4-5 Presswehen und zwischendurch noch Zeit zu reden. Ich hatte plötzlich Angst und sagte ich sei nicht bereit. Es ging so schnell, so unerwartet schnell. Aber natürlich hatte ich keine Wahl. Ich hatte die Geburt eingeleitet und Joeps Bruder wollte geboren werden!

Und dann war er da, um 17:28 Uhr. Die Geburt dauerte gerade Mal 3 stunden. Ich habe wirklich keine Ahnung wie wir 2 Mal hintereinander so unfassbar schöne Babys bekommen konnten. Joeps Bruder sieht Joep sehr ähnlich, er ist wirklich wunderschön. Die 4 kg die Joep hatte hat er nicht erreicht aber er wiegt stolze 3835 Gramm! Und das obwohl er 2 Wochen vor Joep geboren wurde.

Wir sind jetzt zu 4. und könnten nicht stolzer sein! Gerade schläft Joeps Bruder auf mir, im Bettchen war er so unruhig und ich kann so doch unmöglich schlafen. Darum habe ich ihn zu mir genommen. Das erste Mal dass ich in meinem Blog schreibe und ich ein Baby im Arm halte, ich keine unsichtbare Mama mehr bin.

Der Kinderarzt findet dass Joeps Bruder perfekt aussieht. Es gibt keinen Grund zur Sorge! Trotzdem bleiben wir diese Nacht im Krankenhaus um morgen Boefs Herz und Gehirn untersuchen zu lassen. Einfach nur um ihn ruhigen Gewissens mit nach Hause nehmen zu können.

Mir geht es gut, Joeps Bruder geht es gut! Wir haben die Geburt beide wirklich gut überstanden. Wir können kaum erwarten ihn mit nach Hause zu nehmen und endlich von der Welt deutlich als Eltern gesehen zu werden!


25.09.2017

Die Geburt planen

Die Geburt steht kurz bevor und wir haben uns natürlich oft und viele Gedanken gemacht wie die Geburt sein sollte.
Eine natürliche Geburt schien uns beiden von Anfang an das Beste zu sein. Wir wollten das Beste für Joeps Bruder und eine natürliche Geburt (die gut verläuft) ist das beste für ein gesundes Baby. Joeps Geburt fühlte sich für mich anfangs an wie der Anfang vom Ende und kurz nach seinem Tod konnte ich mir nicht vorstellen dass ich das noch einmal kann. Aber ich wusste von Anfang an dass wenn Joep leben würde ich auf jeden Fall wieder eine natürliche Geburt wollen würde. Es war und ist der schönste Moment meines Lebens. Das Gefühl ihn nach der Geburt bei mir zu haben war unbeschreiblich schön und in den letzten 1,5 Jahren habe ich mir so oft gewünscht dass ich die Zeit zurück drehen kann und für immer in diesem Moment leben kann.
Als ich dann wieder schwanger war wusste ich sofort dass ein Kaiserschnitt für mich nur im Notfall in Frage käme, ich wollte wieder eine perfekte Geburt. Denn das war Joeps Geburt auch trotz 2 Stunden Presswehen: Es war perfekt!
Aber gleich am Anfang der Schwangerschaft fragten wir die Ärzte auch ob die Geburt eingeleitet werden würde. Ich hörte es überall von anderen Mamas. Ihre Kinder wurden mit 37 Wochen geboren weil die Geburt eingeleitet wurde. Die Antwort die ich bekam war dass das hier nicht so gemacht wird, dass diese Regelung eigentlich nur für Eltern gilt die ihr Kind Tod geboren haben. Ich erklärte dass ich durch all meine Kontakte genau davor Angst hatte. Ich wusste das wenn noch eins meiner Kinder stirbt dann nicht an einem Herzfehler, der war nicht erblich, Joeps Herzfehler sollte ja heutzutage nicht einmal mehr tödlich sein dürfen... Man verstand meine Angst und wir vereinbarten dass wir es abwarten würden. Wenn ich es psychisch nicht schaffe dann könnten wir die Geburt einleiten aber wenn ich es schaffe dann sollte Joeps Bruder spontan geboren werden.
Mir ging und geht es psychisch noch gut. Vor zwei Wochen ging es mir plötzlich sehr schlecht und ich dachte eine Geburt nicht zu schaffen aber dann ging es mir wieder besser. Meine Trauer habe ich wieder im Griff und die Vorfreude auf Joeps Bruder überwiegt.
René und ich haben vor einem Monat darüber geredet was wir wollen. Am 25.9.17 sind wir 12 Jahre zusammen und ich bin genau 39+0 Wochen schwanger. Mit 39 Wochen wollten wir die Geburt einleiten, wir wollten auf keinen Fall länger als 40 Wochen schwanger sein., das fühlte sich viel zu gefährlich an.
Wir besprachen das mit der Ärztin und sie sagte sofort dass 39 Wochen einfach okay sind und sie total dahinter steht wenn wir die Geburt dann einleiten wollten.
Wir hofften die ganze Zeit dass Joeps Bruder es eiliger haben würde als wir. Wir wollten eine spontane und natürliche Geburt aber Joeps Bruder hatte keine Eile. Im Gegenteil. Freitags bei 38+4 war mein Muttermund noch zu und Boefs Kopf lag noch sehr weit oben. Ich hatte seit 2 Wochen keinerlei Wehen mehr und ich hatte auch schon die Hoffnung aufgegeben dass er selbstständig vor 40 Wochen geboren wird. Wir entschieden uns erst am Freitag dass wir Montags die Geburt einleiten würden. Den 25. würden wir nicht mehr schaffen aber das Datum war auch nicht so wichtig. Es war ein netter Traum diesen Tag doppelt zu feiern.
Heute ist der 25. Abends um 8 Uhr sind wir ins Krankenhaus gefahren um die Geburt unseres 2. Sohnes ein zu leiten. Dieses Wochenende hatte ich zum ersten Mal leichte Wehen und mein Muttermund war dann mittlerweile doch 2 cm geöffnet. Um die Geburt ein zu leiten, die Fruchtblase platzen zu lassen sollten es 3 cm sein aber man macht uns Mut. Durch einen Ballonkatheter ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß dass wir Joeps Bruder morgen mit nach Hause nehmen können.
René liegt neben mir auf einer Couch und schläft. Joeps Foto steht neben mir. Joeps Bruder schläft eine letzte Nacht in meinem Bauch.
Morgen... morgen nehmen wir ihn mit nach Hause. Morgen zieht das Glück wieder bei uns ein.
Ich habe keine Angst vor der Geburt aber es ist noch immer sehr irreal. Auch weil niemand ausser uns weiss dass Joeps Bruder morgen geboren wird.
Überraschung Welt. So oft musste ich der Frage aus dem Weg gehen. Werden wir die Geburt einleiten oder nicht? Ich sagte immer die Wahrheit, wir werden es spontan entscheiden und wir haben uns Freitag spontan entschieden.
Ich werde jetzt auch schlafen, in 6 bis 8 Stunden kommt schon der Arzt! Dann kann es losgehen.  Boef, wir freuen uns auf dich.

17.09.2017

Joeps Kuscheltiere bekommen neue Kinder in Afrika

Joep hat in den letzten 1,5 Jahren so viele Stofftiere auf seinem Grab gehabt die mit der Zeit alle verblichen sind.

Anfangs standen alle Kuscheltiere sobald sie nicht mehr hübsch genug fürs Grab waren in seinem Zimmer. Sein ganzes Bett saß quasi voll mit Stofftieren die zwar nie genutzt wurden aber Monate bei Wind und Wetter draussen saßen. Sie haben sich überraschend gut gehalten! Nur die Sonne hat ihnen zu schaffen gemacht und so haben viele von ihnen ihre Farbe verloren und sind ausgeblichen.  Wir mussten sie aus seinem Bettchen holen um das Kinderzimmer auf Joeps Bruder vor zu bereiten. 

Was macht man mit all den neuen Stofftieren mit denen nie gespielt wurde? Die aber einen so hohen emotionalen Wert für uns haben dass ich sie nicht einfach so weg tun kann. Ich habe darüber nachgedacht sie zu verschenken aber ehrlich gesagt denke ich nicht dass Kinder in unserer Umgebung sich darüber freuen würden. Kinder wollen keine Stofftiere die nicht mehr neu aussehen, sie haben selbst so viele Stofftiere die viel hübscher sind. Ich will sie ja auch nicht für Joeps Bruder verwahren. Er soll eigene Stofftiere bekommen und mit perfekten Kuscheltieren kuscheln und das verdienen natürlich auch alle Kinder in unserem Umfeld.

