Auf mich weil es mein Leben ist. Weil ich gerade nicht weiss wer ich bin. Weil ich meine Grenzen nicht kenne. Weil ich kein Mitleid mit den scheiss Problemen der Anderen habe die kein Kind verloren haben. Weil all diese Probleme für mich so einfach zu lösen sind aber Joeps Tod ist endgültig. Daran kann man nichts ändern.
Ich will kein Verständnis haben für all die Verletzungen mit denen ich leben muss. Das Joep euch zu sehr runter zieht, ich nicht über ihn reden darf... Ich will euch nicht in meinen Leben. Heute nicht wo es mir so schlecht geht aber den scheinheiligen Scheiss brauche ich auch morgen nicht.
Ich möchte mit niemanden lachen der nicht mit mir weinen kann.
Das zieht dich zu sehr runter... Ehrlich? Wie soll es mir denn gehen. Ich kann nicht einfach tun als sei das nie passiert und mich selbst bemitleiden weil meine Probleme ja sowieso schon schwer genug sind. Ehrlich. Tausche eine Stunde mit mir und du lachst dich selbst aus... Das du dachtest du hast Probleme.
Heute bin ich so wütend und überfordert. Mit allem. Auf jeden. Auf die Welt die sich weiter dreht. Auf das Leben und den Tod. Darauf das wir nie komplett sein werden. Das Joep immer fehlt.
Und dann soll ich mich um meine Alltagssorgen sorgen... Kein Wunder das ich meine eigenen Probleme nicht erkenne wo sie im Vergleich doch so nichtig sind. Da wird Joeps Bruder ein ernstes Schlaf- und Essproblem bescheinigt und ich kann nur denken das doch trotzdem alles super ist. Er lebt, er ist glücklich. Ja er schläft nur bei mir, trinkt nicht aus der Flasche aber er ist doch noch kein halbes Jahr. Das ist doch normal?
Dann schiebe ich das Problem ab aufs Land. Das hier jede Mutter wieder arbeiten muss sobald das Kind 3 Monate ist. In Deutschland würde niemand auf die Idee kommen zu sagen wir haben ein Problem, oder?
Oder verschließe ich die Augen vor unserem Problem? Alle anderen Kinder hier haben diese Probleme nicht. Können in die Kita. Ich muss eigentlich wieder arbeiten aber das geht nicht. Nicht wenn L. nichts isst ausser an meiner Brust ... Und die Sorgen darum sind sehr wohl da. Die Lösung ist so einfach. Zuhause bleiben. Und doch will ich funktionieren, den Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden. Und dieser Druck, zusammen mit der Trauer... Wann wird mir das zu viel? Ein Kind das nicht schläft und schwierig isst, wie lange kann ich das neben der Arbeit schaffen? Tage, Wochen? Ich schaffe es nicht lange, da bin ich mir sicher. Die andere Lösung, wahrscheinlich die bessere, ist Hilfe suchen. Jemand der uns dabei hilft einen richtigen Rhythmus für Joeps Bruder auf zu bauen. Der uns dabei hilft ihn aus der Flasche trinken zu lassen. Diese Hilfe haben wir jetzt. Denn ja, das Problem scheint viel größer zu sein als ich wahr haben will. Und auch das hasse ich. Ich darf nicht für Joep sorgen. Jetzt will ich die beste Mama für Joeps Bruder sein aber ich bin zu blöd mein Kind tagsüber schlafen zu lassen... Zu blöd ihn aus der Flasche trinken zu lassen. L.'s Wille ist definitiv stärker als meiner. Und ich liebe das an ihm. Er weiss was er will, mein Sohn.