Selbst die Altkleidersammlung erschien mir zu risikoreich. Nachher landen sie im Müll. Sie sollen nicht in den Müll, sie sollen Kinder glücklich machen. Ich dachte an Flüchtlingskinder aber auch die bekommen wahrscheinlich jede Menge bessere Spenden.

Meine Schwiegermutter ist regelmäßig in Gambia und hilft dort vielen Einheimischen und hat viele Kontakte. Sie war die Antwort auf meine Frage. Sie hat eine Wohnung in Gambia und sie wird im Winter sicher nochmal  rüber fliegen. Gestern haben wir eine Tüte mit Joeps Stofftieren mitgegeben die sie das nächste Mal in Gambia verteilen wird. Auch wir waren vor Jahren in Gambia und wissen wie wenig die Kinder dort haben. Für sie sind Stofftiere ein Luxus den sie kaum kennen. Sie wird es nicht stören dass die Farben nicht mehr so knallig sind, sie haben kaum Stofftiere und werden mit diesen sicher sehr viel Spass haben.

Auf diese Art und Weise weiss ich dass die Stofftiere gut in Gambia ankommen und dass sie verteilt werden an Kinder die ich teilweise sogar persönlich kenne. Kinder die für Joep Sandburgen gebaut haben als sie gehört haben dass er gestorben ist. Ich denke dass Joep sich sehr darüber freuen wird dass seine Stofftiere ein neues Zuhause bekommen und wirklich mit ihnen gespielt wird! Er konnte es nicht, jetzt kann er andere Kinder aber trotzdem glücklich machen.
Mein SuperJoep 

06.09.2017

Post von Joep

Heute klingelte es 2 Mal an der Türe und ich bekam unerwartet Post. Beide male von Joep.
Genau genommen hab ich beide Päckchen bestellt aber ich habe sie nicht heute erwartet. Aber alles der Reihe nach.

Im Moment gibt es einen 17 jährigen Joep der seit einer Woche immer wieder in den Medien ist weil er ein Buch geschrieben hat. Dieser Joep häkelt seitdem er 8 Jahre alt ist und verkauft über seinen Webshop selbstgemachte Mützen. Natürlich musste ich mir diesen Webshop ansehen und ich sah dass auf jeder Mütze auch sein Logo ist. Und sein Logo ist ganz einfach: Joep

Ich war vor dem Wecker wach und surfte also durchs Internet als ich auf Joep und seine Mützen gestossen bin. Noch im Halbschlaf kaufte ich eine für 25 euro. Ich bekam aber nie eine E-Mail zur Bestätigung also dachte ich die letzten Tage nicht mehr an die Mütze. Bis ich gerade einen dicken Briefumschlag bekam mit der Mütze darin. Meine Freude war natürlich gross. Eine Mütze von Joep, mit seinem Namen darauf. Vielleicht ein wenig komisch aber oh so schön. Wie gross ist schon die Chance zufällig eine Mütze mit dem Namen seines Kindes zu finden. Bevor ich den Umschlag öffnete fühlte ich natürlich das etwas weiches im Brief war und ich dachte das uns vielleicht jemand ein Geschenk für Joeps Bruder geschickt hat. Aber es war ein Geschenk von Joep.

Ich freute mich also über die Mütze als es eine Stunde später wieder an der Türe klingelte. Ich lief die Treppe runter und dachte mir: Ich muss wirklich aufhören Sachen zu bestellen. Ich weiss gar nicht was das jetzt schon wieder sein soll. Ich bekam ein recht grosses Packet und darauf stand dass es für Joeps Bruder war. Ich dachte wieder dass uns vielleicht jemand ein Geschenk geschickt hat aber da sah ich das Logo und las ich den Rest auf dem Packet. Das Packet kam von der Stiftung de regenboogboom (Der Regenbogenbaum). Neben der Adresse stand in Wolken geschrieben: für Prinz Boef von einem besonderen Stern aus dem Himmel 💙 Joep.

Hiermit hatte ich wirklich gar nicht gerechnet und das obwohl ich das Packet Montag selbst angefragt habe.    

Ich war Montag auf der Suche nach Klamotten für Joeps Bruder die irgendwie etwas mit Joep zu tun haben. Ich fand auf Etsy ein paar Strampler aber nichts gefiel mir so richtig gut bis ich eine Decke entdecke. Von Hand gehäkelt und in Regenbogenfarben. Die Decke war so schön und ich fing an zu träumen wie toll es wäre wenn wir so eine für Joeps Bruder hätten. Dann könnte er unter der Decke von seinem grossen Bruder träumen und sie wäre ein Geschenk von Joep an Joeps Bruder. Ich zeigte die Decke Rene und auch er fand sie toll. Aber sie war teuer, 70 euro für eine kleine Decke plus 20 euro Versand weil sie aus England kam. Bei so viel Geld für eine kleine Decke die wir im Prinzip nicht brauchen habe ich sie erstmal nicht bestellt. Mittags aber durchsuchte ich das Internet wieder nach einer vergleichbaren Decke. Diesmal eine aus Deutschland oder Holland damit der Versand billiger ist. In Deutschland fand ich gar nichts das mir gefiel und das obwohl DaWanda immer tolle Handarbeit hat. Auch auf google.nl fand ich auf den ersten Blick nichts bis ich beim Scrollen durch die Ergebnisse die Seite vom regenboogboom entdecke. Ich klickte sie an einfach aus dem Grund dass Regenbogen im link stand und sie Traumdecken haben.

Sofort sah ich dass de regenboogboom eine Stiftung ist die handgemachte Traumdecken an Kinder verschickt die es schwer haben. Aus welchem Grund auch immer, viele sind krank oder haben etwas schlimmes erlebt. Die Decken sollen ihnen in ihrer Verletzlichkeit einen Raum der Sicherheit bieten. Ausserdem kann man sich auf der Seite selbst aussuchen welche Decke man gerne möchte.

Ich zweifelte ob ich eine anfragen soll aber es gab in der riesigen Auswahl an Decken genau eine Regenbogendecke und sie schien wie gemacht für Joeps Bruder. Also schrieb ich ihnen meine Geschichte, unsere Geschichte. Davon dass Joeps Bruder bald geboren wird und dass ich gerne eine Regenbogendecke als Geschenk von Joep für ihn möchte. Ich sagte auch dass ich mir nicht sicher bin ob wir denn die Zielgruppe sind weil Joeps Bruder es ja nicht schwer hat. Ich wollte auf keinen Fall einem anderen Kind die Decke wegnehmen. Sie sollten entscheiden ob wir eine Decke für ein ungeborenes Kind bekommen oder nicht.

Ich bekam keine Antwort aber das überraschte mich auch nicht. Stiftungen sind oft etwas langsamer weil dort nur Freiwillige arbeiten und ausserdem fand ich selbst dass wir eigentlich gar nicht die richtigen für so ein Geschenk sind. Ich rechnete nicht damit die Decke zu bekommen und wollte nächste Woche doch die Decke aus England bestelle.

Und dann klingelt es an der Türe, nur zwei Tage nachdem ich die Mail geschickt habe und ich habe ein Päckchen mit darin einer Decke für Joeps Bruder. Und es nicht nur an Joeps Bruder adressiert, nein, darauf steht deutlich dass sie von Joep kommt. Joep mit Herzchen.

Ich fing sofort an zu weinen, so eine schöne Überraschung! Rene weiss noch nicht Mal dass ich eine Decke angefragt habe, der wird heute Abend Augen machen :).

In dem Karton war nicht nur die Decke, sie haben auch eine handgemachte Puppe für Joeps Bruder dazu gelegt und einen Regenbogenkristal für Mama und Papa. Ausserdem haben sie einen Brief an Joeps Bruder geschrieben in dem sie sagen dass er unter der Decke von seinem Bruder träumen kann und dass sie zusammen jede Menge Abenteuer im Regenbogenland erleben können.

Wow, ich bin wirklich so gerührt, dankbar und glücklich. Ich bin jedesmal so froh, so dankbar wenn mir die Welt zeigt dass sie doch nicht schlecht ist. Dass es auch noch Gutes gibt. Und die Decke ist so schön und weich. Ich bin fast neidisch auf Joeps Bruder, wir werden einfach jede Menge zusammen unter dieser Decke kuscheln!

05.09.2017

Zitat Papa: Mein Herz ist ein Speicherplatz voll Liebe für Joep

Wir liegen im Bett, der Fernseher ist mittlerweile wieder aus. Joeps Bruder strampelt und wir konnten beide seine kleine Zehen fühlen die er gegen meinen Bauch drückte.

Rene liegt neben mir und wie so oft reimen oder singen wir irgendwas über Joep. Darüber wie schön er ist, wie sehr wir ihn lieben, dass wir seine Mama und sein Papa sind. Rene spielt auf dem iPad und plappert vor sich hin. Dichtet Lieder um, um daraus Liebeslieder für Joep zu machen.

Und dann sagte er gerade: "Mein Herz ist ein Speicherplatz der voller Liebe für Joep ist!" (Auf Niederländisch hörte es sich irgendwie poetischer an, einfach wunderschön) Und dann liege ich hier in meinem Bett und bin so dankbar für meine Männer und die Liebe die ich in meinem Leben habe. Und gleichzeitig kommen mir die Tränen weil all die Liebe in unserem Herzen nicht gegeben werden kann obwohl wir doch nichts lieber wollen als Joep Zuhause zu haben. Was würde er für ein toller grosser Bruder werden...

Ich bin froh und dankbar dass ich so einen tollen Sohn haben durfte, dass ich noch einen bekomme der sicher genauso perfekt ist wie Joep. Aber gerade im Moment bin ich vor allem dankbar dass Rene so oft sagt wie sehr er Joep liebt dass er ständig an ihn denkt.

04.09.2017

Fotobuch

Nachdem ich im Februar 2016 alles über Joeps Woche und seine Beerdigung aufgeschrieben hatte fing ich sofort an ein Fotobuch zu entwerfen. Ich wusste genau wie es werden sollte. Es sollte seine Geschichte in Kurzform erzählen. Bei jedem Foto sollte dabei stehen was wir an dem Tag gemacht haben und was passiert ist. Es sollte eine Art Bilderbuch mit viel Text werden. Es sollte mit Ultraschallfotos anfangen, es sollten Fotos von meinem dicken Bauch rein, die Geburt, die Woche mit Joep und Enden sollte es mit der Beerdigung.

Der Anfang gelang mir gut, die ersten Stunden mit Joep waren so perfekt. Aber dann starb er nach nur 2 Stunden fast und stürzte unser Glück wie ein Kartenhaus zusammen. Es tat mir zu weh das Fotobuch weiter zu machen. Monate lang schaffte ich es nicht mehr mich damit zu beschäftigen. Ich fiel in ein tiefes Loch und so gerne wie ich mir seine Fotos und Videos auf dem Handy ansah, so schrecklich erschien es mir sie in ein Fotobuch zu stecken. Nach Monaten versuchte ich es noch einmal. Die Idee war die selbe aber wieder kam ich nicht viel weiter als das Erste mal. Ich bearbeitete alle Fotos in Photoshop um das Beste aus ihnen zu holen. Ich gestaltete die ersten Seiten und kam bis zum Tag an dem wir erfuhren das Joep sterben würde. Wieder brach ich es ab, ich hatte noch Zeit. Zu seinem Geburtstag sollte das Fotobuch eigentlich fertig werden also versuchte ich es Anfang des Jahres noch einmal. Ich schaute mir meinen letzten Entwurf an und war einfach nur unzufrieden. Ich hatte viel zu wenig Fotos gewählt. Manche Tage hatten nur eine oder zwei Seiten im Album, incl Text und das obwohl jeden Tag so viele Fotos gemacht wurden, obwohl ich doch so viel zu schreiben hatte. Jetzt gefielen mir auch meine Texte nicht mehr. Ich war unsicher, mein Deutsch ist nicht mehr gut, das Buch sollte perfekt werden. Was wenn ich auf einmal NL-Deutsch schreibe und ich mich dann für immer ärger? Ich überlegte meine Familie zu fragen ob sie mir mit den Texten helfen können aber das war mir zu aufwendig. Also wollte ich das Buch doch auf niederländisch machen. Warum auch nicht, mein niederländisch ist genauso gut wie mein Deutsch aber hier habe ich immerhin genug Holländer in meiner Umgebung die mir helfen können und es kontrollieren können. Und den Kritischsten habe ich sogar hier zuhause. Ich wollte die Texte also zusammen mit Rene verfassen aber jetzt fehlte mir die Energie doch wieder. Ich war wieder schwanger und ständig müde. Auf Joeps Geburtstag gab es kein Fotobuch, dafür hängen seine Fotos aber hier überall und was nicht geht geht nun mal nicht.

Vor zwei Wochen hatte ich dann Besuch von Eltern die auch ihren Sohn verloren haben und seine Mama hatte ein kleines Fotobuch bei sich das ich mir am Strand angeguckt habe. Es war ganz anders als das was ich eigentlich wollte aber es war wirklich schön. Es war quadratisch, klein und ohne Texte. Und plötzlich wusste ich dass das die Antwort auf mein Fotobuchproblem war. Ich bin zu perfektionistisch und ich schaffe es einfach nicht ein perfektes Buch mit Text zu machen, noch nicht. Ein quadratisches Buch, mit jeweils einem Foto pro Seite, das ist einfach zu machen und es wirkt wirklich super! Außerdem habe ich die Möglichkeit dann zu jeder Seite etwas zu erzählen, vielleicht fragen mich die Leute ja sogar etwas zu den Fotos und ich kann dadurch von Joep erzählen. Ich entschied mich dazu keine Fotos von der Geburt ins Fotobuch zu machen, denn wenn Besuch kommt ist das vielleicht nicht was sie wirklich sehen sollten? Ich versuchte so wenig wie möglich Nippel in meinem Buch zu verarbeiten aber so ganz ohne ging es nicht weil ich Joep auf den Fotos auf denen wir zusammen sind meistens aus der Brust liegen habe. Aber mich stört es nicht und den Besuch hoffentlich auch nicht. Ach ja, das ist dann nicht mein Problem.

Das Buch gestaltete sich innerhalb weniger Stunden quasi von selbst. Ich hatte keine Probleme mehr, ich musste nicht mehr puzzeln welche Fotos in welchem Format von welchem Tag auf welcher Seite stehen sollten. Die Position der Fotos machte nichts mehr aus, auf jeder Seite steht genau ein Foto.

Heute habe ich Joeps Fotobuch bei der Post abgeholt und was soll ich sagen. Ich bin stolz darauf! Es ist ein tolles Buch. Es ist einfacher als ich es ursprünglich wollte aber dafür ist es in seiner Art perfekt. Zu Boefs Geburt haben wir ein Fotobuch von seinem Bruder. Ich wollte so gerne ein Fotobuch haben wenn nachher all der Besuch kommt. Ich wollte so gerne dass jeder selbst sehen kann ob sie sich ähnlich sehen.


3. Trimester

Und auf einmal befinden wir uns mitten im 3. Trimester. WOW. Die Zeit die ich letztes Jahr so verflucht habe ging auf einmal so schnell dass ich gar keine Zeit hatte sie zu verfluchen! Ich bin jetzt in der 37. SSW, das Ende dieser Schwangerschaft kommt wirklich in Sicht. Ende diesen Monats oder Anfang des Nächsten haben wir wieder ein Baby. Hoffentlich eins das wir sofort mit nach Hause nehmen dürfen. Hauptsache er wird glücklich!

32. SSW
In einer Woche darf er geboren werden und können wir ihn sofort mit nach Hause nehmen! Mittlerweile bin ich in Mutterschutz, zuhause ist alles fertig für seine Ankunft. Alle Klamotten haben ich gewaschen, alles was wir kaufen konnten haben wir gekauft und aufgebaut. Im Auto steht wieder ein Maxi Cosi, liegt ein Kinderwagen. Wir haben wieder einen Laufstall im Wohnzimmer, wir haben ein Beistell-bett im Schlafzimmer. 

In dem Lied 'zo mooi' das für uns für immer mit Joep verbunden sein wird heißt es: 'Und alles war bereit, wir machten die Gesten, die man macht wenn jemand willkommen ist, so willkommen, dass es für immer weh tun wird.'  Wieder ist alles fertig und wieder sind wir groß in den Gesten. Wir sind so bereit wie man es nur sein kann. Wir können kaum noch warten. In den nächsten 4 Wochen ist es soweit, dann werden wir unser Baby, Joeps kleinen Bruder, in den Armen halten und in mir ist es ruhig. Ich weiß dass er uns so unfassbar gut tun wird und das wir perfekte Eltern für ihn sein werden.

Aber ich sollte auch etwas zum 3. Trimester schreiben. Mir geht es noch genauso gut wie im 2. Trimester. Es gab 2 Tage in denen Joeps Bruder sehr ruhig war, viel ruhiger als normal und ich machte mir Sorgen. Bei Joep hätte ich sicher nicht angerufen um zu fragen ob alles okay ist aber diesmal ging ich doch ins Krankenhaus. Er ist normal so stark und liebt seine Yogaübungen die dafür sorgen dass mein Bauch die verrücktesten Formen an nimmt. Aber jetzt fühlte ich schon seit 2 Tagen nur ganz leichte Bewegungen, ich fühlte Joeps Bruder aber er war so schwach dass ich mir Sorgen machte. Ich ging also ins Krankenhaus, ich zweifelte so lange ob gehen sollte oder nicht aber ich rief doch an und konnte sofort vorbei kommen. Es wurde ein CTG gemacht und ich fühlte mich wirklich wie die grösste Anstellerin. Alles in mir sagte dass ich keinen Grund habe hier zu liegen, dass alles einfach okay ist. Dazu kam dass das CTG im Kreisssaal gemacht wurde und ich Joep so nah war, er wurde nur ein paar Räume weiter geboren. Das war emotional wirklich schwieriger als die Sorgen die ich mir um Joeps Bruder machte. Vor allem weil der kleine Scherzkeks 3 Minuten nachdem ich am CTG lag wieder anfing mit aller Kraft zu treten und seine Yogastunde begann.  Es war schön, eine halbe Stunde lang hörte ich seinen Herzschlag, ich fühlte ihn wieder so stark wie eh und je und auf dem Ultraschall sah auch alles gut aus. Natürlich war alles gut, ich wusste es, ich wusste dass ich mich anstellte aber ich durfte mich anstellen! Ich darf mich so viel anstellen wie ich will, Joep ist tot, lieber habe ich 10000 mal zu oft Angst als einmal zu wenig.  Seit dem fühle ich Joeps Bruder wieder stärker, er ist nicht mehr so faul gewesen wie die 2 Tage und es gibt keinen Grund mehr mir Sorgen zu machen.

Ansonsten kann ich eigentlich nichts erzählen das abweicht von meiner Schwangerschaft mit Joep außer dass es mir körperlich sogar besser geht. Das liegt aber daran dass ich 2 Wochen eher aufgehört habe zu arbeiten und dass ich die ersten 2 Wochen im August nur halbe Tage gearbeitet hat. Ich hatte wieder solche Rückenschmerzen, die hatte ich bei Joep auch schon. Im oberen Rücken und sitzen ist einfach Gift für meinen Rücken. Diesmal war es mir egal, ich ging einfach schon 6 Wochen vor dem ausgerechneten Datum in Mutterschutz und sagte auf der Arbeit bescheid dass ich die 2 Wochen davor nur noch halbe Tage arbeiten würde. (Ein Hoch auf die Niederlande in der man sowas als Arbeitnehmer einfach selbst entscheiden kann.) Bei Joep habe ich die Schmerzen 'ignoriert', ich wollte funktionieren, ich wollte weiter arbeiten. Zwei Wochen länger arbeiten bedeutete zwei Wochen die ich nach der Geburt länger bei Joep zuhause sein konnte. Diesmal habe ich auf meinen Körper gehört und ich weiß dass ich das auch beim nächsten Kind so machen werde. Je besser es mir körperlich geht desto besser geht es mir mental. Dann nehme ich mir halt unbezahlten Urlaub!

Seit heute bin ich also in der 37. SSW, mir geht es soweit gut. Ich vermisse Joep noch immer, das wird sich nie ändern. Es war komisch Joeps Klamotten zu waschen und zu wissen dass er sie nie getragen hat. Dass sie jetzt für Joeps Bruder sind. Ich fühlte mich wie in einer Zeitreise. Es war wieder Januar 2016, ich bereitete alles für Joep vor. Ich wusch die gleichen Klamotten, ich wusch die gleichen Schubladen aus, dekorierte das selbe Regal. Natürlich wusste ich dass ich es dieses mal alles für Joeps Bruder tat und nicht für Joep. Aber es waren die gleichen Handlungen, ich habe das alles schon einmal gemacht. Es war nicht schrecklich oder so, es fühlte sich richtig an. Joeps Bruder verdient diese Klamotten genauso wie Joep sie verdient hat. Diesmal werden sie getragen, diesmal werde ich sehen wie sie meinem Sohn stehen, wie goldig und perfekt er aussieht in den Outfits die wir für ihn haben.

Das nächste Update das ich schreiben werde wird wohl über die Geburt gehen. Ich habe keine Angst vor der Geburt. Wir haben abgesprochen dass Joeps Bruder nach der Geburt von einem Kinderarzt untersucht wird. Die nächsten Wochen werden wir mit einem Kinderarzt reden um unsere Erwartungen an diese Untersuchung zu besprechen. Ich will sicher wissen dass Joeps Bruder keine Hirnblutung hat, ich will sicher sein ein gesundes Kind mit nach Hause zu nehmen. Aber vor allem will ich dass er nicht unnötig viel untersucht wird, er soll nicht zur Kontrolle im Krankenhaus bleiben wenn das nicht nötig ist. Sobald der Kinderarzt grünes Licht gibt fahren wir nach Hause. So schnell wie möglich! Ich freue mich soooo sehr ihn bald zuhause zu haben, zu kuscheln. Nur Rene, Joeps Bruder und ich im Bett, wir werden ihn stundenlang angucken, genau so wie wir seinen Bruder in uns aufgesaugt haben. Jeder Millimeter seines Körpers wird studiert. Was hat er von Papa? Was von Mama? Was hat er von Joep?

Ich bin froh und dankbar dass ich keine Ängste habe. Die hatte ich wirklich nur im ersten Trimester und das war hart aber ich bin davon überzeugt dass das durch die Fehlgeburt und Joeps Geburtstag kam. Nach dem Verlust seines Kindes kann man wieder schön schwanger sein. Es ist natürlich ganz anders als bei Joep, ich sitze nicht auf meiner rosa Wolke aber mehr als keine Ängste haben konnte ich mir nicht wünschen. Ich lebe von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Noch immer kann ich mir kaum vorstellen dass wir den Kleinen bald zuhause haben. Aber das ist okay für mich, bald ist er zuhause und dann werde ich mich sicher kneifen weil ich es sogar dann noch nicht glauben kann. Dass wir nach so langer Zeit tatsächlich wieder richtig Glück haben. Joeps Bruder ist unser grösstes Glück, ein gesundes Kind ist das grösste Glück. Nach all den Niederlagen werden wir wieder Glück haben, natürlich traue ich mich noch nicht mich darauf zu verlassen. Mein Leben hat mir 2016 doch sehr klar vor Augen gehalten dass nichts so läuft wie ich es mir wünschen würde, dass ich mich nicht darauf verlassen kann dass einfach alles gut geht! Aber 2017 war bis jetzt gut zu uns und ich hoffe dass es das auch bleibt.

5 Tage vor der Geburt

28.08.2017

Das Totenhemdchen - Gebrüder Grimm

Als Kind habe ich Grimms Märchen geliebt. Bis heute finde ich dass die Gebrüder Grimms wirklich die schönsten Märchen zusammen getragen haben. Natürlich gibt es auch eine Menge anderer Märchen die schön sind aber keine anderen gehören so zu meiner Kindheit wie die der Gebrüder Grimm. Ich weiß dass die Enden vieler Märchen im Laufe der Zeit geändert wurden um sie kindgerechter zu machen. Und ehrlich ist ehrlich. Welches kleine Mädchen wünscht sich am Ende eines jeden Märchens kein: '...und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.'

Zufällig bin ich jetzt aber auf ein Märchen gestoßen dass mich echt fassungslos machte. Die Moral der Geschichte entgeht mir komplett. In 'Das Totenhemdchen' geht es um einen kleinen Jungen der gestorben ist und um seine Mutter die schrecklich viel weint weil sie ihr Kind so vermisst. Nach der Beerdigung erscheint ihr der Junge dann Nachts und sagt ihr dass sein Totenhemdchen ganz nass ist von ihren Tränen und dass sie doch aufhören soll zu weinen damit er endlich in Frieden schlafen kann. Seine Mutter ist natürlich entsetzt dass sie ihrem Kleinen nicht gut tut und deswegen hört sie komplett auf um ihn zu weinen, sie ertrug ihr Schicksal und ihren Schmerz still und geduldig. Ende der Geschichte.

Was mir dieses Märchen vor allem zeigt ist wie anders es doch früher war. Mütter durften nicht um ihre Kinder trauern, nicht einmal alleine Zuhause wenn niemand es sah. Es wurde einfach erwartet dass man es unterdrückt und weiter lebt. Wenn ihr Ehemann gestorben wäre hätte man von ihr erwartet sich an das Trauerjahr zu halten und ein Jahr lang nur schwarz zu tragen, aber wenn es ums eigene Kind ging war das scheinbar ganz anders. 

Dieses Märchen in der heutigen Zeit, einer Zeit in der ich so dafür kämpfe dieses Tabu zu brechen, scheint mir so falsch zu sein. Und das begegne ich immer öfter Menschen, höre ich immer wieder Geschichten von anderen Müttern, die genau das von uns erwarten. Wir sollen weiter machen und unser Leben leben, sie verstehen nicht dass mehr als funktionieren einfach noch nicht drin ist. Zu. Glück bin ich nur auf wenig Unverständnis gestoßen aber ich höre es so oft von anderen Mamas. Das es als komisch erfahren wird wenn sie ihre verstorbenen Kinder mit aufzählen. 

Dieses Märchen ist für mich kein Märchen. Vor allem nichts für Kinder. Aber auch nichts für mich... Es zeigt lediglich wie es früher war, in einer Zeit in der viel mehr Kinder starben als heute. Als wirklich jede Menge Familien betroffen waren, als sie einander hätten unterstützen können war das nicht möglich, denn man sprach nicht über den Verlust und die Trauer um sein Kind. 

Oft hätte ich mir jmd in meiner Umgebung gewünscht der mich versteht. Ich habe Kontakte übers Internet geschlossen. Oft dachte ich früher war es leichter, da verstand zumindest jeder diesen Schmerz, da gab es diese Mauer des Unverständnisses nicht. Aber wahrscheinlich war es früher noch viel schlimmer. Jeder verstand es aber niemand durfte darüber reden. Weiter machen war die Devise. Ich frag mich wie viele Leute das psychisch geschafft haben ohne zusammen zu brechen. 


15.08.2017

Jetzt wäre Joepi schon 1,5 Jahre alt

Vor 1,5 Jahren war ich der glücklichste Mensch der Welt. Wie schnell sich das ändern würde/könnte, daran hab ich zu dem Zeitpunkt keinen Gedanken verschwendet.

Mein Körper war voller Glückshormone und ich lernte zu lieben wie es nur Mamas können. 1,5 Jahre ist das heute her... Die Zeit bleibt komisch, wie kann es sein dass Joep nächste Woche schon 1,5 Jahre tot ist. Wie kann es sein dass er nur 8 Tage alt wurde... Die Welt dreht sich einfach weiter und das obwohl ich am liebsten für immer in diesen 8 Tagen leben würde.

Ich sitze jetzt vorm Friedhof im Auto, gerade habe ich Joep einen Ballon gebracht. Eigentlich wollte ich noch Blumen für Joep kaufen aber es regnet und ich bin spät dran. Ich muss zur Arbeit. Ich muss noch eine Woche arbeiten bevor ich frei habe. Verrückt, wo ich gerade noch die Zeit verfluchte bin ich jetzt froh dass sie einfach ihr Ding durch zieht und nicht still steht. In 6 Wochen wird Joep grosser Bruder. In dieser komischen Zeit ist in mir aus einem Millimeter Gewebe ein kleiner Mensch geworden, er wächst stetig in meinem Bauch und zeigt uns dass die Zukunft auch noch Gutes für uns bereit hält. Er sorgt dafür dass ich mit Hoffnung in die Zukunft blicke. 

Aber jetzt fahre ich zur Arbeit und lebe mein Leben... Keiner der mir heute ansehen wird dass Joep jetzt 1,5 Jahre alt sein würde. Keiner der auch nur einen Gedanken daran verschwendet ob ich vielleicht heute morgen die ganze Zeit schon mit den Tränen kämpfe. Keinem wird auffallen dass mein Mascara total am Arsch ist, ich werde funktionieren und die Welt wird sehen was sie sehen will.  Alles ist gut, alles ist gut...Ich funktioniere wieder, immer, das ist gut, natürlich ist das gut. aber heute tut es wieder so weh und ich will gar nicht funktionieren...

Ich liebe dich Joep. Heute nach 1,5 Jahren noch genauso intensiv wie am ersten Tag. Du wirst mir immer fehlen. Du warst so unfassbar schön, ich werde immer stolz auf dich sein!
Den Blumenstrauß bekommst du noch. Versprochen!

09.08.2017

Einen Traum den wir nur für Joeps Bruder träumen

Als ich von Joep schwanger war hatte ich so viele Träume, wir träumten von der Zukunft die uns so rosig erschien. Jeder kleine Junge den wir unterwegs trafen liess uns wieder weiter träumen. Wird Joep das auch so machen? Wird Joep es besser machen?

Wir hatten quasi schon sein ganzes Leben erträumt. Joep würde clever sein und studieren, was genau war uns egal aber er würde im Leben was erreichen. Wir würden ihm immer ein gutes Vorbild sein. Joep würde gutes Essen lieben, wir träumten davon wie wir zusammen kochen würden und er nur das Beste gut genug fände. Das Beste und natürlich Pommes, Pommes würde er auch lieben, wie alle kleinen Kinder.

Wir träumten davon wie er mit anderen Kindern spielt und jede Menge Freunde hier in der Strasse hat. Wir fragten uns ob er der Anführer der Gruppe sein würde? Ob er den meisten Unfug von allen Kindern machen würde? Wir lachten bei dem Gedanken dass auf einmal andere niederländische Kinder "Scheisse" sagen würden und alle Eltern wüssten genau dass sie das von Joep gelernt haben weil ich zuhause meinen Mund nicht halten konnte.

Wir träumten davon dass Joep hellbondes Haar hat und sportlich ist. Wir träumten davon dass wir ganz oft mit ihm zum Strand gehen würden, wir wohnen so nah am Strand und Joep würde den Strand lieben und mit Papa riesen Sandburgen bauen!

Wir träumten davon wie er seine kleinen Schwestern beschützt und auf sie auf passt. Wie er es hassen würde wenn seine Freunde seine kleine Schwester toll fänden. Ja wir träumten davon dass er schnell ein Schwesterchen bekommen würde. Ein Junge und ein Mädchen, das schien uns so perfekt. Eventuell wenn die beiden was älter sind noch ein 3. Kind hinterher.

Alle Träume die werdende Eltern so träumen träumten wir für Joep.

Und dann auf einmal waren all die Träume es die unser Leben zur Hölle machten, wir träumten sie weiter aber wussten dass unsere Träume niemals Wirklichkeit werden würden. Es dauerte lange bis wir uns abgewöhnten zu träumen. Bis wir uns nicht mehr bei allem Neuen fragten wie Joep das wohl finden würde. Wie es wohl wäre wenn er jetzt gerade bei uns wäre. Bis wir andere Kinder ansehen konnten ohne daran zu denken dass Joep alles was sie tun nie tun wird.

Wir haben uns abgewöhnt zu träumen weil Träume uns so weh taten.Wir träumen nicht mehr von der Zukunft, unsere Zukunft sieht auch nicht mehr so rosig aus. Wir haben gelernt wie sehr es weh tut wenn Träume platzen.

Aber jetzt bin ich wieder schwanger, hoch schwanger. Ich will wieder träumen, für Joeps Bruder, von Joeps Bruder. Aber alle Träume haben wir schon für Joep geträumt. Die Träume haben sich ja nicht in Luft aufgelöst. Ich träume noch immer davon mein Baby nach der Geburt mit nach Hause zu nehmen, ihn zwischen uns ins Bett zu legen und ihn einfach zu bewundern. Ich träume noch immer davon mit meinem Baby raus zu gehen so dass Leute sehen wie hübsch mein Baby ist und sie uns auf ihn ansprechen. Ich träume davon wie stolz wir sein werden.

Joeps Bruder verdient auch seine eigenen Träume! Und genau da ist das Problem, wenn man doch schon alles geträumt hat was es gibt, was soll man denn dann noch träumen? Worauf sollen wir hoffen? Ich hätte gerne einen neuen Traum, eine perfekte rosa (oder babyblaue) Welt für uns und Joeps Bruder von der ich träumen kann, eine die nur für Joeps Bruder ist. Aber die gibt es nicht, es gibt nur eine allegemeine Babytraumwelt. Wahrscheinlich ist das beim 2. Kind immer so dass man kaum/keine neuen Träume hat. Man wünscht sich für all seine Kinder nur das Beste und darum träumt man auch nur vom Besten.

Natürlich träume ich auch davon dass Joeps Bruder klug und hübsch wird, viele Freunde haben wird und dass er ein glücklicher Junge werden wird.

Aber vor allem hoffe ich dass wir ihm alles geben können das er braucht um das zu erreichen, dass wir keine ängstlichen Eltern werden die ständig Angst davor haben dass sie ihr Kind verlieren können, weil wir wissen wie schnell das gehen kann. Wir wären die entspanntesten Eltern überhaupt für Joep gewesen, aber wie wir jetzt sein werden weiss ich nicht.

Wir haben kleine verhaltende Träume und Pläne für Joeps Bruder die wir so nicht für Joep hatten. Der erste Wunsch ist dass wir die ersten Tage alleine mit ihm sein wollen, dass ihn keiner ausser uns (und der Geburtshelferin die die erste Woche bei uns sein wird) anfasst. Einfach damit wir uns in Ruhe an ihn gewöhnen können. Bei Joep konnte ich nicht darauf warten dass jeder vorbei kommt um ihn zu bewundern. (Und im Krankenhaus wollte ich dann niemanden sehen und meine kurze Zeit mit ihm nicht teilen) Diesesmal wünschte ich dass das nicht nötig ist, wir wollen einfach unsere Ruhe mit ihm haben und unser junges Familienglück geniessen. Mal sehen wie wir das umsetzen werden. Rene und ich haben beide eine sehr grosse Familie und wenn jeder vorbeikommen will dann haben wir das Haus wochenlang voll. Ganz zu schweigen von den Freunden und Kollegen die alle so mit uns mitgelebt haben und sicher auch gerne unser neues Wunder bewundern wollen.

Ein anderer Traum den wir für Joeps Bruder haben ist dass er vor allem selbstgemachtes Essen isst. Das haben wir auch für Joep geträumt, aber im letzten Jahr haben wir uns was das betrifft weiter entwickelt. Wir haben letztens zum Beispiel selbst Joghurt gemacht und haben extra hierfür auf einem Bauernhof frische Milch gekauft (Die ich nicht trinken durfte...). Wir wollen gerne dass er weiss woher sein Essen kommt und er merkt dass es besser schmeckt wenn man es selbst macht als wenn man es fertig im Supermarkt kauft.

Wir sind noch auf der Suche nach einem Traum den wir nur für Joeps Bruder träumen und der nichts mit Joep zu tun hat. Aber ehrlich ist ehrlich, der einzige wirklilch neue Traum den wir haben ist dass wir davon träumen zusammen Joep zu besuchen. Wir träumen davon vorher in den Streichelzoo zu gehen der hier gleich um die Ecke ist und davon dass Joeps Bruder gerne seinen grossen Bruder besucht. Aber diesen Traum gäbe es nicht ohne Joep. Wir werden sehen ob wir einen Traum finden den wir nur für Joeps Bruder träumen.

Und wenn das nicht so ist dann ist auch das total in Ordnung. Der wichtigste Traum den ich für beide geträumt habe und jetzt für Joeps Bruder träume ist dass es die glücklichsten Jungs der Welt werden. Hauptsache Joeps Bruder wird glücklich!

08.08.2017

Mamakraft

Kennt ihr noch das Gefühl dass ihr kurz nach der Geburt eures Kindes hattet? Als ihr auf einmal wusstet dass ihr für dieses kleine Baby alles tun werdet und bis ans Ende der Welt gehen würdet? Diese unfassbare Kraft, Rene und ich nennen sie Mama- und Papakraft.

Als Joep noch lebte versprachen wir ihm weiterhin immer stark zu sein, für ihn. Und in dem Moment war ich mir sicher dass wir das schaffen weil er mir so viel Kraft schenkte. Sogar kurz nach seinem Tod war diese unfassbare Stärke noch in mir, vor allem wenn ich gerade von seinem Grab kam. Ich fühlte ihn ganz nah bei mir und doch wurde diese Kraft und Stärke mit der Zeit immer weniger. So wenig bis sie letztendlich ganz weg war. Ohne Baby/Kind gab es für uns keine Mama- oder Papakraft. Was habe ich Eltern beneidet die schon ein Kind hatten, einfach weil ich dachte dass sie diese Kraft noch haben und sie einen Grund zum kämpfen haben. Einen Grund den ich so lange gesucht habe aber alles was ich fand war ein kleiner Funken Hoffnung dass wir irgendwann noch einmal Eltern werden würden.

In den letzten Wochen fällt mir auf dass es mir psychisch besser geht. Erst ging es Rene besser als mir, irgendwann ging es uns gleich gut/schlecht aber in letzter Zeit merken wir dass es mir besser geht und ich die Stärkere bin. Was verrückt ist denn ich bin schwanger und müde und mein Leben besteht eigentlich nur noch aus arbeiten, essen und schlafen. Aber wenn ich wach bin dann sitze ich viel weniger rum als vorher. Der Nesteldrang setzt langsam ein, ich will dass alles fertig ist. Nur noch 2 Monate und wir haben wieder ein Kind. In mir herrscht eine Unruhe die dafür sorgt dass ich anfange alles zu sortieren, sauber zu machen und vor zu bereiten.

Erst heute wurde mir bewusst warum es mir besser geht als Rene, dabei ist es doch so logisch. Es kommt durch Joeps Bruder, meine Mamakraft setzt langsam aber sicher ein. Ich trage ihn 24/7 mit mir rum, spüre ihn immer. Ich habe eine kleine Batterie im Bauch die mich mit extra Energie versorgt. Bei Joep wurde mir erst im Krankenhaus bewusst dass er eine kleine Batterie ist, ich durch ihn die stärkste Frau der Welt geworden bin. Diesmal erkenne ich es schon 2 Monate vor der Geburt. Joeps Bruder macht wieder eine starke Frau aus mir, etwas wovon ich nicht gedacht hatte dass ich das dieses Jahr noch so empfinden würde. Ich bin sicher noch nicht so stark wie vor Joep, ich bin noch lange nicht so wie ich war aber ich weiss  dass ich stark genug bin um das mit Joeps Bruder alles zu schaffen! Dass er eine starke Mama hat und ich bin überzeugt dass bald auch die Papakraft einsetzten wird und Rene auch von unserer kleinen Batterie profitieren wird.

Mama und Papakraft, wir sind bereit für dich und durch dich bereit für alles was die nächsten Jahre noch auf uns zukommt. Vielleicht ist es ja gerade diese Kraft die wir brauchen um wieder glücklich werden zu können!
Joep, ich liebe dich! Ich vermisse dich! Du hast Mami gezeigt wie stark sie sein kann und genau das hilft Mami gerade wieder etwas Vertrauen in die Zukunft zu bekommen. Danke mein kleiner schöner Schatz!

03.08.2017

Gedenkdienst im Krankenhaus in dem Joep starb

Im Krankenhaus in dem Joep gestorben ist gibt es einmal im Jahr einen Gedenkdienst (kein Gottesdient) für alle Kinder die im letzten Jahr gestorben sind.

Lange habe ich auf diesen Tag gewartet, ich habe ein paar mal nachgefragt wann dieser Dienst denn endlich sei und im Mai war es dann so weit. Einen Tag vor Muttertag hatten wir diesen Gedenkdienst.

Eine Woche zuvor waren wir schon einmal in Leiden wegen dem grossen Organscreening von Joeps Bruder. Das machte es jetzt leichter, das Parkhaus schnürte mir zwar wieder die Luft zum atmen ab aber nicht so sehr wie eine Woche zuvor. Diesmal mussten wir auch in ein anderes Gebäude in dem wir vorher noch nie waren und wir hatten die Möglichkeit nach dem Dienst noch etwas zu trinken und uns mit anderen Eltern aus zu tauschen.

Der Dienst begann, es wurden Geschichten und Gedichte vorgelesen, es gab zwei Musikanten die Musik spielten und alles war festlich geschmückt. Rene und ich waren in unserer eigenen Welt, sprachen nicht mit anderen Eltern. Es war sehr emotional aber es war auch ein schöner Dienst.

Man hatte die Möglichkeit vor dem Dienst ein Gedicht das man für sein Kind geschrieben hat via email zu verschicken dass dan vorgelesen wurde. Als der Brief mit der Einladung kam ging es uns nicht gut und ich habe nur die wichtigsten Informationen daraus beachtet. Wir mussten uns anmelden, wir mussten in einem bestimmten gebäude sein und es war im Mai. Am morgen vor dem Gedenkdienst habe ich dann nochmal alles gut gelesen und ärgerte mich enorm dass wir das Gedicht dass Rene für Joep geschrieben hat nicht eingereicht haben. Ich dachte jetzt ist es auch zu spät, dann haben wir halt pech.

Auf jedem Stuhl lag ein Programmheft und darin standen auch alle Gedichte die Eltern für ihre Kinder geschrieben haben. Joeps Gedicht stand nicht dabei und das machte mich traurig. Plötzlich wurde dann noch ein Gedicht vorgelesen dass von anderen Eltern erst am morgen eingereicht wurde und jetzt ärgerte ich mich richtig. Wir hätten einfach auch dreist sein sollen, dann wäre sein Gedicht vorgelesen worden anstatt nur in einem Heft zu stehen. Verdammte scheisse...

Während eines Liedes stand ich auch und ging zu der Frau die den Dienst leitete und fragte ob sie vielleicht auch unser Gedicht noch vorlesen konnte, von meinem Handy, von diesem Blog. Es war kein Problem und so wurde auch unser Gedicht noch vorgelesen. Natürlich war das für uns ein unfassbar emotionaler Moment! Es fühlte sich richtig an dass Joep diese extra Aufmerksamkeit bekam!

Der Höhepunkt des Dienstes war wohl der Moment in dem alle Namen von allen Kindern genannt wurden. Die Namen wurden in Etappen vorgelesen, unterbrochen durch Musik und Gedichte. Sobald der Name eines Kindes genannt wurde standen die Eltern auf, nahmen eine weisse Rose in Empfang und stellten diese Rose in eine grosse Vase die in der Mitte stand.



02.08.2017

Momentaufnahmen

Wie geht es mir momentan wirklich?

Oft wenn ich hier schreibe dann schreibe ich um meinen Frust ab zu bauen oder um meiner Trauer ein Ventil zu geben. Natürlich geht es mir nicht immer nur schlecht, wir haben mittlerweile auch wieder viele gute Momente. Jeder einzelne Eintrag ist eine Momentaufnahme. 100% wahr aber nicht representativ für die anderen Tage an denen ich nicht schreibe.

Wir lachen viel und man sieht uns wirklich nicht mehr an dass wir es noch immer so schwer haben. Einfach weil wir wieder funktionieren und es uns besser geht. Aber unser Leben ist noch nicht gut und Menschen die meinen Blog mitlesen wissen das und verstehen das. Der Rest der Welt scheint oft keine Ahnung zu haben. Da gehen wir in der Menge unter und man findet uns maximal langweilig wenn wir sagen dass wir keine Lust haben etwas zu unternehmen. Die Schwangerschaft ist da natürlich auch eine willkommene "Ausrede". Wir brauchen sie nicht einmal zu nennen, jeder scheint sie als Grund für alles zu akzeptieren. Mir geht es nicht gut? Ja es muss schwer sein wieder schwanger zu sein. Ich hab keinen guten Tag und will nichts unternehmen? Ja, schwanger ist man auch so müde. Dass das nur selten wirklich der Fall ist erkläre ich lange nicht immer. Sollen sie doch denken... Solang ich  meine Ruhe habe :)

Aber mir ist auch wichtig dass jeder der hier liest versteht dass es immer nur Momentaufnahmen sind wenn ich hier schreibe und ich halt vor allem schreibe wenn es mir nicht so gut geht. Manchmal weiss ich nicht mal worüber ich noch schreiben könnte und plötzlich passieren wieder so viele Dinge die ich nicht schnell genug auf Papier bringen kann.

Ich bin nicht mehr so positiv wie ich früher war aber ich denke ich bin ein Stück positiver als ich hier rüber komme. Die meiste Zeit habe ich wirklich Hoffnung dass wir wieder glücklich werden, mein Leben besteht aus Trauer aber genauso allgegenwärtig ist die Liebe die ich nicht nur von Rene und Joep bekomme sondern auch von unseren Famlien und Freunden. Die Liebe die ich für so viele Menschen empfinde.

Unser Leben ist noch lange nicht gut. Richtig gut wird es wohl nie wieder werden aber wir werden wieder glücklich, ich weiss es und ich brauche diese Hoffnung auch.

Ich habe keine Ängste dass wir auch Joeps Bruder verlieren könnten, was das betrifft bin ich fast genauso naiv wie ich es auch bei Joep war. Das tut mir wirklich gut. Ich habe im letzten Jahr etwas gelernt und diese Schwangerschaft versuche ich nicht mehr mehr zu unternehmen als ich kann. Momentan besteht mein Leben aus arbeiten, essen und schlafen. Mehr schaffe ich nicht und das ist okay für mich. Bei Joep habe ich so gekämpft, trotzdem noch regelmäßig etwas zu unternehmen aber das ist jetzt einfach nicht mehr nötig. Ich nehme mir die Ruhe die ich brauche und wenn ich demnächst merke dass Vollzeit arbeiten auch zu viel wird dann werde ich auch weniger arbeiten. Ich stresse mich einfach nicht mehr so um Unwichtiges. Ich weiss was echte Probleme sind andere "Probleme" berühren mich viel weniger als früher.

24.07.2017

Regenbogen

Lieber Joep,

Mein liebster und schönster Joep, gestern war schon wieder der 23.

Gestern vor 17 Monaten bist du für immer in unseren Armen eingeschlafen. Du warst so stark, hast allen gezeigt was für ein Kämpfer du bist, dass du das Durchsetzungsvermögen von Papa hast! Ein echter Daniels gibt nicht auf, ein Daniels kämpft und du hast bis zum letzten Atemzug so sehr gekämpft. 

Mama hatte sogar irgendwie die Hoffnung dass du die Nacht auch noch überleben würdest und dass die Ärzte morgens einsehen dass sie falsch liegen. Du stirbst nicht, nicht mein Sohn, er wird euch allen zeigen wie stark er ist. Aber tief in meinem Herzen wusste ich es besser, egal wie stark du warst, niemand ist so stark dass ein kaputtes Gehirn kein Problem ist.... Du konntest nicht glücklich werden, du konntest niemals werden was du hättest werden müssen. Ein Leben voller Leid wollte dir jeder ersparen...

Gestern vor genau 17 Monaten als du so hart um dein Leben gekämpft hast, hast du uns gezeigt was dein Zeichen ist. Du hast uns deinen ersten Regenbogen geschickt und als wir ihn sahen wussten wir dass diese Verbindung zwischen Himmel und Erde immer unsere Verbindung sein wird.

Der Regenbogen bedeutet für uns sichtbare Liebe zwischen Himmel und Erde. Unsere Liebe die für ein paar Minuten in den schönsten Farben für jeden sichtbar vom Himmel strahlt.

Mama geht es seit dem Urlaub schlechter. Gestern hat sie sicher 1000 Mal zu Papa gesagt dass sie nicht arbeiten will, die Kraft nicht findet um diese Woche zu funktionieren.

Ich ging wieder früh ins Bett. Ich lag ihm Bett und surfte durchs Internet. Ich dachte nicht daran dass es jetzt genau 17 Monate her war dass dein kleines Herz seine letzten Schläge schlug. Der 23. ist ein Tag der nicht mehr so schwer ist wie anfangs, ich denke nicht mehr die ganze Zeit daran was genau war.  Aber gestern um 21.15 guckte ich vom Bett aus kurz aus dem Fenster und da sah ich ihn. Einen riesigen Regenbogen! Genau vor unserem Schlafzimmerfenster. Genau über dem Friedhof, über dir und das obwohl es gar nicht wirklich regnete. Es waren die letzten Sonnenstrahlen und sie zauberten uns einen wunderschönen Regenbogen.

Jeder Regenbogen erinnert mich an dich und schenkt mir Freude und Stolz. Ein kompletter Regenbogen bedeutet für mich aber noch so viel mehr. Dann weiß Mami wie viel Mühe du dir gibst. So ein Regenbogen direkt überm Friedhof, das ist etwas ganz besonderes. Und dann am 23. ganz spät abends! Das war wirklich ganz besonders.

Mami rief sofort Papa, er musste sofort kommen, sofort. Ich war fast schon hysterisch, ich rief ihn und er sollte sofort da sein, Papa kam sofort aber Mama hatte solche Angst dass auch nur eine Sekunde zuviel von deinem Zeichen verpasst werden könnte.

Papa kam zu Mama ins Bett und wir setzten uns vors Fenster um dein Geschenk zu bewundern. Papa sagte dass du bestimmt wusstest dass es mir nicht gut geht und dass du mir Kraft schickst und so war es auch. Mami fühlte sich sofort besser, wirklich wahr. Auf einmal wusste ich dass ich diese Woche wohl arbeiten kann und dass ich stark genug bin.

Wir sassen eine viertel Stunde auf dem Bett und der Regenbogen wurde immer schöner. Er war sogar kurz doppelt. Es ist so schade dass man einen Regenbogen nie so schön aufs Foto bekommt wie er in Wirklichkeit ist. Du warst das Schönste was wir je gesehen haben und ein Regenbogen ist wohl das schönste das die Natur zu bieten hat lieber hübscher Joep. Du schenkst uns das schönste was du uns schenken kannst und Mami und Papi sind so froh und stolz auf dich!

So lange hatten wir schon keinen ganzen Regenbogen mehr gesehen, so lange ist es her dass wir einen Regenbogen über dem Friedhof gesehen haben! Letztes Jahr schienen sie überall zu sein aber dieses Jahr sind sie seltener. Um so schöner dass du uns gestern einen geschickt hast lieber Schatz. Schon die ganze Woche dachte ich dass es Regenbogenwetter ist aber nie sah ich einen. Und dann war er da, so unerwartet und spät am Abend.

Während wir auf dem Bett sassen und deinen Regenbogen bewunderten appte Coco mir. Auch bei ihr Zuhause war ein Regenbogen und sie schickte mir deine Grüsse und meinte dass sie sich auch freut endlich wieder einen Regenbogen zu sehen und dass sie für den Rest ihres Lebens immer an dich denken wird wenn sie einen sieht.

Gestern wolltest du wieder angeben kleiner Joep. Gestern hast du uns wieder gezeigt wie stark du bist. Du bist so stark weil Mama und Papa auch stark sind, das hast du von uns. Also werden Mama und Papa auch in Zukunft stark sein, genau wie du!

Wir lieben dich so sehr Schatz!
Es gibt keine Worte um zu beschreiben wie sehr wir dich lieben und wie viel du uns bedeutest. 

Danke für den wunderschönen Regenbogen Joepi! Danke dass du uns Kraft schenkst wenn wir sie brauchen und danke dass du gut auf uns und deinen kleinen Bruder aufpasst. 

Wir werden dich immer lieben! Joeps Bruder wird auch bei jedem Regenbogen an seinen grossen Bruder denken. Wir werden ihm deine Zeichen beibringen, er wird sie auch verstehen. 

Pass gut auf dich auf liebster Joep, irgendwann sehen wir uns wieder und dann zeigst du uns wie man einen Regenbogen macht. Bis dahin werfe ich dir noch unfassbar viele Kusshände in den Himmel!

Mami liebt dich so unfassbar viel und vermisst dich immer. Da wo du bist gibt es keine Zeit...  Für dich ist es als ob wir schon fast da sind, nur noch ein klitzekleiner Moment und dann halten wir dich wieder! Bis dahin spiel mit den anderen Engeln!

Mama 💓

23.07.2017

Bruderliebe 💙💛

An Joeps Grab hängt eine Spieluhr. Jedes Mal wenn wir bei ihm sind ziehen wir sie auf und hören 'you are my Sunshine'.

Vor ein paar Monaten habe ich hier beschrieben dass ich eine Spieluhr aus Joeps Jacken habe machen lassen und wie ich davon träumte dass Joep auf diese Art und Weise irgendwann seine Geschwisterchen in den Schlaf 'singen' wird. Auch diese Spieluhr spielt die Melodie 'you are my Sunshine'.

Seit ein paar Wochen spielen wir Joeps Bruder diese Spieluhr vor. Joeps Bruder ist ein kleiner Genießer der erst richtig aktiv wird wenn er nicht bekommt was er will oder etwas aufhört dass ihm gefällt. Er tritt immer mehr wenn Rene weg geht als wenn Rene mit ihm redet und kuschelt. Auch mit der Spieluhr hatte ich schnell das Gefühl dass sie ihm gefiel. Er wurde ganz ruhig wenn die Musik lief, hielt inne und lauschte. Sobald die Musik vorbei war ging es dann los! Wenn ich die Spieluhr wieder auf zog war er wieder ruhig.

Es freute uns dass ihm die Spieluhr gefällt. Aber seit dieser Woche tanzt er förmlich in meinen Bauch zu der Melodie! Das ist wirklich beeindruckend, das Taktgefühl hat er vom Papa, ganz sicher nicht von mir ;) man fühlt wie er sich im Takt bewegt, zur Melodie tritt und mit dem Armen rudert.
Sofort haben wir versucht ob er, genau wie Joep, auch auf HipHop reagiert aber das schien ihm nicht zu gefallen. Seine Spieluhr aber liebt er! Wenn er wach ist kann ich deutlich fühlen wie er sich im Rhythmus der Musik bewegt.

Joep 'singt' für seinen Bruder und Joeps Bruder liebt sein Lied! Die Spieluhr verbindet die beiden und das sie jetzt schon so gut ankommt freut mich wirklich sehr.

Echte Bruderliebe, wenn auch so anders als ich es wollte...

20.07.2017

Traum

Fast hätte ich diesen Traum vergessen. Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich (endlich) wieder über Joep geträumt. Es war in der Nacht auf den 15.

Kurz danach wurde ich wieder wach und dachte wtf... Warum träume ich nie etwas schönes, warum kann er nie leben? Es dauerte eine Weile bis ich wieder einschlief...

Aber zu meinem Traum:

Ich lief über den Friedhof und entdecke eine komplett neue Ecke die mir wirklich gut gefiel. Sofort wusste ich: Joep sollte hier liegen und nicht da hinten zwischen den ungepflegten Kindergräbern. Ein Mitarbeiter vom Friedhof kam vorbei und wir redeten. Er erklärte mir dass es in diesem Stück nur wenig Kindergräber gibt aber dass wohl alle Gräber sehr klein sind weil hier Leute einer bestimmten Kultur begraben werden. In dieser Kultur ist es üblich die Beine und Arme vom Torso zu entfernen und sie so in möglichst kleinen Gräbern begraben werden.

Es störte mich nicht, ich wusste dass Joep hier liegen sollte und der Mitarbeiter vom Friedhof meinte dass das kein Problem sei. Ein paar Minuten später kam er mit Joep zurück. Joep lag in seinem Korb, das neue Grab war schon ausgehoben aber auf einmal hatte ich Zweifel. Was würde Rene sagen? Also rief ich Rene an und Rene kam sofort vorbei. Rene öffnete den Korb aber ich traute mich nicht rein zu schauen. Zu oft habe ich darüber nachgedacht wie Joep jetzt wohl aussehen wird... Rene meinte dass es gar nicht so schlimm sei, er gab ihm von einer Skala 1-10 noch immer eine 7. Ich schaute mir Joep nicht an.

Wir entschieden uns ihn zurück in sein ursprüngliches Grab zu legen, dass es doch besser ist wenn er bleibt wo er war. Wir trugen ihn zusammen zurück zu den Kindergräbern. Ich fühlte dass sich drinnen etwas bewegte, es fühlte sich an wie kleine Kiesel Steine die durch unsere Bewegung hin und her flogen. Die Erde rieselte auf meine Arme als ich Joep ein Stück alleine trug und ich fragte mich wie viel Dreck wohl bei ihm in seiner Kiste sei. Ich wunderte mich dass ich ihn gar nicht riechen konnte. Wenn er doch eine 7 war... Dann sollte ich etwas riechen?

Als wir wieder bei seinem Grab ankamen war das ganze Stück Friedhof auf dem er lag irgendwie leer. Alle Kinder waren aus ihrem Grab genommen wurden, die Erde war ganz eben, ohne Unkraut. Es sah aus wie ein Stück Garten... Uns wurde erklärt dass wegen einem Maulwurf alles neu gemacht werden musste und dass wir Joep jetzt wieder neu begraben konnten. Er sollte jetzt ganz links liegen anstatt in der Mitte und das Grab neben ihm das schon 10 Jahre alt ist würde gar nicht mehr zurück kommen.

Ich fing also an sein Grab zu schaufeln, ich wusste gar nicht wie tief ich graben musste. Ich erinnerte mich daran dass wir die Kiste auf der Beerdigung selbst ins Grab setzen konnten und dann wusste ich plötzlich genau was ich zu tun hatte.

Ich grub und grub, es dauerte länger als ich dachte und auf einmal stieß ich auf einen alten Grabstein aus 1911. Es war der Grabstein für ein Baby und darauf stand in Deutsch dass das Baby tot geboren worden war.  Irgendwie berührte es mich dass damals ein Baby mit so viel Liebe beerdigt wurde und es seinen eigenen Stein hatte. Wir stellten Joep in seinem Korb auf dieses Kindergrab.

Ende

Als ich an dem Tag am Friedhof vorbei fuhr rief ich Joep zu dass Mami ihn nie einfach so aus seinem Grab holen würde und dass er sich wirklich keine Sorgen machen müsse. Der Traum beschäftigte mich den ganzen Tag.

Meine Schwester WhatsAppte mir morgens dass auch sie in der gleichen Nacht von Joep geträumt hatte. In ihrem Traum war Joep ein hübscher kleiner Junge. Er war leicht behindert aber er klammerte sich wie ein Äffchen an meine Schwester und wollte immerzu kuscheln. Es war das erste Mal dass sie von Joep träumte.